Auf der Münchner Sicherheitskonferenz wies die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas in ihrer Rede entschieden Narrative zurück, die Europa als schwach oder übermäßig ideologisch („woke“) darstellen. Sie betonte die ungebrochene Anziehungskraft der Europäischen Union, auf die viele Länder weiterhin zusteuern, und unterstrich damit die globale Bedeutung Europas.
Kallas bezeichnete Europa als ein Erfolgsmodell. „Wir Europäer wissen, worum es geht“, erklärte sie zur Eröffnung einer Diskussionsrunde mit dem Titel „Europäer, vereinigt euch“. Dabei gehe es nicht allein um wirtschaftlichen Wohlstand, sondern auch um „die Lehren aus der Geschichte“. Sie zeigte sich überzeugt, dass zahlreiche Staaten den Beitritt anstreben, und verwies beispielhaft auf eine Umfrage in Kanada, wonach 40 Prozent der Befragten einen EU-Beitritt befürworten würden.
Wie andere europäische Regierungsvertreter bezog sie sich auch auf frühere Äußerungen US-amerikanischer Redner. Während sie bestehende Differenzen zu den USA nicht leugnete, hob sie die weiterhin essentielle Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft hervor. Die Rede des US-Außenministers Marco Rubio vom Vortag bewertete sie ambivalent: Der Ton sei freundlich gewesen, dem Inhalt könne sie jedoch nicht in allen Punkten zustimmen – etwa wenn Rubio die europäische Zivilisation am Abgrund sah.
Kallas forderte mehr Einigkeit und Entschlossenheit innerhalb der EU, insbesondere in den Bereichen Verteidigungsfähigkeit, strategische Autonomie und globale Partnerschaften. Europa müsse sich seiner Identität und Werte bewusst werden und diese Stärken – sowohl wirtschaftlich als auch politisch – entschlossen nutzen.
Wiederholt unterstrich Kallas die von ihr wahrgenommene Bedrohung durch Russland. Trotz der Schwächung durch den Krieg in der Ukraine stelle Russland weiterhin eine „ernsthafte militärische und wirtschaftliche Gefahr“ dar.
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