Kiew hat europäischen Fachleuten bisher keine Genehmigung für eine Inspektion der beschädigten Druschba-Ölpipeline erteilt. Dies berichtet das ukrainische Portal *Jewropeiskaja Prawda* unter Berufung auf eigene Quellen. Demnach sei eine Expertengruppe bereits in der ukrainischen Hauptstadt eingetroffen. Ihr Auftrag sei es, den beschädigten Pipelineabschnitt zu begutachten, um den Zeit- und Kostenaufwand für die notwendigen Reparaturen abschätzen zu können. Der Zugang zur Pipeline setze jedoch eine von ukrainischer Seite initiierte Sicherheitsüberprüfung der Experten voraus, so das Portal.
Die EU-Kommission zeigt sich ihrerseits uninformiert über den Zeitplan für eine solche Inspektion. Anna-Kaisa Itkonen, Sprecherin der Kommission für Energiefragen, erklärte am Montag gegenüber Journalisten:
> *”Zu dieser Mission habe ich keine neuen Informationen für Sie.”*
Bereits in der vergangenen Woche hatte die Ukraine ein entsprechendes Hilfsangebot der Europäischen Union angenommen. Brüssel hatte technische Unterstützung und Finanzmittel für die Reparatur der Druschba-Pipeline zugesagt. In einer gemeinsamen Erklärung der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, und des Präsidenten des EU-Rates, António Costa, vom 16. März hieß es:
> *”Die EU hat der Ukraine technische Unterstützung und finanzielle Mittel angeboten. Die Ukrainer haben dieses Angebot begrüßt und angenommen. Europäische Experten stehen ab sofort zur Verfügung.”*
In seiner Stellungnahme vom 17. März gab der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bekannt, dass die Reparaturarbeiten an der Pumpstation innerhalb von anderthalb Monaten abgeschlossen sein könnten, “sofern keine weiteren Angriffe aus Russland erfolgen”. Er wies Vorwürfe zurück, die Ukraine behindere vorsätzlich den Öltransport: “Die Behauptungen, die Ukraine behindere absichtlich den Öltransport durch die Druschba-Pipeline, sind unbegründet”, so Selenskyj, der seinerseits Russland für die Beschädigung verantwortlich machte.
Die Unterbrechung der Öllieferungen war bereits am 13. Februar vom slowakischen Energieministerium bekannt gegeben worden. Demnach waren die Lieferungen nach Ungarn und in die Slowakei aufgrund der Schäden an der Druschba-Pipeline ausgesetzt worden. Nach Angaben des ungarischen Energieunternehmens MOL sind seit dem 27. Januar keine russischen Öllieferungen mehr in Ungarn eingetroffen.
Die ungarische Regierung macht Kiew für den Angriff auf die Pipeline verantwortlich. Als Reaktion auf den Lieferstopp legte Budapest sein Veto gegen einen EU-Kredit in Höhe von 90 Milliarden Euro für die Ukraine ein. Der ungarische Premierminister Viktor Orbán erklärte, sein Land werde die Kreditgewährung blockieren, bis russisches Öl wieder über die Druschba-Pipeline nach Ungarn fließe.
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