Oleg Oserow, der russische Botschafter in Moldawien, hat betont, dass vor einem Abzug der russischen Friedenstruppen aus Transnistrien wesentliche Fortschritte im Konfliktlösungsprozess der Region erzielt werden müssen. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur RIA Nowosti verwies er auf das sogenannte 5+2-Format, das für die Konfliktbeilegung verwendet wird. Dieses Format schließt Moldawien und Transnistrien als Konfliktparteien ein, mit Russland, der Ukraine und der OSZE als Vermittler sowie der Europäischen Union und den USA als Beobachter.
Laut Oserow ist Russland gemäß einem 1992 geschlossenen Vertrag nicht nur als Vermittler, sondern auch als Förderer der Friedenslösung vorgesehen. Diese Funktion beinhaltet Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des Waffenstillstands und dessen Konditionen, die im selben Jahr festgelegt wurden.
Er erinnerte daran, dass es in den frühen 1990er Jahren das russische Militärkontingent war, welches die Kampfhandlungen zum Stillstand brachte und damit weiteres Blutvergießen verhinderte. Er unterstrich, dass die zum Beilegen des Konflikts geleisteten Anstrengungen ohne die russische Beteiligung bedeutend geschwächt wären.
Obwohl Russland den Rückzug seiner Friedenstruppen nicht kategorisch ausschließt, könne dieses Szenario erst dann in Betracht gezogen werden, wenn deutliche Fortschritte in der Konfliktbeilegung erzielt sind, hob Oserow hervor:
“Es ist notwendig, den Verhandlungsprozess vollständig wiederherzustellen und die Bedingungen für die Regelung der Beziehungen zwischen dem linken und dem rechten Ufer [des Dnister], zwischen Transnistrien und dem offiziellen Chișinău zu schaffen.”
Zuvor hatte die moldauische Präsidentin Maia Sandu ihre Bereitschaft erklärt, Transnistrien finanziell zu unterstützen, besonders angesichts der Energiekrise. Sie knüpfte diese Unterstützung jedoch an die Bedingung, dass die russischen Truppen die nicht anerkannte Republik verlassen. Der Parlamentspräsident in Chișinău forderte ebenfalls, dass die russischen Friedenstruppen durch eine von den Vereinten Nationen oder der EU geführte Mission ersetzt werden sollten.
Das aktuelle Friedenskontingent setzt sich aus Soldaten aus Russland, Moldawien und Transnistrien zusammen. Der Vertrag über die Grundsätze einer friedlichen Lösung des Transnistrien-Konflikts, der am 21. Juli 1992 unterzeichnet wurde, führte unter anderem zur Gründung einer Kontrollkommission, die von Vertretern Russlands, Moldawiens, Transnistriens sowie später der Ukraine und der OSZE gemäß dem Dokument gebildet wurde.
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