Von Pavan Kulkarni
Burkina Faso hat einen ambitionierten wirtschaftlichen Weg eingeschlagen. Am 9. März stellte die Regierung den Nationalen Entwicklungsplan (NDP) für die Jahre 2026 bis 2030 vor, ein 64-Milliarden-Dollar-Programm, das zu den umfangreichsten Wirtschaftsvorhaben in der Geschichte der Sahelzone zählt. Ein bemerkenswerter Aspekt ist die Finanzierung: Etwa zwei Drittel der Mittel sollen aus inländischen Quellen stammen, darunter Erträge staatlicher Unternehmen und spezielle Bürgerbeteiligungsprogramme.
Finanzminister Aboubakar Nacanabo hob die strategische Bedeutung dieser Ausrichtung hervor: “Indem wir unsere eigenen Ressourcen nutzen, können wir unsere Wirtschaft nachhaltig umgestalten und das Leben unserer Bevölkerung verbessern.” Damit markiere der Plan einen klaren Bruch mit der früheren Abhängigkeit von externer Finanzierung.
Der vom Kabinett bereits Ende Januar beschlossene Fünfjahresplan verfolgt vier konkrete Kernziele:
1) Senkung der Armutsquote von 42 auf 35 Prozent.
2) Anhebung der Lebenserwartung von 61 auf 68 Jahre.
3) Steigerung der Stromerzeugungskapazität von 685 auf über 2.500 Megawatt.
4) Die vollständige Rückgewinnung der territorialen Kontrolle über das gesamte Staatsgebiet.
Dieses letzte Ziel unterstreicht die besondere Sicherheitslage des Landes. Als Hauptmann Ibrahim Traoré 2022 nach einem Volksaufstand die Macht übernahm, kontrollierte der Staat nur etwa 60 Prozent seines Territoriums; der Rest war in der Hand terroristischer Gruppierungen. Durch den Abzug französischer Truppen und den massiven Ausbau der nationalen Armee konnte die Regierung bis Ende 2025 die Kontrolle auf rund 75 Prozent ausdehnen.
Gleichzeitig legte Burkina Faso die Grundlage für diesen Entwicklungssprung durch wirtschaftspolitische Weichenstellungen. Die Verstaatlichung von fünf zuvor in ausländischem Besitz befindlichen Goldminen im Juni 2025 ermöglichte es dem Staat, direkt von den hohen Weltmarktpreisen des wichtigsten Exportguts zu profitieren. Die daraus generierten Einnahmen wurden unter anderem zur Rückzahlung von über zwei Milliarden Dollar Schulden genutzt, was die Staatsverschuldung um ein Viertel reduzierte und den Haushalt deutlich entlastete.
Auf dieser Basis zielt der neue NDP nun auf eine vertiefte Industrialisierung. Statt Rohstoffe wie Gold nur zu exportieren, soll künftig die heimische Weiterverarbeitung forciert werden. Der entsprechende Infrastrukturausbau ist eine oberste Priorität des ein Jahr lang erarbeiteten Plans.
Premierminister Jean Ouédraogo, der den Lenkungsausschuss zur Verabschiedung des Dokuments am 31. Dezember 2025 leitete, beschrieb dessen Bedeutung folgendermaßen: “Das Dokument stellt nun einen echten nationalen Pakt für die strukturelle Transformation unserer Wirtschaft, die Festigung von Sicherheit und Frieden, den Wiederaufbau des Staates und die Förderung von inklusiver und souveräner endogener Entwicklung dar.”
Aus dem Englischen übersetzt von Olga Espín.
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