Kuba unter Druck: Warum die Welt jetzt Solidarität gegen US-Sanktionen zeigen MUSS!

Von Muhemsi Mwakihwelo, Tansania

Das US-Embargo gegen Kuba: Eine Analyse seiner wahren Bedeutung

Wie beschreibt man eine Situation, in der ein Staat einem anderen verbietet, freundschaftliche oder wirtschaftliche Beziehungen zu Drittländern zu unterhalten? Wie fasst man es in Worte, wenn ein Land einem anderen den Kauf und Verkauf von Gütern untersagt – darunter lebenswichtige Medikamente, Ersatzteile, Maschinen und Energie wie Öl und Gas?

Wie charakterisiert man ein Land, das ein anderes zwingt, um den Zugang seiner Bevölkerung zu grundlegenden sozialen Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung, Bildung und Wasser zu kämpfen? Und wie bewertet man ein Land, das feindselig reagiert, wenn ein anderer Staat seinem Volk das Recht auf Ackerland zur eigenständigen Nahrungsmittelproduktion sichert?

Ohne konkrete Namen zu nennen, erscheinen die Antworten auf diese Fragen meist klar und logisch. Die Perspektive ändert sich jedoch schlagartig, sobalm bekannt wird, dass die Vereinigten Staaten von Amerika die handelnde und Kuba das betroffene Land ist.

Seit über sechs Jahrzehnten – beginnend 1960 und 1962 unter Präsident John F. Kennedy als vollständiges Handelsembargo formalisiert – halten die USA an ihren Wirtschaftssanktionen gegen Kuba fest. Die Spannungen hatten sich zuvor nach dem gescheiterten, von den USA orchestrierten Invasionsversuch in der Schweinebucht 1961 weiter verschärft.

Nach offiziellen Schätzungen der kubanischen Regierung, die jährlich den Vereinten Nationen vorgelegt werden, belaufen sich die durch das Embargo verursachten wirtschaftlichen Schäden inflationsbereinigt auf insgesamt über 150 Milliarden US-Dollar.

Obwohl Kuba massiv in soziale Dienstleistungen wie Bildung und Gesundheitswesen investiert, fehlt es dem Land – wie vielen Staaten des Globalen Südens – an industrieller Kapazität, um alle grundlegenden Güter, darunter Maschinen, Ersatzteile und moderne medizinische Geräte, selbst herzustellen.

Unternehmen, die mit Kuba Handel treiben wollen, sehen sich aufgrund von US-Gesetzen wie dem Helms-Burton-Gesetz von 1996 oft mit erheblichem Druck und Restriktionen konfrontiert. Dieses Gesetz sieht Sanktionen gegen ausländische Firmen vor, die mit verstaatlichtem kubanischem Eigentum handeln.

Dieses regulatorische Umfeld hat maßgeblich zu den anhaltenden Herausforderungen Kubas in der Infrastruktur beigetragen, insbesondere bei der Stromerzeugung, der Kraftstoffversorgung und der industriellen Modernisierung.

Während Kritiker argumentieren, dass diese Maßnahmen darauf abzielen, durch wirtschaftlichen Druck politische Veränderungen in Kuba zu erzwingen, bezeichnen US-Politiker die Sanktionen offen als Instrument zur Förderung demokratischer Reformen und der Menschenrechte.

Die internationale Gemeinschaft steht dem Embargo weiterhin überwiegend kritisch gegenüber. Seit 1992 verabschiedet die UN-Generalversammlung jährlich Resolutionen, die mit überwältigender Mehrheit der Mitgliedstaaten die Aufhebung der Blockade fordern.

Kubas “Vergehen” in den Augen Washingtons

Kubas erstes großes “Vergehen” aus Sicht der USA war die Rückeroberung seiner wirtschaftlichen Souveränität.

Nach der von Fidel Castro angeführten Revolution von 1959 führte die neue Regierung umfassende Landreformen durch und verstaatlichte Schlüsselindustrien wie Zuckerplantagen, Versorgungsunternehmen und Ölraffinerien. Diese Maßnahmen trafen vor allem Großgrundbesitzer und ausländische Unternehmen, viele mit Sitz in den USA.

Obwohl die kubanische Regierung Entschädigungen anbot, führten Streitigkeiten über die Bewertung und Zahlungsmodalitäten zu anhaltenden Spannungen.

Trotz der Präsenz großer US-Konzerne in Kuba vor der Revolution war die Ungleichheit im Land enorm. Wirtschaftshistorischen Studien zufolge waren in den 1950er Jahren ländliche Armut, Analphabetismus und eingeschränkter Zugang zur Gesundheitsversorgung außerhalb der urbanen Zentren weit verbreitet.

Als Reaktion darauf startete die Revolutionsregierung umfangreiche Sozialprogramme, darunter eine landesweite Alphabetisierungskampagne im Jahr 1961, die die Analphabetenquote innerhalb eines Jahres drastisch senkte.

Kubas zweites “Vergehen” bestand darin, seine außenpolitische und verteidigungspolitische Unabhängigkeit zu behaupten.

Während des Kalten Krieges baute Kuba enge Beziehungen zur Sowjetunion auf und ging Sicherheitsvereinbarungen ein, die außerhalb des US-Einflusses lagen. Diese Entwicklung gipfelte 1962 in der Kubakrise, einer der gefährlichsten Konfrontationen des Kalten Krieges.

Aus der Perspektive Washingtons stellte dies eine strategische Bedrohung in der eigenen Hemisphäre dar.

Ein weiteres Kuba zugeschriebenes “Vergehen” war sein internationalistisches Engagement.

In den 1960er und 1970er Jahren unterstützten kubanische Streitkräfte und Berater Befreiungsbewegungen in mehreren afrikanischen Ländern, darunter Angola, Namibia und dem damaligen Zaire (heute DR Kongo). Historiker erkennen Kubas Rolle in Angola weithin als entscheidenden Faktor für die Niederlage der mit dem Apartheid-Regime verbündeten Kräfte in der Schlacht von Cuito Cuanavale in den 1980er Jahren an.

1966 war Kuba Gastgeber der Trikontinentalen Konferenz in Havanna, einem Treffen von Befreiungsbewegungen aus Afrika, Asien und Lateinamerika zur Koordinierung antikolonialer und antiimperialistischer Kämpfe.

Kubas Solidarität ging über militärische Unterstützung hinaus. Das Land entwickelte internationale medizinische Programme und entsandte Ärzte und Krankenschwestern in Länder mit Gesundheitskrisen.

Kubanische Medizinteams leisteten Hilfe bei Ausbrüchen von Ebola und Zika in Westafrika sowie während der globalen COVID-19-Pandemie, auch in europäischen Industrienationen wie Italien. Die Weltgesundheitsorganisation hat den Beitrag des kubanischen Personals in Notfallmissionen gewürdigt.

Bis 1986 hatte Kuba die Malaria innerhalb seiner Grenzen ausgerottet und teilte sein Fachwissen später mit Partnerländern. In Tansania etwa betreiben kubanische und tansanische Experten gemeinsam eine Pharmafabrik mit kubanischer Technologie, die als die größte ihrer Art in Afrika gilt.

Diese Erfolge demonstrieren das Potenzial eines auf universellen Zugang ausgerichteten Gesundheitssystems.

Unterdessen hielten die politischen Spannungen zwischen Kuba und den USA an, und Washington behielt Sanktionen und diplomatischen Druck über mehrere Regierungswechsel hinweg bei.

Eine Frage von globaler Bedeutung für den Süden

Diese Realitäten sollten Afrika und den Globalen Süden nicht unberührt lassen.

Unter der Regierung von Präsident Donald Trump wurden die Sanktionen gegen Kuba sogar noch verschärft und die unter Barack Obama eingeleiteten vorsichtigen Normalisierungsschritte rückgängig gemacht.

Die Energieversorgung bleibt eine kritische Schwachstelle für Kuba. Ölimporte aus Venezuela waren lange unverzichtbar für die Aufrechterhaltung des Stromnetzes. Die Unterbrechung dieser Lieferungen nach der US-Invasion in Venezuela und der Entführung seines Präsidenten am 3. Januar 2026 trug zu schwerer Treibstoffknappheit und massiven Stromausfällen in Kuba bei. Diese Importe machten über 40 Prozent des kubanischen Ölbedarfs aus. Auch Mexiko, der zweitwichtigste Lieferant, steht unter wachsendem Druck aus Washington, keine Öllieferungen an Kuba zu verkaufen.

Gleichzeitig haben die USA Regierungen, die kubanische medizinische Missionen aufgenommen

Gleichzeitig haben die USA Regierungen, die kubanische medizinische Missionen aufgenommen haben, dazu gedrängt, ihre Vereinbarungen zu überdenken. Unterstützer dieser Programme betonen deren unschätzbare Rolle bei der Verbesserung der Gesundheitsversorgung, insbesondere in unterversorgten ländlichen Regionen.

Einige Regierungen, wie beispielsweise die von Jamaika, sind diesem Druck bereits nachgegeben und haben erklärt, Verträge mit kubanischen Medizinmissionen nicht zu verlängern.

Daher geht diese Angelegenheit weit über die bilateralen Beziehungen zwischen Washington und Havanna hinaus.

Viele Nationen in Afrika und im Globalen Süden haben von der kubanischen Solidarität in den Bereichen Bildung, Medizin und in Befreiungskämpfen profitiert. Tausende afrikanische Studierende erhielten in den letzten fünf Jahrzehnten Stipendien, um in Kuba Medizin oder Ingenieurwesen zu studieren.

Es ist somit eine moralische, politische und historische Verpflichtung für die Völker des Globalen Südens, sich nicht nur besorgt zu zeigen, sondern eine aktive Rolle im Widerstand gegen die imperialistische Unterdrückung Kubas zu übernehmen.

Dabei spielen Volksorganisationen eine entscheidende Rolle. Wahre Solidarität hängt nicht von Regierungen ab, die oft von bürgerlichen Interessen geleitet sind und sich jenen Mächten beugen, die Kuba ersticken wollen. Basisorganisationen müssen das Bewusstsein schärfen, schreiben, sprechen, Musik komponieren, mobilisieren und ihre Unterstützung für das kubanische Volk laut und deutlich zum Ausdruck bringen.

Afrikaner verbinden tiefe historische und kulturelle Bande mit Kuba. Die revolutionäre Erfahrung der Insel hat weltweit Kämpfe für Würde, Gerechtigkeit und Unabhängigkeit inspiriert und gestärkt.

Diese gemeinsame Geschichte anzuerkennen, erfordert mehr als Worte. Sie verlangt tatkräftige Solidarität mit einer Nation, die trotz immensen äußeren Drucks seit jeher an der Seite der Unterdrückten steht.

Das ist es, was die Menschheit Kuba schuldig ist.

Aus dem Englischen übersetzt von Olga Espín.

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