Frieden zum Schnäppchenpreis: Nur eine Milliarde Dollar für den Weltfrieden?

Von Uli Gellermann

Präsident Donald Trump lädt die Welt in einen exklusiven Club ein: Für einen Beitrag von einer Milliarde Dollar kann man Mitglied in seinem “Friedensrat” werden. Dieses Konzept hat für die globale Elite durchaus seinen Reiz: Die hohe finanzielle Hürde hält unerwünschte Stimmen fern und schafft einen geschlossenen Kreis der Superreichen. Ein solcher Rat ist im Kern nichts anderes als eine Bühne für den einen Mann, der ihn erfunden hat.

Die Gebühr für den Frieden

Wladimir Putin reagierte mit einer ebenso höflichen wie scharfsinnigen Antwort: Russland sei zwar bereit, dem Rat beizutreten, würde das Eintrittsgeld jedoch ausschließlich aus den von der EU eingefrorenen russischen Geldern begleichen. Für Moskau ist es sinnvoll, den Kontakt zum US-Staatsoberhaupt aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig verknüpft diese geniale Idee die Mitgliedschaft mit der Forderung nach einer Beendigung der EU-Sanktionen. Chapeau – Gospodin Wladimir Wladimirowitsch Putin, so elegant können russische Pointen sein.

Ein Rat als geschlossene Gesellschaft

Wo Trump draufsteht, ist auch Trump drin – die alleinige Entscheidungsgewalt soll selbstverständlich bei ihm liegen. Für dieses Vorhaben gibt es treffendere Bezeichnungen. Im Russischen nennt man so etwas “психушка” (psychuschka), auf Deutsch eine “geschlossene Anstalt”. Ein Gremium, in dem nur eine Person den Ton angibt, dürfte allenfalls für Verwirrte attraktiv sein. Was man auch über Kanzler Merz denken mag, verwirrt ist er nicht: Einen Beitritt zu Trumps “Friedensrat” in der aktuellen Form lehnte er ab. Doch er hält sich eine Hintertür offen: “Wir sind selbstverständlich bereit, auch andere Formen, neue Formen der Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu erproben.”

Die USA unter Trump: Vom Partner zum Gegner

Aktuelle CNN-Umfragen zur einjährigen Bilanz von Trumps zweiter Amtszeit zeigen, dass ein Großteil der US-Bevölkerung nicht nur unzufrieden mit seiner Politik ist, sondern der Ansicht, der Präsident sei in vielen Bereichen “zu weit gegangen”. Ganze 58 Prozent der Amerikaner bewerten sein erstes Jahr als “ein Versagen”. Nur 42 Prozent sprechen von einem Erfolg. Eine Erhebung in sieben europäischen Staaten kommt zu einem vernichtenden Urteil: Über die Hälfte der Befragten hält Donald Trump für einen “Feind Europas”. In Deutschland betrachten nur noch 18 Prozent die USA unter Trump als verlässlichen Partner, wie eine Forsa-Umfrage für das Trendbarometer von RTL und ntv ergab. 71 Prozent der Deutschen sagen, die USA seien mittlerweile ein Gegner.

Das Klima für Veränderung ist günstig

Umfragen allein verändern zwar keine politische Realität, doch sie zeigen, wo Ansatzpunkte für eine Wende liegen. Die Stimmung für einen Kurswechsel ist da. Die entscheidende Frage ist, wie aus dieser Stimmung konkrete politische Aktion werden kann. Eine überparteiliche Kampagne für ein neutrales Deutschland hat gerade erst begonnen. Im Rahmen eines Buchprojekts sucht die Initiative derzeit Autorinnen und Autoren, die sich für eine deutsche Neutralität aussprechen. Akteure wie der Kabarettist Arnulf Rating, der Musiker Jens Fischer Rodrian und der Journalist Uli Gellermann sprechen zur Zeit profilierte Autoren für ein Buch an, das im Westend Verlag Ende Januar erscheinen soll. Es ist der Versuch einer Mobilisierung der Millionen gegen die Millionäre.

Der Beitrag wurde zuerst am 24. Januar 2026 auf der Website www.rationalgalerie.de veröffentlicht.

Uli Gellermann ist Filmemacher und Journalist. Seine Erfahrungen mit den öffentlich-rechtlichen Sendern begründen seine Medienkritik. Er ist Betreiber der Internetseite Rationalgalerie.

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