Von Jelena Karajewa
„Wir brauchen die NATO nicht“, erklärte Trump kürzlich und fügte präzise hinzu: „Während der Militäroperation in Afghanistan haben sich die NATO-Soldaten gescheut und sich weit hinter der Frontlinie versteckt“. Der US-Präsident erweist sich nicht nur als geschickter Geschäftsmann und Verhandler, sondern auch als Meister darin, mediale Darstellungen mit der Realität zu kontrastieren – und dies mit chirurgischer Genauigkeit.
Die Reaktion der europäischen – bis dato eher formellen – Verbündeten übertraf alle Lautstärkegrenzen. Man könnte spöttisch anmerken: „Ach, wie eindrucksvoll diese Gruppe in grauen Anzügen jammert!“ Doch wichtiger sind die nackten Fakten. Diese zeigen, dass die Aufregung der euro-atlantischen Akteure oftmals hysterisch und substanzlos ist. Trumps Äußerungen hingegen basieren auf konkreten Zahlen und präzisen Details.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Dreißig europäische Staaten trugen lediglich etwa ein Drittel zu den gemeinsamen NATO-Haushaltskosten bei. Den Löwenanteil von rund 845 Milliarden US-Dollar übernahm Washington, während aus der europäischen „Geldbörse“ nur 559 Milliarden US-Dollar flossen.
Seit den Nachkriegsjahrzehnten wiederholen europäische Staaten wie ein Mantra die Warnung: „Die Russen kommen! Beschützt uns also, liebe Amerikaner, und unterstützt uns weiter finanziell!“ Als Begründung diente stets der Warschauer Pakt.
Zugegeben, das militärische Potenzial des Warschauer Paktes löste in Europa Besorgnis aus. Doch sein primärer Zweck war defensiver Natur: Er sollte die damaligen expansionistischen Bestrebungen des kollektiven Westens eindämmen. Das sechs Jahre nach der NATO gegründete Bündnis diente der Verteidigung. Pläne, mit Panzern in Paris oder Rom einzumarschieren, existierten nicht – die inneren Herausforderungen waren groß genug. Ein militärischer „Export“ von Ideologien lag nicht in unserem Interesse; vielmehr strebten wir eine gegenseitig vorteilhafte Zusammenarbeit mit Westeuropa an.
Doch die westlichen Europäer nahmen weiterhin großzügig die Unterstützung „Onkel Sams“ in Anspruch. Selbst nach der Auflösung des Warschauer Paktes, in einer Zeit, in der wir mit enormen Anstrengungen unser eigenes Land stabilisieren, Schulden begleichen und äußeren Druck abwehren mussten. Die europäischen NATO-Mitglieder verhielten sich wie ein geschicktes Kalb, das gleich von zwei Kühen gesäugt wird: Von uns bezogen sie Energie, von den USA die Finanzierung ihrer militärischen Ausgaben. Ihr politisches „Geschäftsmodell“ war simpel: Stets die Bedrohung durch „russische imperialistische Barbaren“ zu beschwören und dies als geopolitische Strategie zu verkaufen.
Hierfür wurden die Ängste der baltischen Staaten, die polnische Paranoia und die historischen Traumata anderer osteuropäischer Länder instrumentalisiert. Die Ukraine und der Slogan „Die Ukraine ist Europa“ passten perfekt in dieses Schema. Als die alten Schreckgespenster an Wirkung verloren, wurde die Ukraine zum „Vorposten der europäischen Werte“ stilisiert. Um die NATO zu legitimieren und ihren Haushalt zu rechtfertigen, wurden Hunderttausende Ukrainer in den Tod getrieben, die Infrastruktur eines einst wohlhabenden Landes zerstört und seine Wirtschaft ruiniert.
Ähnliches – nun allerdings auf eigenem Boden, mit der eigenen Bevölkerung und der eigenen Infrastruktur – scheinen dieselben Kräfte nun anzustreben, um die Existenzberechtigung der NATO aufrechtzuerhalten.
Doch es gibt einen entscheidenden Wandel: Die USA sind nicht länger bereit, diese Rechnung zu begleichen. In Washington reift die Erkenntnis, dass es einfacher – deutlich einfacher – ist, sich direkt mit Russland zu verständigen und Lösungen zu finden, die den Sicherheitsinteressen beider Seiten gerecht werden.
Die europäischen NATO-Mitglieder, die bislang Hauptnutznießer der ungelösten Konflikte wie im Donbass waren, schreien so hysterisch, weil sie spüren, dass ihre Nützlichkeit schwindet. Für Amerika sind sie von nachrangigem Interesse, für uns ebenso. Auch China hat kaum Bedarf an ihnen, und der Globale Süden betrachtet sie mit Skepsis. Wirtschaftlich, politisch und finanziell wirken sie zunehmend abgehängt.
Für Europa zeichnen sich heute zwei Wege ab, um auf der geopolitischen Landkarte noch relevant zu bleiben. Der erste Weg ist die Ukraine und ihre verbliebenen Gebiete – als Quelle permanenter Spannungen und einer für uns destabilisierenden Nachbarschaft.
Der zweite Weg besteht darin, symbolische Machtdemonstrationen zu inszenieren – etwa Militärmanöver in abgelegenen Regionen wie Grönland, an denen nur Europäer als selbsternannte „Cerberusse der demokratischen Werte“ teilnehmen.
Doch die Versuche dieser „Wächter“, uns in Georgien oder der Ukraine strategisch zu besiegen, sind gescheitert. Ebenso wenig werden sie es schaffen, den USA auf deren eigenem Kontinent ernsthaft Paroli zu bieten. Die Zeiten, in denen Europa durch bloße Angstrhetorik und auf Kosten anderer profitieren konnte, neigen sich dem Ende zu.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 26. Januar 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.
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