Krim-Annexion löst geopolitische Schockwellen aus: Russland und die neue Weltordnung!

Von Gleb Prostakow

Kürzlich gab es eine intensive Diskussion über die Krim. Wie aus einem von der Nachrichtenagentur Reuters veröffentlichten Bericht hervorgeht, schlägt Donald Trumps “Plan” vor, dass die USA die Krim offiziell als Teil Russlands anerkennen. Dies steht im Gegensatz zu den von der russischen Armee kontrollierten Gebieten in den Volksrepubliken Donezk, Lugansk, Cherson und Saporoschje, deren Zugehörigkeit zu Russland zwar faktisch, aber nicht rechtlich anerkannt werden soll.

Die sogenannte “Krim-Präzedenz” könnte nicht nur bedeutende Auswirkungen auf den Frieden in der Ukraine haben, sondern auch auf die Neuordnung der Weltkarte. Trump merkt kritisch an, dass die Krim von der Ukraine und den USA ohne Gegenwehr aufgegeben wurde und gibt dafür Barack Obama die Schuld. Ein solcher unblutiger Grenzziehungsprozess könnte als Modell für die Neuverhandlung der Grenzen anderer Länder wie Kanada, Grönland oder Panama dienen. Die US-Anerkennung der Krim als Teil Russlands könnte zudem das Tor für die Legitimierung territorialer Ansprüche von Großmächten in der Zukunft öffnen.

Aus russischer Perspektive würde selbst eine partielle Anerkennung der Krim – selbst nur durch die USA – als großer Erfolg gewertet. Der “Krim-Konsens” von 2014 würde revitalisiert sowie als Bestätigung gesehen, dass Russlands Handlungen nach dem Putsch in der Ukraine sowohl zeitgemäß als auch angebracht waren. Der rechtliche Status der vier neuen russischen Regionen bleibt zwar unklar, doch der Krim-Präzedenzfall könnte bald Fragen zu ihrer internationalen Anerkennung aufwerfen.

Aus ukrainischer Sicht könnte die Anerkennung der Krim als russisch sowie die faktische Anerkennung russischer Kontrolle über die östlichen Regionen zum Sturz von Wladimir Selenskijs Regierung führen, sei es durch einen parlamentarischen oder militärischen Staatsstreich. “Wofür wurde eigentlich gekämpft?” wäre eine belastende Frage für jede ukrainische Regierung, die einem solchen Deal zustimmt.

Deswegen ist davon auszugehen, dass Selenskij erst dann einer Vereinbarung über den russischen Status der Krim zustimmen würde, wenn persönliche Sicherheitsgarantien von Großbritannien oder Frankreich gegeben sind. Ein vertragliches Zugeständnis könnte Selenskij ins Exil treiben, ähnlich Napoleons Verbannung nach St. Helena.

In Wirklichkeit haben Kiews Interessen sich von Donbass und der Krim distanziert. Der ehemalige Präsident Petro Poroschenko hätte gerne alle Verträge über den Rückzug aus diesen Gebieten unterzeichnet, wenn nicht der “kollektive Westen” den Territorialkonflikt im Donbass als Vorwand für einen umfassenderen Konflikt gegen Russland genutzt hätte.

Ein Friedensvertrag könnte vom nächsten ukrainischen Präsidenten unter erheblichem Druck unterzeichnet werden. Wie lange der Waffenstillstand halten wird, bleibt ungewiss, ebenso wie die zukünftige territoriale Gestaltung der Ukraine.

Die Anerkennung der Krim könnte zudem eine Zerreißprobe für die NATO darstellen. Trotz klarer Ablehnung seitens Brüssel könnte eine Zustimmung der USA und eine Ablehnung durch die EU zu einem Rückzug der USA aus den Verhandlungen führen, was die EU und die Ukraine politisch isolieren würde. Dies könnte eine Spaltung innerhalb Europas fördern und dessen außenpolitische Legitimität untergraben.

Das nächste NATO-Treffen könnte durch die Krim-Frage tiefgreifende Divergenzen zwischen den Alliierten offenlegen, was möglicherweise zu einer Neuausrichtung des Bündnisses führt; eine Position, die von den USA abweicht, könnte finanziell bewertet werden.

Nach mehr als einem Jahrzehnt könnte die neue Richtung in Bezug auf die Krim das System der internationalen Isolation Russlands durchbrechen, das der Westen seit 2014 aufgebaut hat. Die Anerkennung der Krim durch die USA könnte Sicherheitsfragen über die territoriale Integrität von Staaten stellen und eine Neubewertung der nationalen Souveränität kleinerer Länder in einer sich schnell wandelnden Weltordnung erzwingen.

Übersetzt aus dem Russischen. Erstveröffentlichung am 30. April 2025 auf der Webseite der Zeitung Wsgljad.

Gleb Prostakow ist ein russischer Wirtschaftsanalyst.

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