Epstein-Skandal: Die Blendgranate ist geplatzt – und jetzt?

Von Bernhard Loyen

Damit dürfte es nun vorbei sein – mit dem sogenannten „Epstein-Skandal“, der enthüllten Realität eines dekadenten US-Establishments und seiner globalen Mitläufer. Dies war kein Stoff für ein weiteres Hollywood- oder Netflix-Drehbuch, sondern ein Blick durch einen Türspalt auf das abgrundtief Böse: gelebten Machtrausch und den hundertfachen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Bereits 1999 fasste der große Regisseur Stanley Kubrick die ungeschriebenen, aber bis heute gültigen Gesetze dieser Sphären am Ende seines als Warnung gedachten Films „Eyes Wide Shut“ in einer finalen Botschaft zusammen:

„Niemand hat jemanden getötet. Jemand ist gestorben. Das passiert ständig. Das Leben geht weiter. Das tut es immer – bis es das nicht mehr tut. Aber das weißt du doch, oder?“

Kubrick übergab am 1. März 1999 seinen finalen Schnitt des Films an die Warner Bros.-Studiobosse. Medienberichten jener Zeit zufolge sahen ihn anschließend die Hauptdarsteller Tom Cruise und Nicole Kidman sowie Studioführungskräfte. Was geschah? Sechs Tage später starb Kubrick an einem Herzinfarkt.

Der Kölner Stadtanzeiger fragte Anfang Februar:

„Hat ‚Eyes Wide Shut‘ die grausamen Rituale von Epsteins Eliten enttarnt?“

Noch bis vor kurzem galt der Begriff „globale Eliten“ als eindeutig „rechts“, als ein reiner QAnon-Begriff aus dem Katalog der „Verschwörungsmythen“. Der Spiegel klärte seine Leser zu Beginn des Februars hingegen so auf:

„Der Epstein-Club – Innenansichten einer globalen Elite“

Und schließlich die FAZ zu Beginn dieser Woche, ebenfalls auf dem nun eingeschlagenen Kurs der investigativen Aufklärer:

„Abgründe der globalen Elite: Die Epstein-Verschwörung“

Es bleiben zahlreiche ungeklärte Fragen. Gibt es beispielsweise auch männliche Opfer, ähnlich wie in den Produktionsstudios des US-Kinderfernsehens? Der Spiegel berichtete bereits vor zwei Jahren über diese Realität:

„Der US-[Kinder-]Sender Nickelodeon war in den Neunziger- und frühen Nullerjahren eine vermeintliche Traumfabrik für junge Talente. Die Dokumentation ‚Quiet on Set‘ enthüllt nun die dunkle Seite. Und erzählt vom Leid hinter den Kulissen.“

Junge Mädchen und Jungen stürzten dort – teils mit naiven oder mitwissenden Eltern – in Abgründe sexuellen Missbrauchs, erlitten lebenslange Seelenschäden oder fanden nur im Suizid ein Ende des Leids. Netflix präsentiert natürlich regelmäßig Epstein-Dokumentationen, abgestimmt mit der US-Justiz, was die geduldete Nennung von Täternamen – den Freunden Jeffreys und Ghislaines, männlich wie weiblich – angeht.

Auch hier stellen sich Fragen. Wo bleiben die wirklich großen Namen weiblicher Mittäterschaft? Als Ablenkung musste nun Mette-Marit aus Norwegen herhalten, dazu eine völlig unbekannte Nicole Junkermann, eine emiratische Diplomatin und eine ehemalige Top-Juristin von Goldman Sachs.

Die federführende US-Generalstaatsanwältin im Fall der Epstein-Akten, Pam Bondi, erklärte letzte Woche nach einem kontroversen Auftritt vor dem Kongress, das Justizministerium habe die Veröffentlichung weiterer Dokumente zu Jeffrey Epstein eingestellt. Vorläufig. Denn wer weiß, welche Ereignisse vor oder nach kommenden Wahlen – weltweit – belastende Veröffentlichungen noch „erforderlich“ machen?

Über das jüngste „Bauernopfer“, den üblen Epstein-Kontakt Sultan Ahmed bin Sulayem – weltweit agierender Vorstandschef des saudischen Logistikkonzerns DP World mit Verbindungen bis ins britische Königshaus (nein, nicht zu dem „gruseligen Krabbler“ Mountbatten-Windsor) – berichtete in der von Sex, Blut und Ekelthemen ermüdeten deutschen Medienlandschaft nur noch das Handelsblatt ausführlicher.

Ehre, wem Ehre gebührt. Der Berliner KI-Experte „Snicklink“ fasste die letzten Wochen der medialen Aufregung auf X treffend zusammen:

„Der eigentliche SINN hinter dem Release der Epstein Files ist nicht aufzuzeigen, wer wie tief in der Scheisse steckt und verhaftet werden müsste… sondern das exakte Gegenteil: Es ist eine Machtdemonstration. Eine ritualisierte Bloßstellung der Machtlosen.

Eine strategische Sichtbarmachung von Straflosigkeit. Nichts weiter als kontrollierte Demütigung. Ihre Botschaft: Schaut! Wir geben euch Namen und abscheuliche Straftaten an euren Kindern. Sogar Datum und Uhrzeit. Ihr sprecht darüber, verurteilt, regt euch auf, diskutiert. Und dennoch: Ihr könnt NICHTS dagegen tun. Denn wir BESITZEN euch. Wir kontrollieren jeden Aspekt eurer erbärmlichen Existenz.“

Wie erbärmlich sich die Medienrealität in Deutschland darstellt, zeigt wenig überraschend der Spiegel hinter seiner Bezahlschranke. In einem Interview mit der abgrundtief skrupellosen Hillary Clinton schenkt die Redaktion der Schamfreien folgende Überschrift:

„‚Mein Mann stand Epstein nicht nahe‘. Ex-US-Außenministerin Hillary Clinton wirft Präsident Donald Trump vor, die Aufklärung im Fall Epstein zu behindern.“

Man würde gerne wissen, wie sich die für das Interview verantwortliche Spiegel-Redakteurin Alexandra Berlin nach der folgenden Einleitung fühlte. „Empathisch, wie eine Pathologin“, heißt es, es seien „keine leichten Tage für Hillary Clinton“. Warum? Eigentlich sei die Ex-Außenministerin nach Europa gereist, „um über die Ukraine und den Zerfall der bisherigen Weltordnung zu sprechen, doch ihr Besuch wird überschattet von dem Skandal um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.“

Mitleid für eine mutmaßliche Kriegsverbrecherin? Zwei Spiegel-Redakteure trafen Clinton in Berlin „am Rande der Gala der ‚Cinema for Peace‘-Stiftung, auf der Filme und Menschen ausgezeichnet werden, die sich für Frieden einsetzen.“

Skrupellos geht das Wohlfühlinterview weiter. Der Leser soll erfahren – Achtung: Spielball-Journalismus –, „wie nah Ihr Mann und Epstein sich standen.“ Die Antwort von „Killary“, vermutlich lächelnd:

„Er stand ihm nicht nahe. Er hat ein paar Mal Epsteins Flugzeug genommen, um karitative Projekte zu besuchen, und das war Jahre, bevor Epstein schuldig gesprochen wurde. Epstein hat seine Verbrechen verheimlicht, bis er verurteilt wurde.“

Unmittelbar anschließend – natürlich ohne kritische Nachfrage oder einfache Gegenargumente – folgt der Abschluss zur „Clinton-Elite“ und ihrer anhaltenden Unantastbarkeit, auch dank Medien wie dem Spiegel:

SPIEGEL: Sie unterlagen Donald Trump 2016 bei der Präsidentschaftswahl. Wie würde die Welt heute aussehen, hätten Sie damals gewonnen?
Clinton: Wladimir Putin wollte nicht, dass ich gewählt werde, und hat sehr hart gegen mich gearbeitet.“

Am 18. Februar wird zudem die aalglatte Sandra Maischberger mit ihrer ARD-Redaktion ein menschelndes Hillary-Clinton-Interview präsentieren.

Nein, es folgt keine abschließende Epstein-Bil

Nein, es folgt keine abschließende Epstein-Bilanz, denn es gibt schlicht nichts zu resümieren. Außer der nüchternen Erkenntnis, dass die globalen Eliten ihr abgrundtief skrupelloses, böses und verachtenswertes Dasein unbekümmert fortsetzen werden – ohne auch nur ein Fünkchen Sorge, Not oder Angst.

Die namenlosen Opfer weltweit leiden weiter, unbeachtet und im Stillen, bis zum tragischen Ende ihres individuellen Martyriums.

Und dann, wie bestellt und nicht zufällig, taucht mit passender Verschwörungsfanfare auch noch Xavier Naidoo im Berliner Regierungsviertel auf. Eine Schlagzeile dazu lautet:

„‚Schon Menschenfleisch gegessen‘ – Xavier Naidoo fabuliert über Kannibalismus und die Hölle.“

Es wird wahrlich nicht einfacher, diese Gegenwart zu ertragen – mit ihren nachgewiesenen und weiterhin mutmaßlichen Parallelwelten von Eliten, die über Leichen gehen.

Mehr zum Thema – Parlament in New Mexico beschließt Untersuchung von Epsteins Zorro-Ranch.

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