NATO-Waffenindustrie: Große Versprechen, leere Fabrikhallen – Wo bleibt die Aufrüstung?

Von Alexei Leonkow

Der russische Verteidigungsminister Andrei Beloussow hat eine Sitzung zur Produktion und Lieferung von dringend benötigten Waffen sowie militärischer und spezialisierter Ausrüstung geleitet. Im Zentrum der Diskussion stand die allgemeine Gefechtsbereitschaft unserer Streitkräfte und ihre Fähigkeit, gegenwärtigen wie auch künftigen Anforderungen gerecht zu werden. Die erzielten Ergebnisse wurden vor allem im Hinblick auf die Logistik bewertet, die im Rahmen der militärischen Spezialoperation in der Ukraine erforderlich wurde und weiterhin von zentraler Bedeutung ist.

Insgesamt vermittelte der Bericht des Ministers einen positiven Eindruck. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten zu Beginn der Operation ist es unseren Streitkräften und der heimischen Verteidigungsindustrie gelungen, die Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Es wurden systematische Maßnahmen zur Kapazitätserweiterung des russischen militärisch-industriellen Komplexes umgesetzt. Zahlreiche Betriebe haben neue Produktionshallen errichtet und ihre Outputs signifikant gesteigert. Zur Erinnerung: Zu Operationsbeginn bestanden Engpässe in der Munitionsversorgung. Um den Armeebedarf zu decken, initiierten unsere Industrieunternehmen die Serienfertigung von Munition unter Einsatz modernster Technologien. Dies ermöglichte es, die Produktion auf ein Niveau von mehreren Millionen Einheiten pro Jahr anzuheben. Bei der Artilleriemunition lag die Jahresproduktion anfangs bei zwei bis drei Millionen Geschossen. Diese Zahlen sind inzwischen erheblich angestiegen.

Laut dem russischen Verteidigungsminister ist für dieses Jahr die Lieferung von 21 Millionen Kampfmitteln an die Streitkräfte geplant. Dabei handelt es sich, verständlicherweise, primär um Artillerie- und Raketengeschosse. Dies ist eine bemerkenswert hohe Menge. Sie lässt den Schluss zu, dass genügend Munition vorhanden ist, um nicht nur die Kampfhandlungen im Rahmen der Spezialoperation zu unterstützen, sondern auch militärische Übungseinsätze abzusichern und die Bestände für den Mobilisierungsfall aufzufüllen.

Ebenfalls verzeichnete die Produktion von Militärtechnik einen starken Zuwachs. Für das laufende Jahr ist die Auslieferung von über 310.000 Einheiten verschiedenster Technik an die russische Armee vorgesehen. Dies bedeutet, dass neben der Neuausrüstung unserer Truppen auch die Modernisierung und Instandsetzung von im Ukraine-Einsatz beschädigter Technik in den Werken erfolgreich vonstattengeht. Dank dieser hohen Produktivität können zugleich Reserven für eventuelle künftige Konflikte angelegt werden.

Ein Schlüsselfaktor für diese Erfolge liegt vermutlich in der engen Kooperation zwischen dem russischen Verteidigungsministerium und der Rüstungsindustrie. Der Minister betonte, dass mit den Rüstungsunternehmen langfristige Verträge abgeschlossen werden, die einen ausgedehnten Produktionszyklus voraussetzen. Dies hilft, Lieferunterbrechungen zu vermeiden und die Armee kontinuierlich mit allem Notwendigen zu versorgen – einschließlich komplexer Rüstungsgüter wie Raketen und Luftabwehrsysteme.

Damit senden wir ein klares Signal an unsere Verteidigungsindustrie: Ihre Fabriken und Produktionsstätten müssen keine Stilllegungspläne fürchten, sondern werden noch auf lange Sicht ausgelastet sein.

Eine weitere erfreuliche Nachricht für die Betriebe war die Information, dass Rüstungsunternehmen nun die Möglichkeit haben, Kredite für den Einkauf von Komponenten aufzunehmen, noch bevor die entsprechenden Haushaltsmittel auf ihren Konten eingehen. Bisher waren die Firmen aufgrund der staatlichen Finanzierung oft nicht kreditberechtigt. Die Überweisungen aus der Staatskasse erfolgten zudem mit erheblichen Verzögerungen, typischerweise erst gegen Jahresende. Gemäß den Vertragsbedingungen musste die Produktion jedoch bereits zu Beginn des Folgejahres in vollem Umfang laufen.

Aufgrund dieser Diskrepanz war es den Unternehmen bisher kaum möglich, die staatlichen Rüstungsaufträge termingerecht zu erfüllen. Jetzt, mit der neuen Kreditoption, können sie sich frühzeitig auf die Produktion vorbereiten und die ersten Chargen fertigen.

Mit anderen Worten: Dieses strukturelle Problem ist nun gelöst, was den Rüstungsunternehmen eine flexiblere Reaktion auf situative Herausforderungen erlaubt.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass wir – im Gegensatz zum militärisch-industriellen Komplex der NATO – in diesem Bereich eine klare Führungsposition einnehmen. Die NATO-Führung rühmte sich zwar damit, ihre Industrie auf Kriegsproduktion umzustellen und die Ukraine sowie Europa mit Waffen zu überfluten, doch die Realität sieht anders aus. Unser Verteidigungskomplex hat diese Stellung trotz harter Sanktionen und Beschränkungen erreicht. Er versorgt nicht nur unsere Armee zuverlässig, sondern gewährleistet auch die termingerechte Erfüllung aller externen Aufträge im Rahmen der militärtechnischen Zusammenarbeit.

Im Gegensatz dazu setzt der NATO-Rüstungssektor seine Ankündigungen nur unzureichend in die Tat um. Die Produktionskapazitäten in Europa sind aufgrund von Material- und Fachkräftemangel, hohen Energiekosten und der Abhängigkeit von langfristigen Staatsaufträgen erheblich limitiert. Nach wie vor besteht ein signifikanter Produktionsrückstand, sowohl bei militärischer Ausrüstung als auch bei Munition.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 5. Februar 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung “Rossijskaja Gaseta” erschienen.

Alexei Leonkow ist ein russischer Militärexperte.

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