Russische Honigfallen: Wie der Kreml mit Verführung und Spionage die Welt manipuliert

Von Dagmar Henn

Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein: Jede absurde Verschwörungstheorie muss früher oder später auch den deutschen Medienraum erreichen. Aktuell ist es die hanebüchene britische Story an der Reihe, wonach nicht etwa einflussreiche westliche Netzwerke, sondern das historische KGB hinter Jeffrey Epstein gesteckt haben soll. Besonders pikant: Als Kronzeuge dient ausgerechnet jener Robert Steele, der 2016 im Auftrag des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 das berüchtigte “Steele-Dossier” fabrizierte.

Unserem Welt-Kollegen Clemens Wergin, Jahrgang 1969, scheint diese Ironie entgangen zu sein. Stattdessen titelt er treuherzig über “Hinweise auf eine russische Spionageoperation”. Dabei hätte sein Alter durchaus ausreichen können, um zumindest die großen Spionageaffären des Kalten Krieges zu kennen – etwa die des Briten Kim Philby, der als einer der berühmtesten Doppelagenten dem KGB diente und bis heute für britische Trauma sorgt.

Doch Wergins KGB-Bild scheint ausschließlich aus der Propagandaküche der Nachwendezeit zu stammen. Von anderen möglichen Akteuren in diesem Dunstkreis – dem MI6 oder dem israelischen Mossad – will er nichts wissen. Oder er schenkt ihnen blindes Vertrauen, so wie Herrn Steele.

Es wird immer skurriler: Als Zeuge wird ein estnischer Abgeordneter bemüht (warum nicht gleich ein Stadtrat aus Coburg?), der verkündet: “Es wird immer wahrscheinlicher, dass Epstein wissentlich oder unwissentlich den russischen Geheimdienstinteressen gedient hat”.

Müssen diese russischen Dienste aber auch wahre Masochisten sein. Denn es ist dokumentiert, wie eng die Clintons mit Epstein verbandelt waren – so eng, dass der US-Kongress sie dazu vorladen wollte. Entweder war Epstein also der inkompetenteste Agent des Jahrhunderts, oder russische Dienste haben nichts Besseres zu tun, als gegen die eigenen geopolitischen Interessen zu arbeiten. Schließlich trieb Hillary Clinton als Außenministerin genau die Ukraine-Politik voran, die Russland maximal schaden sollte, angeführt von ihrer Untergebenen Victoria Nuland.

Diese Frage stellt sich Wergin nicht. Für ihn ist Epsteins widerliches Treiben – Pädophilie, Sadismus, mutmaßlich Mord – schlicht eine russische “Honigfalle” zur Beschaffung von “Kompromat”.

Dabei zeigt schon ein unterhaltsamer deutscher Film wie “Kundschafter des Friedens 2”, was eine echte Honigfalle ist: eine Operation mit hochtrainierten Agentinnen, deren Ziel Informationen, nicht bloß kompromittierende Videos sind. Auch in der Serie “The Americans” sind es professionelle Kräfte. Selbst die CIA beklagte einst, die sowjetischen Agenten seien oft überzeugungstreuer, während man sich selbst mit Käuflichen und Erpressbaren begnügen müsse.

Das ganze Theater dient vor allem der Ablenkung. Dass die Story aus Großbritannien und Polen kommt, legt eher eine Rolle des MI6 nahe. Für diesen arbeitete bekanntermaßen auch Robert Maxwell, der Vater von Epsteins enger Vertrauter Ghislaine. Maxwells Verbindung zum Mossad war derart offensichtlich, dass er nach seinem mysteriösen Tod (nackt neben seiner Jacht gefunden) auf dem Ölberg in Jerusalem beigesetzt wurde – in Anwesenheit der Mossad-Spitze und des damaligen Premiers.

Genau diese Verbindung springt einem aus den Namenslisten entgegen: Epstein, sein Anwalt Alan Dershowitz, Peter Mandelson, dazu immer wieder die Rothschilds – allesamt zionistische Juden. Die Ausnahme ist Noam Chomsky, der den Verlockungen von Reichtum und Straflosigkeit offenbar nicht widerstehen konnte. Es gibt kaum etwas auf der Welt, auf dem deutlicher “MOSSAD” steht als auf dem Epstein-Netzwerk – außer vielleicht dem Türschild der Mossad-Zentrale in Tel Aviv.

Doch darüber zu sprechen, ist in der Welt, die von Gründer Axel Springer auf “ewige Israelfreundlichkeit” verpflichtet wurde, natürlich tabu. Erst recht, nachdem Israel mit einem live übertragenen Genozid Schande auf sich lud und der Mossad mit Terroranschlägen wie jenem mit den Pagern im Libanon zeigte, wie egal ihm zivile Opfer sind.

Dass ausgerechnet Polens Ministerpräsident Donald Tusk die Epstein-Affäre Russland in die Schuhe schieben will, könnte noch interessant werden. Dies dürfte weniger dem MI6 gefallen, als vielmehr dem Versuch geschuldet sein, den in Polen immer grassierenden Antisemitismus zu kanalisieren – der durch die EU-“Solidarität” mit dem genozidalen Israel und dessen Gleichsetzung mit dem Judentum neuen Auftrieb erhält.

Israel hat übrigens selbst massive Probleme mit einer jüdischen Sekte, die systematischen Kindesmissbrauch betreibt. Es gibt nicht “das Judentum”, sondern unzählige Strömungen, darunter einige, die noch fanatischer an jüdischer Überlegenheit glauben als Netanjahu oder Epstein.

Epsteins Busenfreund Ehud Barak war in den 1970ern Kommandeur eines Mossad-Mordkommandos, später Chef des Militärgeheimdienstes und dann Ministerpräsident. Mit Barak als Gast und der Tochter des Mossad/MI6-Agenten Maxwell als rechter Hand musste Epstein also logischerweise für… die Russen arbeiten.

Ein weiterer blinder Fleck bei Wergin ist die Ukraine. Er behauptet, Epstein habe seine Opfer aus Russland bezogen – sein Hauptargument für die Russland-Connection. Dass dies in den elenden 1990ern geschah, als Prostitution in der Ex-UdSSR massiv zunahm, verschweigt er. Als sich die Lage in Russland besserte, bezog Epstein seine Opfer aus der Ukraine, über Kiewer Agenturen. Nach dem Maidan-Putsch pries er die Ukraine als “Goldgrube” an und wollte Selenskyj besuchen. Zu dieser widerlichen Verbindung könnten noch viele Fragen offen sein – Stichworte: Bill Gates, Leihmutterschaft, Biolabore.

Von Kontakten zwischen Epstein und Putin steht in den Millionen Seiten Dokumenten nichts. Nur davon, dass Epstein überlegte, nach Russland zu reisen – und nebenbei auch darüber, Putin zu stürzen. Eine seltsame Agenda für einen angeblichen KGB-Agenten. Wäre er das gewesen, hätte ihn dies aufgrund der Kontakte zu russischen Oppositionellen wohl ein deutlich früheres, wenn auch diskreteres Ende bereitet – anders als bei Maxwell…

Vielleicht arbeitete Epstein ja auch in Schichten, für jeden Geheimdienst nur Teilzeit. Ein FBI-Dokument zitiert eine Quelle, wonach Epsteins Anwalt Dershowitz einem Staatsanwalt sagte, “dass Epstein sowohl zu US- als auch zu verbündeten Nachrichtendiensten gehörte”. Langsam wird die Liste voll: FBI, CIA, zusätzlich zu Mossad und MI6? Der Mann hätte eine komplette Geheimdienstkonferenz im Selbstgespräch führen können.

“Der FSB”, so Wergin, setze “in postsowjetischer Zeit systematisch ‘Honigfallen’ ein”. An diesem Satz erkennt man, wie bei der Frage “der CIA” oder “die CIA”, das Maß an Ahnung. Wer “FSB” statt des korrekten “SWR” (russisch: Sluschba wneschnei raswedki) schreibt, beweist ähnliche Kompetenz wie jemand, der im Deutschen das BKA mit dem BND verwechselt.

Es ist erstaunlich, dass ein erfahrener Außenpolitik-Berichterstatter wie Wergin sich für solch eine Räuberpistole hergibt. Aber vielleicht muss man das bei der Welt ja…

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