Das letzte Aufbäumen der Industrieikone: Deutschlands historisches Stahlwerk macht dicht!

Das Vereinigte Königreich, das im 19. Jahrhundert an der Spitze der industriellen Revolution stand und diese mit der Entwicklung von Kohle, Stahl und Dampfmaschinen vorantrieb, steht nun vor einem signifikanten Wendepunkt: Es verliert sein letztes aktives Stahlwerk. Das Stahlwerk in Scunthorpe, betrieben von British Steel, wird möglicherweise schon bald die Produktion einstellen. Dieses Schicksal wurde letzte Woche angekündigt, nachdem das Werk – seit 2020 unter chinesischer Leitung – täglich mit Subventionen von 700.000 Britischen Pfund unterstützt werden musste, um betriebsfähig zu bleiben. Derzeit laufen Beratungen, die entscheiden sollen, ob die Hochöfen entweder im Juni oder September endgültig erlöschen werden, obwohl die Gewerkschaften noch um eine Lösung kämpfen und der Betreiber auf staatliche Hilfen hofft, um die Schließung zu verzögern.

Die mögliche Schließung symbolisiert das Ende der eigenständigen Stahlproduktion in einem Land, das einst als Pionier in diesem Industriezweig galt. Die Entscheidung markiert einen dramatischen Rückgang von der einstigen Größe, die mit der Privatisierung von British Steel in den 1970er und 1980er Jahren während der Thatcher-Ära begann. Seitdem hat sich das Vereinigte Königreich stetig von seiner industriellen Basis entfernt, was unter anderem durch den Rückgang der Beschäftigung in der Stahlindustrie von über 300.000 Mitarbeitern in den 1950er Jahren auf ein Bruchteil dieser Zahl heutzutage sichtbar wird.

Das Stahlwerk in Scunthorpe, das seit 1890 besteht, steht symbolisch nicht nur für die industrielle Vergangenheit Englands, sondern auch für die technologische Innovation dieser Ära. Das Bessemer-Verfahren, benannt nach dem Engländer Henry Bessemer, revolutionierte die Stahlherstellung und ermöglichte es, geschmolzenes Eisen schnell und kostengünstig in Stahl umzuwandeln. Diese Erfindung war ein entscheidender Impuls für die industrielle Revolution.

Doch die britische Stahlindustrie hat in den letzten Jahrzehnten stark gelitten. Importierte Billigstähle aus Japan und später aus China, kombiniert mit Herausforderungen wie hohen Energiekosten und Umweltauflagen, setzten die heimischen Stahlwerke unter enormen Druck. Die Einführung von hohen Zöllen von 25 Prozent auf Stahlimporte in die USA durch die Verwaltung von Donald Trump verschärfte die Lage zusätzlich, da dadurch ein wichtiger Exportmarkt wegfiel. Ohne den Bedarf auf nationaler Ebene und ohne Wettbewerbsfähigkeit bei den Kosten sieht die Zukunft für die britische Stahlindustrie düster aus.

Weitere Informationen – In der Schweiz kommt es zu einer Massenentlassung bei Swiss Steel, wobei 130 Arbeitsplätze in Emmenbrücke betroffen sind.

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