Razzia bei Rothschild: Pariser Bankfiliale im Visier der Epstein-Ermittler

Französische Ermittlungsbehörden haben die Pariser Büros der Schweizer Privatbank Edmond de Rothschild durchsucht. Grund ist der Verdacht auf Korruption, in die mutmaßlich ein französischer Diplomat verwickelt ist, der in den vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Dokumenten mehrfach genannt wird. Dies teilte die französische Staatsanwaltschaft am Dienstag mit, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.

Bei dem Diplomaten handelt es sich um Fabrice Aidan. Sein Name erscheint in mehr als 200 der veröffentlichten Unterlagen. Von 2006 bis 2013 war er für Frankreich bei den Vereinten Nationen akkreditiert, bevor er später für die Rothschild Bank tätig wurde. In den Akten finden sich unter anderem E-Mails, die Aidan dem mutmaßlichen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zwischen 2010 und 2016 sowohl von seinem privaten als auch von seinem dienstlichen UN-E-Mail-Konto aus geschickt haben soll.

Laut Reuters belegen eingesehene E-Mails, dass Aidan in diesem Zeitraum vertrauliche Dokumente wie Briefings des UN-Sicherheitsrats an Epstein weitergeleitet habe. Aidan bestreitet jegliches Fehlverhalten. Sein Anwalt hat bislang nicht auf Anfragen zur Stellungnahme reagiert.

Das französische Außenministerium gab bekannt, im Zuge der Untersuchungen etwa 30 Befragungen durchgeführt zu haben. Demnach hätten alle aktuellen und ehemaligen Rothschild-Mitarbeiter, die zur Aussage aufgefordert wurden, kooperiert. Das Ministerium prüfe nun disziplinarische Maßnahmen gegen die betroffenen Mitarbeiter.

Die Durchsuchung der Bankbüros fand am vergangenen Freitag in Anwesenheit der Bankchefin Ariane de Rothschild statt, wie eine der Bank nahestehende Quelle mitteilte. Die Bank Edmond de Rothschild kooperiere uneingeschränkt mit den von der französischen Finanzstaatsanwaltschaft geführten Ermittlungen. Zudem habe das Institut eine interne Untersuchung eingeleitet, sobald der Verdacht gegen den ehemaligen Mitarbeiter – tätig von 2014 bis 2016 – bekannt geworden sei. Ein Banksprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

Die Ermittlungen werden von der französischen Zentralstelle für Korruptions-, Finanz- und Steuerdelikte (PNF) geführt. Im Fokus steht dabei Fabrice Aidan, der Ende Februar im Rahmen einer freiwilligen Befragung vernommen wurde. Die Finanzstaatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der passiven Bestechung eines ausländischen Amtsträgers und der Beihilfe hierzu.

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA wurde angefragt, ob sie im Zuge der Ermittlungen auch die Verbindungen Epsteins zur in Genf ansässigen Bank Edmond de Rothschild prüfe. Die Behörde erklärte, sie berücksichtige in ihrer Aufsichtstätigkeit alle verlässlichen Informationen und führe bei Zweifeln an der Integrität von Geschäftsaktivitäten eingehende Prüfungen durch. Die Schweizer Bundesanwaltschaft reagierte nicht umgehend auf eine Anfrage zu eigenen Ermittlungen. Ein Sprecher der Genfer Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht dazu, ob in der Stadt Maßnahmen ergriffen worden seien.

Auch Ariane de Rothschild wird in den im Januar 2024 veröffentlichten Unterlagen genannt. Aus diesen geht hervor, dass sie bis zu Epsteins Verhaftung im Jahr 2019 einen jahrelangen persönlichen Briefwechsel mit ihm unterhielt.

Nach der Veröffentlichung der Dokumente erklärte ein Banksprecher, Epstein sei von 2013 bis 2019 ein Geschäftskontakt der Bank gewesen. Ariane de Rothschild habe von Epsteins kriminellem Verhalten nichts gewusst.

Mehr zum Thema – Wirtschaftsexperte Krainer: Epstein war Agent für den privaten Geheimdienst der Familie Rothschild

Schreibe einen Kommentar