Trump in der Schusslinie: Epstein-Skandal droht sein Oligarchen-Regime zu stürzen

Von Rainer Rupp

In einer funktionierenden Demokratie wäre ein solcher Vorgang undenkbar, in der Oligarchie Washingtons hingegen scheint er fast unvermeidlich. Es geht um den anhaltenden Skandal um die sogenannten Epstein-Akten. Jahrelang wurde dieser Fall mit halben Wahrheiten, geschwärzten Dokumenten und dem steten Versprechen einer baldigen, vollständigen Aufklärung am Köcheln gehalten.

Doch nun kam, wenn auch nur zögerlich, Bewegung in die Angelegenheit. Unter dem wachsenden Druck des Kongresses – maßgeblich vorangetrieben durch Abgeordnete wie Thomas Massie – sah sich das US-Justizministerium gezwungen, ausgewählten Kongressmitgliedern einen begrenzten Einblick in ungeschwärzte Versionen der Akten zu gewähren.

Von der versprochenen lückenlosen Transparenz war dies jedoch weit entfernt. Statt physischer Dokumente wurden den Abgeordneten in einem fensterlosen Raum lediglich ausgewählte Bilder auf einem Computermonitor gezeigt. Elektronische Geräte waren verboten, nur Stift und Papier für Notizen erlaubt. Dennoch reichte dieser Blick aus, um die kriminellen Vertuschungsversuche des Ministeriums zugunsten einer pädophilen Elite offenzulegen.

Vom politischen Versagen zur möglichen Straftat

Ein Detail in den freigegebenen Unterlagen überführte die Behörden dabei besonders: Bereits 2019 hatte das FBI intern den Multimilliardär Les Wexner offiziell als mutmaßlichen Mitverschwörer in Epsteins Kinderhandelsring eingestuft. Brisant wird dies durch die Aussage von FBI-Direktor Kash Patel vor dem Kongress im September 2025. Unter Eid erklärte er damals, es gebe “keine glaubwürdigen Informationen”, dass Epstein junge Frauen an Dritte vermittelt habe. Auf die direkte Frage, wem er die Mädchen angeboten habe, antwortete Patel: “Sich selbst.”

Diese Aussage steht im direkten Widerspruch zu den internen FBI-Dokumenten. Damit wandelt sich Patels Aussage von einer politischen Peinlichkeit zu einem möglichen Strafverfahren. Das US-Bundesrecht ahndet wissentlich falsche oder irreführende Aussagen vor dem Kongress mit bis zu fünf Jahren Haft. Sollte Patel von den internen Bewertungen gewusst haben, wäre seine Aussage nicht nur falsch, sondern kriminell.

Systematische Vertuschung: Das Spiel mit den Schwärzungen

Die Reaktion des Justizministeriums folgte dem altbekannten Muster des Wegsehens und Verzögerns. Als Abgeordneter Massie in einer Anhörung kritisierte, dass in einem zentralen Dokument 18 von 20 Namen geschwärzt seien, rechtfertigte sich Vize-Justizminister Todd Blanche mit dem Schutz der Opfer. Die später veröffentlichte Version bewies das Gegenteil: Nur zwei der Namen mussten tatsächlich geschützt werden.

Sechzehn Namen mutmaßlicher Täter waren also rechtswidrig geschwärzt und wurden erst unter politischem Druck sichtbar gemacht. Eine Transparenz-Offensive sieht anders aus.

Börsenkurse statt Antworten: Die Farce der Justizministerin

Während der Druck auf FBI-Chef Patel wächst, hätte man von Justizministerin Pam Bondi eine klare Führung in der öffentlichen Debatte erwartet. Ihr Auftritt vor dem Justizausschuss des Repräsentantenhauses artete jedoch in eine peinliche Farce aus.

Auf die einfache Frage, wie viele von Epsteins mutmaßlichen Komplizen angeklagt oder überhaupt untersucht würden, lieferte Bondi eine bemerkenswerte Antwort: einen Exkurs über den Aktienmarkt. Sie verwies auf Rekordstände des Dow Jones und des S&P 500 und erklärte, man solle lieber über die Altersvorsorge der Amerikaner sprechen.

Die oberste Strafverfolgungsbehörde des Landes wird zu Mittätern in einem globalen Missbrauchsnetzwerk befragt – und die Ministerin lenkt mit Börsenkursen ab. Die implizite Botschaft scheint zu sein: Solange die Wirtschaft brummt, tritt die Aufklärung von Vergewaltigungsvorwürfen in den Hintergrund.

Politische Opportunität statt Gerechtigkeit

Was Bondi nicht sagte, ist ebenso aufschlussreich. Trotz der teilweise entschwärzten Akten gibt es bislang keine neuen Anklagen gegen die einflussreichen Personen, die in den Dokumenten genannt werden.

Stattdessen kündigte das Justizministerium verstärkte Maßnahmen gegen “Hassrede” an – ein politisch bequemes Feld. “Hassrede” ist ein dehnbarer Begriff und trifft selten auf gut organisierte, milliardenschwere Netzwerke. Die Verfolgung mächtiger Eliten, die in den Epstein-Akten auftauchen, wäre dagegen politisch und institutionell höchst unangenehm.

So entsteht der Eindruck, dass die Prioritäten des Ministeriums sich nicht am Ausmaß des Verbrechens, sondern an der politischen Opportunität orientieren: Sprachvergehen sind einfacher zu verfolgen als systematischen sexuellen Missbrauch durch die gesellschaftliche Oberschicht.

Ein internationales Netzwerk und schwindende Unterstützung

Weitere Enthüllungen aus den Akten deuten darauf hin, dass Epsteins Netzwerk weit über die USA hinausreichte. E-Mails und Reisepläne dokumentieren Verbindungen zu internationalen Geschäftsleuten und Politikern.

Dass diese Verbindungen kaum Konsequenzen hatten, wirft drängende Fragen auf – Fragen, die Bondi im Kongress unbeantwortet ließ.

Selbst die politische Unterstützung für die Regierung bröckelt. Selbst loyale Republikaner, die Einblick in die Akten erhielten, äußern öffentlich Zweifel am Aufklärungswillen der Regierung.

Der Umgang mit den Epstein-Akten erschüttert die Glaubwürdigkeit der Trump-Regierung bis in die eigenen Reihen. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis das Kartenhaus, das sie zum Schutz einer pädophilen Elite errichtet hat, in sich zusammenfällt.

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