Epstein-Skandal: Warum der Mainstream Kronprinzessin Mette-Marit attackiert, aber Milliardär Peter Thiel schont

Von Bernhard Loyen

Erneut wird die Öffentlichkeit mit einem riesigen Datenberg konfrontiert: „drei Millionen Seiten, 180.000 Bilder und 2.000 Videos“, gescannt von den beschlagnahmten Festplatten des zutiefst verstörenden Jeffrey Epstein. Diese Flut an Informationen ist selbst eine Strategie. In Zeiten digitaler Manipulation lassen sich darin mühelos kleine, gezielte Fehlinformationen platzieren, um von den wirklich wesentlichen – den „wichtigen“ – Fakten abzulenken.

Die elementaren Wahrheiten über ein jahrzehntelang bestehendes, durchdachtes System aus Macht, Missbrauch und menschlichen Abgründen – eine gestörte Parallelwelt – werden weiterhin zurückgehalten. Wofür? Für einen weiteren Tag X, an dem Person Y stürzen soll?

Schon ein erster Blick auf die Analysen in sozialen Medien und die Leitartikel der etablierten Presse macht es deutlich: Die gelegten Ablenkungsspuren werden bereitwillig aufgegriffen und breitgetreten. Erneut stehen jene Namen im Fokus, die im Rampenlicht stehen sollen: vor allem Trump, Musk, Gates und der schmierige Andrew Mountbatten-Windsor, einst der unantastbare Duke of York.

Ob Jeffrey Epstein Suizid beging oder beseitigt wurde – die definitive Wahrheit werden interessierte Bürger wohl nie erfahren. Der Mann – möglicherweise über Jahrzehnte ein israelischer „Honeypot“-Akteur der unantastbaren Sorte – wurde den sogenannten Eliten am Ende zu unbequem, zu gefährlich in seinen Absichten und Plänen vor und nach der Inhaftierung.

Der aktuelle Aufreger der Stunde ist der „creepy crawler“, der „gruselige Krabbler“ Mountbatten-Windsor. Am Wochenende fand die deutsche Journaille zudem Unverständnis, Spott und Häme für die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit und ihren „irritierenden“ Mailkontakt mit Epstein. Laut Artikeln wird empört berichtet, dass der Name Mette-Marit „mindestens tausendmal in den am Freitag vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten auftaucht“. Warum jetzt und nicht früher? Die Bild-Redaktion liefert eine Antwort:

“Am 3. Februar beginnt der Vergewaltigungsprozess um Marius Borg Høiby [vorbestrafter Sohn von Mette-Marit aus erster Ehe]. Als sei das nicht schon schlimm genug, kommt durch neu veröffentlichte ‘Epstein-Files’ ans Licht: Kronprinzessin Mette-Marit soll ‘mehrere Hundert Mal’ mit dem verurteilten Sexualstraftäter in Kontakt gestanden haben.”

Alles nur Zufall in der Veröffentlichungsstrategie? In den nun bekannt gewordenen E-Mails fragte Mette-Marit Epstein laut einem Screenshot unter anderem wörtlich, ob es “für eine Mutter unangemessen ist, als Bildschirmschoner für ihren 15-jährigen Sohn ein Bild von zwei nackten Frauen, die ein Surfbrett tragen, vorzuschlagen”. So zitiert der Berliner Tagesspiegel, exemplarisch für Copy/Paste-Journalismus, denn in der Mail ist von „Wallpaper“, also Tapete, die Rede.

Bleiben wir in Norwegen bei Epstein-„Neuheiten“, die den Mainstreammedien in den vergangenen Tagen aus nachvollziehbaren Gründen offenbar nicht interessant genug waren. Auf der Website des US-Justizministeriums kann man Suchbegriffe eingeben. Nach erkenntnisreichen Stunden der Lektüre und der Betrachtung von Fotos der New Yorker Wohnung und des Anwesens auf Little St. James findet sich im aktuellen Material folgende Mail an Peter Thiel, Chef von Palantir und künftiger Drohnenlieferant der Bundeswehr.

Darin heißt es zu Plänen eines erneuten Treffens von Epstein und Thiel:

“Thorbjørn Jagland wird die ganze nächste Woche auf der Insel sein, kommen Sie doch vorbei!”

Jagland gehört zu den bekanntesten norwegischen Sozialdemokraten der letzten Jahrzehnte. Er war Regierungschef (1996–1997), Außenminister (2000–2001), Präsident des Parlaments (2009–2013), Generalsekretär des Europarats (2009–2019) und lange Jahre Vorsitzender des norwegischen Nobelkomitees.

Auf der Insel – der Insel der Schande, des Kindesmissbrauchs und womöglich noch Schlimmerem? Laut Mailkorrespondenz aus bereits früher freigegebenen Unterlagen traf sich Jagland im September 2013 auch mit Epstein zum „Lunch“ in New York. Was folgte – mutmaßlich – als Entspannungsprogramm in Epsteins mehrstöckigem Appartement?

Jagland hätte es demnach auch begrüßt, wenn Epstein im Oktober 2013 nach Paris gereist wäre, und zwar aus folgendem Grund:

“Hallo Jeffrey, bist du nächsten Montag in Paris? Wenn ja, wird der französische Präsident [François Hollande] dich zur Zeremonie im Élysée-Palast einladen, um mir die Auszeichnung zu überreichen.”

Gibt man bei der ARD-Tagesschau, dem Spiegel, der FAZ oder beim ZDF die Kombination „Peter Thiel“ und „Epstein“ ein, erhält man sogenannte Null-Ergebnisse. Das Zeit-Magazin fragt in einem Absatz vom Dezember des Vorjahres:

“Vor allem politisch hat der Fall [Epstein] also weiterhin Sprengkraft, nicht nur in den USA. Denn die Liste derer, die nah an Epstein dran waren, ist lang. Auf ihr stehen etwa auch der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, der ehemalige israelische Premier Ehud Barak und der einflussreiche Techmilliardär Peter Thiel. Erfahren wir mehr, wenn nun weitere Akten öffentlich werden?”

„Was die neuen Epstein-Akten zeigen – und was nicht“ titelt die Zeit-Redaktion nach den aktuellen Veröffentlichungen. Die Unterkapitel lauten unter direkter Namensnennung:

  • Welche neuen Erkenntnisse gibt es zum früheren britischen Prinzen Andrew?
  • Was steht über Elon Musk in den Akten?
  • Welche neuen Informationen gibt es zur Rolle Donald Trumps?
  • Welche Erkenntnisse gibt es zur Rolle von US-Handelsminister Lutnick?
  • Welche anderen Prominenten tauchen in den Akten auf?

Auch hier: Fehlanzeige, keine Erwähnung von Peter Thiel. Ein SZ-Kommentar erwähnt ihn immerhin, jedoch ohne weitere Recherche (hinter Paywall), mit Fokus auf zitierte „wichtigere“ Namen:

“Trump jedenfalls gehörte früher zu Epsteins Umgebung, ebenso wie viele andere Prominente, die davon heute wie er nichts mehr wissen wollen. An welchem Tag oder in welcher Nacht ‘die wildeste Party’ auf Epsteins Insel in der Karibik stattfinde, erkundigte sich zum Beispiel Elon Musk 2012 in einer E-Mail, wie die New York Times berichtet. Auch der Milliardär Peter Thiel hatte offenbar Kontakt mit Epstein.”

Der attackierte Elon Musk kommentierte aktuell auf X mit dem einzig entscheidenden Ansatzpunkt in der seit Jahren schwelenden Epstein-Causa:

“Wow, es ist schon verrückt, dass Epstein ‘Selbstmord begangen hat’, bevor er erkannte, dass er ‘unschuldig’ war 🙄. Und warum genau sitzt Ghislaine Maxwell im Gefängnis? Ach ja. Die Zahl der Festnahmen von Epstein-Kunden liegt immer noch bei null.”

DAS ist der entscheidende Skandal, neben vielen weiteren Nebelgranaten in der manipulativen US-Verschleierungstaktik, die von Washington über Hollywood bis in die erste Liga der Musikindustrie reicht.

Der verantwortliche US-Generalstaatsanwalt Todd Blanche erklärte am Wochenende, die Überprüfung der Unterlagen zu Jeffrey Epstein durch das Justizministerium (DOJ) sei “abgeschlossen”. Zwar seien “einige Dokumente noch nicht veröffentlicht” worden, aber “die Überprüfung jedoch abgeschlossen” worden.

Der US-Sender *ABC News* zitiert dann den entscheidenden Absatz aus der Pressekonferenz, der die Tore zur tiefschwarzen Hölle bewusst verschlossen hält:

*”Blanche sagte, dass mehrere Kategorien aufgrund ihrer Sensibilität von der Veröffentlichung ausgenommen wurden. Dazu gehören personenbezogene Daten der Opfer, medizinische Akten der Opfer, Bilder mit Kinderpornografie, Informationen zu laufenden Verfahren sowie alle Bilder, die Tod oder Missbrauch darstellen.”*

Medienberichten zufolge plant das Bundesverteidigungsministerium, zwei Unternehmen Verträge im Rahmen eines Drohnen-Beschaffungsprojekts zu erteilen, “das der Bundestag voraussichtlich in der letzten Februarwoche billigen werde”, so die *Wirtschaftswoche*.

Die Website Investment Week informierte im August des Vorjahres, dass das deutsche Unternehmen Stark Defence mit Investoren aus dem “Who-is-Who der sicherheitspolitischen Digitalelite” glänzen würde, darunter “Peter Thiels Thiel Capital”.

Ein gewichtiger Grund dafür, dass sich der deutsche Mainstream aktuell auf Mette-Marit konzentriert und nicht auf Epstein-Partyfreund und mehr… Peter Thiel.

Zur Not geht man – weiterhin – im militärisch-industriellen Komplex, wie gehabt und vollkommen unbekümmert, über Leichen.

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