In der albanischen Hauptstadt Tirana kam es am Abend des 10. Februar 2026 zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstrierenden. Tausende Menschen waren zusammengekommen, um den Rücktritt von Vize-Ministerpräsidentin Belinda Balluku zu fordern, gegen die Korruptionsvorwürfe erhoben wurden, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.
Reuters erläutert die Hintergründe der Proteste:
“Die politischen Spannungen haben sich seit Dezember verschärft, nachdem die Sonderstaatsanwaltschaft Anklage gegen die stellvertretende Ministerpräsidentin Belinda Balluku erhoben hatte. Ihr wird vorgeworfen, in die Vergabe öffentlicher Aufträge für große Infrastrukturprojekte eingegriffen und bestimmten Unternehmen Vorteile verschafft zu haben. Balluku bestreitet die Vorwürfe.”
Die Ermittlungen waren bereits im Dezember 2025 aufgenommen worden. In der vergangenen Woche hatte die für Korruption und organisierte Kriminalität zuständige Sonderstaatsanwaltschaft das Parlament aufgefordert, die Immunität Ballukus aufzuheben, um eine Verhaftung zu ermöglichen.
Der eigentliche Zündstoff für die aktuellen Proteste liegt in der politischen Zugehörigkeit der Beschuldigten: Vize-Premierministerin Balluku ist Mitglied der Sozialistischen Partei Albaniens (PS) von Ministerpräsident Edi Rama. Wie Reuters weiter ausführt, ist unklar, wann das von Ramas Partei dominierte Parlament über die Aufhebung der Immunität abstimmen wird – oder ob es überhaupt dazu kommt. Am Dienstagabend zogen Tausende mit Fahnen und Transparenten über den zentralen Skanderbeg-Platz, während Bereitschaftspolizisten in voller Schutzausrüstung das Regierungsgebäude absicherten. Die Menge skandierte:
“Rama, geh nach Hause! Diese korrupte Regierung muss zurücktreten!”
Im Verlauf des Abends eskalierte die Situation: Demonstrierende bewarfen das Regierungsgebäude mit Molotowcocktails. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein, um die Menge auseinanderzutreiben.
Mindestens 16 Personen, darunter Demonstrierende, Polizisten und – in einer ironischen Wendung – auch ein oppositioneller Abgeordneter, wurden mit Verbrennungen und anderen Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert. Die Behörden nahmen mindestens zehn Protestierende fest.
Bereits Ende Januar hatte es in Tirana schwere Unruhen gegeben, die aus Protesten zum selben Thema – Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe von Bauaufträgen – entstanden waren. Damals führte der Oppositionsführer und ehemalige Ministerpräsident Sali Berisha die Demonstrationen an. Auch damals versuchten Protestierende, gewaltsam in das Parlamentsgebäude einzudringen und bewarfen Polizeisperren mit Steinen und Brandsätzen. Die Reaktion der Sicherheitskräfte war identisch: der Einsatz von Wasserwerfern und Tränengas.
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