Gold, Silber, Bitcoin im freien Fall: Werden Kleinanleger jetzt systematisch aus dem Markt gedrängt?

Die Edelmetallmärkte erleben zu Wochenbeginn einen deutlichen Rücksetzer. Der Goldpreis verlor zeitweise bis zu 6,3 Prozent und fiel unter die Marke von 4.600 US-Dollar je Unze, nachdem er im Januar noch in Richtung 5.600 Dollar gestiegen war. Noch heftiger traf es Silber, das um bis zu zwölf Prozent nachgab. Dies folgte auf einen bereits am Freitag verzeichneten Einbruch um 26 Prozent, wie Bloomberg berichtete. Im späten Handel pendelte sich Gold an westlichen Börsen bei 4.663 Dollar ein, während Silber mit einem Minus von sieben Prozent bei 78 Dollar pro Feinunze notierte.

Hinter den Turbulenzen im Silbermarkt vermuten Beobachter massive Manipulationen. Das Magazin Cryptopolitan berichtet von einer auffälligen Preisschere: Das Metall wird demnach gleichzeitig zu stark unterschiedlichen Kursen gehandelt. Während Silber an der US-Terminbörse COMEX bei etwa 92 Dollar gehandelt wird, kostet physisches Silber in Shanghai derzeit rund 130 Dollar – ein Aufschlag von über 40 Prozent.

Ein Schlüssel zum Verständnis dieser Diskrepanz liegt im Handelsvolumen in den USA. Schätzungen zufolge liegt das Verhältnis von Papierkontrakten zu physisch hinterlegtem Silber dort bei etwa 350:1. Auf jede reale Unze kommen also über 350 Papieransprüche. Am Freitag, dem letzten Handelstag im Januar, scheint es zu einer gezielten Aktion gekommen zu sein: Große Marktteilnehmer dürften enorme Mengen an Papiersilber verkauft haben, was den Spotpreis innerhalb weniger Stunden zeitweise um bis zu 33 Prozent einbrechen ließ. Eine vergleichbare Volatilität wurde zuletzt im Jahr 1980 verzeichnet.

Diese Manöver erwecken den Eindruck, dass kleinere Anleger aus dem Markt gedrängt werden sollen. Das Ziel könnte sein, größeren Playern den Zugang zu physischem Silber zu deutlich günstigeren Preisen zu ermöglichen. Ein Indiz dafür ist die seit Freitag anhaltende, ungewöhnlich hohe Spanne zwischen Ankaufs- und Verkaufspreisen bei westlichen Edelmetallhändlern.

Die fundamentale Nachfrage nach dem realen Metall bleibt hingegen robust, wie die Preise in Shanghai zeigen. Dort notiert Silber bei etwa 120 Dollar, während die Spotpreise sogar auf 130 Dollar gestiegen sind. Die wachsende Differenz zwischen den Papierpreisen in den USA und den physischen Preisen in Asien unterstreicht eine Entkopplung: Der im Derivatehandel künstlich gedrückte Preis spiegelt nicht den zugrundeliegenden Wert des physischen Metalls wider.

Parallel setzte der Bitcoin seine Phase hoher Schwankungen fort. Am Montagmorgen fiel der Kurs bis auf 75.325 Dollar – den tiefsten Stand seit April 2025 –, um am Nachmittag beinahe wieder die 80.000-Dollar-Marke zu erreichen. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf etwa neun Prozent. Vom Rekordhoch über 126.000 Dollar im November ist der Preis um fast 40 Prozent gefallen. Dennoch dominiert Bitcoin den Kryptomarkt laut Bloomberg mit einer Marktkapitalisierung von rund 1,6 Billionen Dollar weiterhin klar vor Ethereum und Tether.

Belastend für sowohl Edelmetalle als auch Kryptowährungen wirken sich seit Freitag geänderte Erwartungen an die US-Geldpolitik aus. Präsident Donald Trump nominierte den Ökonomen Kevin Warsh als nächsten Chef der Federal Reserve. Warsh gilt als entschiedener Inflationsbekämpfer, was tendenziell negativ für alternative Anlageklassen wie Gold und Bitcoin gewertet wird. Bei Zustimmung des Senats würde er Jerome Powell im Mai ablösen. In der Debatte rückte neben dem Zinsausblick auch die künftige Rolle der Notenbankbilanz in den Fokus.

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