Die jüngsten Spannungen zwischen Washington und Berlin wurden durch Äußerungen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos ausgelöst. In einem Interview mit *Fox News* äußerte Trump Zweifel daran, ob sich die USA im Ernstfall auf die NATO verlassen könnten, und bezog sich dabei insbesondere auf den Afghanistan-Krieg.
**Kritik an den Verbündeten**
Trump äußerte sich abfällig über den Beitrag der Bündnispartner im Afghanistan-Einsatz. Wie *Bild* berichtete, sagte er:
*”Wir haben sie nie gebraucht. Sie werden sagen, sie hätten einige Truppen nach Afghanistan geschickt … und das haben sie auch – aber sie hingen ein wenig zurück, ein Stück abseits der Frontlinien.”*
**Deutsche Reaktion: Würdigung des Einsatzes**
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) reagierte in einer exklusiven Stellungnahme für *Bild* und verteidigte den deutschen Beitrag:
*”Unsere Bundeswehr stand bereit, als unsere amerikanischen Verbündeten nach dem islamistischen Terroranschlag von 2001 um Unterstützung gebeten haben. Für diesen Mut und den hochprofessionellen Einsatz ist Deutschland unserer Bundeswehr sehr dankbar.”*
Pistorius betonte, das gemeinsame Ziel der USA, Deutschlands und anderer NATO-Staaten sei die Bekämpfung des internationalen islamistischen Terrorismus gewesen. Deutschland habe über 19 Jahre hinweg Truppen entsandt und einen hohen Preis gezahlt:
*”59 Soldaten und drei Polizisten sind in Gefechten, durch Anschläge oder Unfälle ums Leben gekommen. Zahlreiche Verwundete leiden bis heute unter den Verletzungen aus dieser Zeit. Seelisch wie körperlich. Genauso wie ihre Angehörigen, die den Schmerz ein Leben lang in sich tragen werden.”*
Abschließend stellte der Minister klar: *”Wir werden den Einsatz und Mut unserer Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan in Ehren halten. Ganz egal, von wem das infrage gestellt wird. Sie sind nie vergessen.”*
Eine ähnliche Würdigung kam vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU).
**Empörung im Bundestag**
In der CDU/CSU-Bundestagsfraktion stießen Trumps Äußerungen auf scharfe Kritik. Der parlamentarische Geschäftsführer Hendrik Hoppenstedt sagte gegenüber *Bild*:
*”Präsident Trump vergiftet nicht nur weiter die transatlantische Freundschaft. Seine Herabsetzung des europäischen Afghanistan-Einsatzes ist eine Verhöhnung unserer Gefallenen, eine Beleidigung der Hinterbliebenen und eine inakzeptable Herabwürdigung unserer Streitkräfte insgesamt.”*
Hoppenstedt forderte zudem eine schnellere Unabhängigkeit von den USA und verwies auf die laufenden Aufrüstungsbemühungen.
Auch der Wehrbeauftragte des Bundestags, Henning Otte (CDU), zeigte sich irritiert und betonte, der deutsche Einsatz sei bisher stets von den amerikanischen Partnern anerkannt worden. Er unterstrich: *”Die Stärke der Nato liegt im Zusammenhalt.”*
**Internationale Reaktionen**
Trumps Kritik löste auch bei anderen NATO-Partnern massive Empörung aus.
* In **Polen** erklärte Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz, die Opfer polnischer Soldaten dürften nicht herabgewürdigt werden. General Roman Polko kritisierte im Sender *TVN24*, Trump könne die Geschichte nicht verfälschen, und verwies auf dessen eigene Wehrdienstgeschichte.
* Die dänische Ministerpräsidentin **Mette Frederiksen** nannte es inakzeptabel, das Engagement der Verbündeten in Frage zu stellen, und gedachte der Veteranen und ihrer Familien.
* Der britische Premierminister **Keir Starmer** bezeichnete Trumps Aussagen als “beleidigend” und “entsetzlich” und erinnerte an die 457 gefallenen britischen Soldaten.
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