Am 18. und 19. Februar fand in Neu-Delhi eine der weltweit bedeutendsten Konferenzen zum Thema Künstliche Intelligenz statt. Ursprünglich sollte Microsoft-Gründer Bill Gates die Eröffnungsrede halten. Kurzfristig sagte er jedoch seine Teilnahme als Hauptredner auf dem Delhi AI Summit ab. Hintergrund sind anhaltende Kontroversen um seine früheren Kontakte zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, die in Indien zu wachsendem öffentlichen Druck führten.
Bereits Tage vor dem geplanten Auftritt war Gates in Indien eingetroffen, wo er sich im Bundesstaat Andhra Pradesh mit hochrangigen Politikern über Projekte seiner Stiftung austauschte. Nachdem bereits Gerüchte über einen möglichen Rückzug kursiert hatten, bestätigte die Gates Foundation zunächst seine Teilnahme. Diese Zusage wurde jedoch kurz darauf widerrufen.
In einer offiziellen Stellungnahme auf X (ehemals Twitter) begründete die Stiftung den Schritt: “Nach sorgfältiger Abwägung und um sicherzustellen, dass der Fokus auf den zentralen Prioritäten des KI-Gipfels bleibt, wird Herr Gates seine Eröffnungsrede nicht halten.” Der Account der Stiftung verweist dabei auf ihr übergeordnetes Ziel: “Unsere Mission ist es, eine Welt zu schaffen, in der jeder Mensch die Möglichkeit hat, ein gesundes und produktives Leben zu führen.”
Die Verbindungen zwischen Gates und Epstein waren bereits 2021 ein Faktor bei der Scheidung von Melinda Gates nach 27-jähriger Ehe. Jüngst veröffentlichte Dokumente aus dem Epstein-Nachlass – darunter Millionen Seiten an Unterlagen, Videos und Bilder – enthalten zudem Vorwürfe, Epstein habe gewusst, dass Gates seiner damaligen Frau eine sexuell übertragbare Krankheit verschwiegen habe. Ein Sprecher von Gates wies diese Anschuldigungen als “absolut absurd und völlig falsch” zurück.
Die Enthüllungen beleuchten die engen Verbindungen Epsteins zu einer Reihe prominenter Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Technologie, darunter auch der ehemalige britische Botschafter in den USA, Peter Mandelson, sowie Ex-Präsident Bill Clinton.
Gates selbst äußerte inzwischen Reue über die Bekanntschaft. Gegenüber dem australischen Sender *9 News* erklärte er Anfang des Monats: “Ich bereue jede Minute, die ich mit ihm verbracht habe.”
Diese Einsicht kommt für viele indische Kritiker jedoch zu spät. Die Ankündigung, dass Gates die Eröffnungsrede halten solle, hatte bereits im Vorfeld Proteste von Oppositionspolitikern und Sozialaktivisten ausgelöst. Zudem wurde dem Milliardär vorgeworfen, Indien als “Testlabor” für seine Forschungsprojekte zu nutzen. An seiner Stelle nahm schließlich Ankur Vora, Präsident der Afrika- und Indien-Niederlassungen der Gates Foundation, an der Konferenz teil.
Während des Gipfels forderte der indische Premierminister Narendra Modi die Tech-Branche auf, bei der KI-Entwicklung besonderen Wert auf den Schutz von Kindern zu legen. “Wir müssen von Anfang an wachsamer gegenüber der Sicherheit von Kinder sein … Genauso wie ein Lehrplan für die Schule zusammengestellt wird, sollten auch KI-Bereiche kindersicher und familienorientiert sein”, mahnte Modi.
Die Gates Foundation betonte indes ihr fortwährendes Engagement für KI-Innovationen, insbesondere in den Bereichen globale Gesundheit, Bildung und Entwicklung.
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