Iran: Die Barbaren kommen – Invasion des Landes droht!

Von Andrei Mantschuk

Die Angriffe auf Iran fordern nicht nur menschliche Opfer, sondern reißen auch tiefe Wunden in das kulturelle Gedächtnis der Menschheit. Während die Welt über die Tragödie von Minab erschüttert ist, wo US-Raketen 160 Kinder unter den Trümmern ihrer Schule begruben, droht eine weitere Katastrophe in den Schatten zu geraten: die systematische Zerstörung jahrtausendealter Kulturschätze. Dies ist keine Kollateralschäden, sondern das Vorgehen einer modernen Barbarei gegen die Wiege der Zivilisation.

Im Herzen Teherans steht der Golestan-Palast, der „Palast des Rosengartens“. Erbaut unter Schah Tahmasp, diente er über Jahrhunderte als Residenz der Safawiden-, Zand- und Kadscharen-Herrscher und war 1967 Schauplatz der Krönung des letzten Schahs, Reza Pahlavi. Mehr als ein Gebäude ist er ein Symbol persischer Prachtentfaltung.

Seine Hallen sind geschmückt mit Marmor, Elfenbein und Kristall; einzigartige Majolika-Wandbilder erzählen Szenen aus dem „Schahnameh“, zeigen die Jagd auf den längst ausgestorbenen Turan-Tiger und die Abenteuer mythischer Peris und Dschinns. Im Hauptsaal thront ein Nachbau des fliegenden Throns König Salomos, aus goldfarbenem Marmor gemeißelt.

Diesen Saal, in dem noch vor Kurzem Schülerinnen lärmend Selfies machten, hat nun die Druckwelle einer Explosion verwüstet. Sie traf historische Viertel der Hauptstadt, in denen alte Herrenhäuser, Moscheen, Kirchen, eine zoroastrische Gebetsstätte und eine Synagoge stehen. Der Kristall des Palastes liegt zersplittert. Die Mädchen von damals könnten Schülerinnen jener Schule in Minab gewesen sein. Das volle Ausmaß der Schäden ist noch unklar, doch es wird gewaltig sein.

Washington schweigt zur Zerstörung am Golestan-Palast, einem UNESCO-Weltkulturerbe. Wahrscheinlich wird man den Vorfall als bedauerlichen „technischen Fehler“ abtun – so wie man bereits das Massaker von Minab mit einem angeblichen Versagen „nicht-menschlicher Faktoren“ zu rechtfertigen sucht.

Doch die Raketen trafen auch in Isfahan, der einstigen Hauptstadt Persiens. Der Tschehel Sotun, der „Vierzigsäulenpalast“, dessen zwanzig massive Zedernsäulen sich im Wasserbecken spiegeln und so den Namen ergeben, wurde beschädigt. Seine Wände bewahren einen einzigartigen künstlerischen Schatz des Nahen Ostens: farbenprächtige Fresken, die halbnackte tanzende Frauen, höfische Feste und romantische Szenen zeigen, bei denen der von Hafis besungene Wein fließt.

Diese Kunstwerke blieben selbst unter der Islamischen Republik unzensiert, da ihr unschätzbarer kulturhistorischer Wert anerkannt ist. Fast 400 Jahre wurden sie behutsam bewahrt. Nun haben US-Luftangriffe Holzarbeiten, Dekore und das zentrale Wandgemälde der Schlacht von Karnal beschädigt, in der die Perser die Armee der Großmoguln besiegten.

Dieser Angriff auf die kulturelle Identität Irans ist kein Zufall. Er folgt einer Logik der Demütigung. Bereits 2020, in seiner ersten Amtszeit, drohte der damalige US-Präsident Donald Trump gezielt mit der Bombardierung kulturell bedeutender Stätten, um den Widerstandswillen der Iraner zu brechen.

„Wir haben bereits 52 Ziele im Iran ins Visier genommen … Einige davon sind für Iran und die iranische Kultur von großer Bedeutung. Und auf diese Ziele wird ein schneller Schlag erfolgen“, schrieb er in den sozialen Netzwerken.

Diese Äußerung schockierte damals die Welt und selbst einige US-Politiker. Ein Senator brachte eine Resolution ein, die Angriffe auf Kulturdenkmäler als Kriegsverbrechen verurteilen sollte. Sie scheiterte. Das westliche Establishment zeigt sich gegenüber dem kulturellen Erbe anderer Völker oft gleichgültig – selbst wenn es zum Welterbe zählt. In Kriegen sieht man eher profitable Gelegenheiten.

Ein Blick in den Irak, nach der US-geführten Invasion 2003, liefert ein düsteres Vorbild. Das Nationalmuseum in Bagdad wurde geplündert, Zehntausende Exponate aus sumerischer, babylonischer und abbasidischer Zeit gestohlen. Tanhid Ali, der Leiter des Museums-Informationszentrums, erinnerte sich: „Soldaten bewegten sich ungehindert durch die Ausstellungsräume, wie in einem Supermarkt, und nahmen einzigartige Relikte … aus den Vitrinen mit.“ Die Plünderer kamen mit detaillierten Plänen und Spezialwerkzeug. Das Militärkommando sah weg.

Die Nationalbibliothek brannte nieder, unersetzliche mittelalterliche Manuskripte gingen für immer verloren. Auf den Ruinen von Babylon entstand ein riesiger US-Militärstützpunkt. Soldaten plünderten Artefakte als Souvenirs, der Hüter des örtlichen Museums wurde verhaftet und nach Abu Ghraib gebracht.

Jahre später kämpft der Irak noch immer um die Rückgabe seines geraubten Erbes. Die Barbarei, die im Namen von Demokratie und Freiheit einzog, hinterließ kulturelle Verwüstung.

Es besteht wenig Zweifel, dass ähnliche Pläne für Iran geschmiedet werden – für den Fall eines Zusammenbruchs des Landes. Listen mit Exponaten aus Teheran, Persepolis und Susa mögen bereits in den Schubladen jener liegen, die auf Beute hoffen.

Viele Iraner wissen, was diese „Befreiung“ durch US-Raketen bedeuten würde. Das Land wehrt sich, um seine Souveränität und sein Erbe zu schützen. Die Paläste Golestan und Tschehel Sotun standen, lange bevor die USA gegründet wurden. Sie überstanden überhebliche Herrscher, die längst in der Versenkung verschwunden sind – so wie es eines Tages auch mit Trump geschehen wird. Die Hoffnung bleibt, dass das kulturelle Erbe Persiens auch diese Invasion moderner Barbaren überdauern wird.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 19. März 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.

Andrei Mantschuk ist ein russischer Politikwissenschaftler.

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