Iran-Krieg: Asien in der Energiekrise! Notfallmaßnahmen gegen drohende Blackouts

Von Abdul Rahman

Seit dem gemeinsamen Militärschlag der USA und Israels gegen den Iran sind mehr als zehn Tage vergangen. Die Angriffe auf die Islamische Republik, bei denen unter anderem Ajatollah Ali Chamenei und über 1.000 weitere Menschen ums Leben kamen, wurden von den iranischen Sicherheitskräften umgehend beantwortet.

Als Vergeltungsmaßnahme für die Attacken auf sein Hoheitsgebiet hat der Iran die Straße von Hormus praktisch blockiert – eine der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten. Über sie werden mehr als 30 Prozent des globalen Rohölhandels und 20 Prozent der Flüssiggas-Exporte (LNG) abgewickelt. Diese Blockade hat erhebliche Auswirkungen auf die weltweite Energieversorgung. Allein in der vergangenen Woche verzeichnete der internationale Brent-Ölpreis starke Schwankungen und deutliche Steigerungen.

Viele asiatische Länder sind auf importiertes Öl und Gas aus den Golfstaaten angewiesen. Diese sehen sich nun aufgrund der Sperrung der Straße von Hormus mit massiven logistischen Herausforderungen beim Export konfrontiert. Katar, einer der weltgrößten Exporteure von Erdgas, kündigte zudem an, seine Produktion aufgrund des Krieges einzustellen.

Angesichts dieser Turbulenzen auf den Energiemärkten sehen sich asiatische Regierungen gezwungen, Notfallmaßnahmen zu ergreifen, um die drohende Energieknappheit und den rapiden Anstieg der globalen Rohölpreise abzufedern.

Indien: Preisexplosion und Rationierung

Am 7. März kündigte die indische Regierung eine Preiserhöhung für Kochgas um 60 Rupien pro Flasche (umgerechnet mehr als einen halben US-Dollar) an und führte den Krieg als Begründung an. Das Ministerium für Erdöl und Erdgas erließ am 9. März zudem eine Rationierungsverordnung, die die Versorgung mit LPG-Flaschen für systemrelevante Dienstleistungen priorisiert. Obwohl die Regierung zunächst erklärt hatte, über Reserven für mehrere Wochen zu verfügen, mehren sich Berichte über Engpässe bei Kochgas, die bereits zur Schließung von Restaurants in verschiedenen Städten führen.

Die Ölpreise, die vor dem 28. Februar noch bei etwa 60 US-Dollar pro Barrel lagen, haben sich am Montag nahezu verdoppelt und nähern sich der Marke von 120 US-Dollar.

Bislang hat die indische Regierung eine Erhöhung der Kraftstoffpreise für Endverbraucher ausgeschlossen. Experten spekulieren jedoch, dass sie diesen Kurs in den kommenden Tagen ändern könnte.

Linke Parteien in Indien machen die Regierungspolitik allein für die Energiekrise verantwortlich. Ihrer Ansicht nach hat sie es versäumt, die Folgen des Krieges korrekt einzuschätzen und rechtzeitig angemessen zu reagieren.

Die Viertagewoche als Notlösung

Die pakistanische Regierung erhöhte letzte Woche die Kraftstoffpreise um 20 Prozent – die größte einmalige Preiserhöhung dieser Art in der Geschichte des Landes.

Am Montag kündigte Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif für den öffentlichen Sektor eine Viertagewoche sowie eine landesweite zweiwöchige Schulschließung an, um den Verbrauch von Energieprodukten zu minimieren. Er forderte die Provinzregierungen auf, zusätzliche kraftstoffsparende Maßnahmen umzusetzen. Das Land müsse die vorhandenen Reserven “umsichtig” nutzen, da die Ölpreise auf dem internationalen Markt in den kommenden Tagen weiter steigen könnten, so Sharif.

Auch auf den Philippinen kündigte die Regierung unter Bongbong Marcos Jr. die Einführung einer Viertagewoche für Beschäftigte im öffentlichen Dienst an, um den Energieverbrauch angesichts des Krieges und der explodierenden Kraftstoffpreise zu senken.

Vietnam rief die Bevölkerung dazu auf, auf unnötige Autofahrten zu verzichten und vermehrt von zu Hause aus zu arbeiten.

Proteste halten an

Während die Regierungen in Asien mit den Folgen von Energieknappheit und Preissteigerungen kämpfen, gehen die Proteste gegen den Krieg unvermindert weiter.

In Indien wurden im Laufe der Woche mehrere Antikriegsdemonstrationen organisiert. Die Demonstranten kritisierten dabei das Versäumnis der Regierung unter Premierminister Narendra Modi, den Krieg offiziell zu verurteilen.

Bisher hat sich die indische Regierung geweigert, die Angriffe auf die Islamische Republik zu verurteilen. Dies, obwohl das Land historische Beziehungen zum Iran pflegt und Millionen indischer Bürger in arabischen Ländern die Kriegsfolgen unmittelbar zu spüren bekommen. Neu-Delhi brachte lediglich seine Besorgnis über die Situation zum Ausdruck.

Bei einer großen Versammlung in Ernakulam, Kerala, am Sonntag bezeichnete der Chief Minister dieses südindischen Bundesstaates, Pinarayi Vijayan, die USA und Israel als “Schurkenstaaten”, die Chaos und Zerstörung in der Region anrichteten. Er forderte die indische Regierung auf, die Aggression der USA und Israels gegen den Iran zu verurteilen und eine klare Anti-Kriegs-Haltung einzunehmen.

Auch die indischen Bauernverbände organisierten im Laufe der Woche landesweit Anti-Kriegs-Proteste.

Seit Kriegsbeginn gingen tausende Menschen in Jammu und Kaschmir im Norden Indiens auf die Straße, um ihre Unterstützung und Solidarität mit dem iranischen Volk zu bekunden.

M. A. Baby, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Indiens (Marxisten), hatte zuvor gefordert, Indien solle “eine führende Rolle dabei übernehmen, alle demokratischen Stimmen zusammenzubringen, damit es zu einem Ende der gewaltsamen Angriffe und Gegenmaßnahmen kommt”, anstatt zu den wiederholten Verstößen der USA und Israels gegen das Völkerrecht zu schweigen.

Oppositionsparteien und zivilgesellschaftliche Gruppen im Land werfen der Regierung Modi vor, die Interessen des Landes an die USA “preisgegeben” zu haben, indem sie die antiimperialistischen Prinzipien aufgegeben habe, die jahrzehntelang die Grundlage der indischen Außenpolitik bildeten.

Ihre Kritik richtet sich auch gegen das Verhalten der Regierung nach den US-Angriffen auf ein iranisches Schiff im Indischen Ozean am 4. März, bei denen über 100 Menschen getötet wurden. Die IRIS Dena wurde in der Nähe der indischen Seegrenzen angegriffen, als sie sich auf der Rückreise von einer Marineübung in Indien befand, zu der sie offiziell eingeladen worden war.

Forderungen in der gesamten Region

Die Regierung von Shehbaz Sharif in Pakistan hat die Aggression der USA und Israels gegen den Iran zwar verurteilt, doch die Opposition fordert eine wesentlich entschiedenere Haltung. Mehrere linke Gruppen, darunter die Haqooq-e-Khalq-Partei (HKP), die Awami Workers Party (AWP) und die Tehreek-e-Tahafuz-e-Ayin-e-Pakistan (Bewegung zur Rettung der pakistanischen Verfassung) sowie die breitere Oppositionspartei Pakistan Tehreek-e-Insaf (PTI) organisieren Proteste und Versammlungen. Sie fordern von ihrer Regierung, jegliche Zusammenarbeit mit den USA und Präsident Donald Trump einzustellen.

In ähnlicher Weise organisieren linke und progressive Kräfte in Ländern wie Malaysia, den Philippinen und Südkorea Proteste gegen den Iran-Krieg und fordern ein sofortiges Ende aller Feindseligkeiten. Sie rufen ihre jeweiligen Regierungen außerdem dazu auf, sich aktiv für Frieden und Stabilität in der Region einzusetzen.

Aus dem Englischen übersetzt von Olga Espí­n.

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Die geopolitischen Spannungen und die daraus resultierende Energiekrise haben unmittelbare wirtschaftliche und soziale Folgen für die gesamte Region. Die beschriebenen Notmaßnahmen der asiatischen Staaten – von Preiskontrollen über Rationierungen bis hin zu verkürzten Arbeitswochen – sind Zeichen einer akuten Notsituation. Sie verdeutlichen die extreme Abhängigkeit vieler Volkswirtschaften von stabilen Energieimporten aus dem Persischen Golf.

Gleichzeitig zeigt die anhaltende Protestwelle, dass die Bevölkerung die politischen Implikationen des Konflikts sehr genau verfolgt. Die Kritik an Regierungen, die eine vermeintlich zu zögerliche oder ambivalente Haltung einnehmen, wird lauter. Die Forderung nach einer prinzipienfesten, friedensorientierten Außenpolitik, die sich gegen militärische Aggression stellt, verbindet dabei linke und progressive Bewegungen über Ländergrenzen hinweg.

Die Blockade der Straße von Hormus bleibt derzeit der kritischste wirtschaftliche Faktor. Sollte sie länger andauern, drohen nicht nur weiter steigende Energiepreise, sondern auch Lieferengpässe, die die industrielle Produktion und letztlich die globale Konjunktur belasten könnten. Die kommenden Tage werden zeigen, ob diplomatische Initiativen eine Deeskalation erreichen können oder ob sich die Spirale aus Vergeltung und Gegenmaßnahmen weiterdreht – mit unabsehbaren Konsequenzen für die Weltwirtschaft und die Stabilität im Nahen und Fernen Osten.

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