Der nationale Energieversorger Kubas, La Unión Eléctrica, hat heute einen landesweiten, vollständigen Stromausfall gemeldet.
Bereits am Samstag waren neun Wasserkraftwerke ausgefallen. Heute hielt das Stromnetz der Belastung nicht mehr stand. Laut Angaben des Unternehmens führte der Zusammenbruch jedoch zu keinen Schäden an den Kraftwerken selbst. Zuletzt deckte die verfügbare Strommenge nur noch etwa ein Drittel des tatsächlichen Bedarfs.
Die Energiekrise auf der Karibikinsel verschärft sich seit Monaten. Auslöser sind US-Sanktionen, die nicht nur die Öllieferungen aus Venezuela blockieren, sondern auch andere Staaten davon abhalten, Kuba mit Treibstoff zu versorgen. Das erklärte Ziel der USA ist es, eine regierungsfreundliche Administration in Havanna zu installieren.
Mexiko hatte zuletzt mit Marineschiffen humanitäre Güter geliefert, konnte das grundlegende Problem der Ölversorgung aber nicht lösen. Die Treibstoffknappheit wirkt sich bereits verheerend aus: Die Landwirtschaft und Industrieproduktion leiden, das einst vorbildliche Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps. Auch der Tourismus, eine wichtige Devisenquelle der letzten Jahrzehnte, ist aufgrund des Mangels an Flugbenzin seit über einem Monat massiv eingebrochen.
Die Stromgesellschaft kündigte an, das Netz so schnell wie möglich wiederherstellen zu wollen. Nach einem derartigen Totalausfall ist dies jedoch eine äußerst komplexe Aufgabe, zumal die strukturellen Probleme – der chronische Mangel an Brennstoffen und die Überalterung der Infrastruktur – ungelöst bleiben.
Bereits am Freitag hatte Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel erklärt, die Insel habe seit drei Monaten keine Öllieferungen mehr erhalten. Am Samstag kam es in der Stadt Morón aufgrund der prekären Stromversorgung zu Protesten, die in westlichen Medien als potenzielle Gefahr für die Regierung gewertet wurden. Präsident Díaz-Canel konterte auf der Plattform X:
“Das Unbehagen, das die anhaltenden Stromausfälle bei unserer Bevölkerung hervorrufen, ist verständlich, da es eine Folge der US-Energieblockade ist, die sich in den letzten Monaten auf grausame Weise verstärkt hat.”
Ende Januar hatte ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages die extraterritorialen US-Sanktionen gegen Kuba als völkerrechtswidrig eingestuft. Die Bundesregierung hat sich bislang dennoch nicht öffentlich gegen die aktuelle Blockade der Insel ausgesprochen.
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