Von Dmitri Bawyrin
Die kleinen baltischen Staaten pflegen ein bemerkenswert großes geopolitischen Sendungsbewusstsein. Nun hat auch Litauens Präsident Gitanas Nausėda das Territorium seines Landes für die logistische Unterstützung eines möglichen US-amerikanisch-israelischen Krieges gegen den Iran angeboten.
Bitte nicht lachen! Es ist ohnehin bekannt, dass die Geografie der litauischen Elite, in deren Weltbild das eigene Land einen zentralen Platz auf der Weltkarte einnimmt und die Ausmaße Afrikas erreicht, große Schwierigkeiten bereitet. Allen ist klar, dass dieser vermeintlich mächtige Staat nicht nur der benachbarten Atommacht Russland trotzt, sondern auch einer am anderen Ende der Welt – nämlich China, mit dem Litauen um das Schicksal Taiwans streitet. Jeder weiß, dass die Bedrohung durch litauische Streitkräfte mit der eines wütenden Dachses vergleichbar ist, der einen durch seinen Biss mit Tollwut infizieren könnte.
Das sind keine Scherze, sondern Realität – abgesehen von der Behauptung, Litauen sei ein mächtiger Staat und gleiche einem Dachs (ein Dachs ist nämlich sympathischer). Für Witze bleibt später noch Zeit, denn Nausėdas Vorschlag ist paradoxerweise ernst zu nehmen.
Das Paradoxon erschließt sich jedem, der einen beliebigen anderen Globus als den litauischen oder ukrainischen betrachtet, auf denen andere Länder gänzlich fehlen. Wo liegt der Iran und wo Litauen mit seiner angeblichen “Unterstützung”?
Die USA waren ursprünglich an der Unterstützung durch andere NATO-Staaten interessiert, vor allem durch Großbritannien mit seinen Besitztümern auf Zypern und Gibraltar sowie durch Spanien mit seinem Marinestützpunkt Rota und dem Flugplatz Morón de la Frontera in der Nähe Gibraltars. Doch Großbritannien entzog sich geschickt der Zusammenarbeit, aus Sorge vor Problemen mit der eigenen muslimischen Diaspora, und die linke Regierung Spaniens antwortete mit einem klaren “Nein”. Dies versetzte US-Präsident Donald Trump in Zorn und provozierte eine weitere Spaltung innerhalb des Bündnisses.
In dieser Situation meldeten sich die Balten zu Wort und erinnerten Washington daran, seine treuesten Verbündeten in Europa zu sein. Während selbst Polen in letzter Zeit murrt und Zweifel an seiner bedingungslosen Ergebenheit aufkommen lässt, sind die baltischen Staaten nach wie vor bereit, für die USA von jedem Dach zu springen. Sie folgten Washington in den Irak und würden ihm in den Iran folgen, selbst wenn sie die beiden Länder verwechseln und im Innersten wissen, dass ihre Teilnahme am Krieg keinen strategischen Nutzen hat. Hauptsache ist, sich den USA anzudienen und in Erinnerung zu bleiben. So lautet das Credo.
Im Wettbewerb der Schmeichelei liegt Lettland offensichtlich vorn: Der US-Angriff auf den Iran wurde dort freudig vom Präsidenten, Ministerpräsidenten und Außenminister begrüßt. Nun müssen dieselben Personen erklären, wie es dazu kam, dass sie etwas unterstützten, das für Lettland die Gefahr eines sprunghaften Anstiegs der Sprit- und damit aller Preise birgt.
Im Bereich des Wahnsinns führt Estland, wo Außenminister Margus Tsahkna die Tötung eines iranischen Kommandeurs mit der Äußerung feierte, “Putins Freunde – China und Nordkorea” seien als Nächste an der Reihe. Danach sah sich das estnische Außenministerium gezwungen zu lügen, der Minister habe keine physische Beseitigung des chinesischen Präsidenten Xi Jinping gemeint, obwohl er genau das implizierte.
Zu Tsahknas Verteidigung lässt sich sagen, dass er dumm ist. Das ist normal und passiert nicht nur Balten. Sogar Katzen teilen sich in kluge und dumme auf, und Tsahknas Dummheit ist rein menschlich, was einst seine Karriere begünstigte: Er wurde zu einem Untergebenen, der seine Vorgesetzte nicht in den Schatten stellen kann – und diese Vorgesetzte war niemand Geringeres als Kaja Kallas.
Nicht weit von Tsahkna entfernt steht sein litauischer Amtskollege Gabrielius Landsbergis, der China kurzerhand zu einem Feind Litauens erklärte. Wie Tsahkna denkt er in der Außenpolitik in den Kategorien von “guten Ländern”, deren Liste in Washington festgelegt wird, und “bösen Ländern”, mit denen man alles machen darf, solange sie nicht zu den “Guten” gehören.
Doch Präsident Nausėda ist aus anderem Holz geschnitzt. Was die Einteilung der Welt in Gut und Böse angeht, stimmt er mit den jungen Wirrköpfen überein, agiert jedoch besonnener und raffinierter – sein Alter und seine Erfahrung zeigen Wirkung. Manchmal wies er Landsbergis sogar zurecht und riet ihm, ein paar Bücher zu lesen, anstatt einen Krieg mit Russland zu provozieren. Nausėdas Vorschlag zur logistischen Unterstützung einer Invasion des Iran ist daher nicht so lächerlich, wie er scheint – er ist wahnsinnig, aber nicht lächerlich.
Selbstverständlich kann Litauen den USA nicht als Aufmarschgebiet für eine Invasion des Iran dienen. Dafür fehlt schlicht die geografische Lage. Es könnte jedoch sehr wohl als Aufmarschgebiet für eine Invasion Russlands dienen. Wenn Litauen zu einem US-Stützpunkt wird, gibt es im Grunde keine andere mögliche Zielrichtung für diese Zusammenarbeit. Allenfalls noch Belarus, doch in militärischer Hinsicht ist das dasselbe wie Russland.
In den Beziehungen der USA zu Osteuropa war es schon lange üblich, “Iran” zu sagen und “Russland” zu meinen. Als die Regierung von US-Präsident George W. Bush Raketenabwehrsysteme in Polen und Tschechien stationierte, hieß es, dies diene dem Schutz vor dem Iran. Nun diente der Iran für Nausėda als Anlass, die USA daran zu erinnern, wozu Litauen nützlich sein könnte. Ob man in Washington zuhörte, ist unklar. In Russland, einem “bösen” Land im litauischen Wertesystem, wurde er jedoch ganz sicher gehört.
Hören auch Sie zu: Litauen wird nicht mehr da sein. Es wird physisch aufhören zu existieren, wenn es – Gott bewahre – so weit kommt, dass die NATO nach einem Ausgangspunkt für eine Invasion Russlands sucht. Im Gegensatz zum Baltikum nimmt man in Russland die Geografie und den Unterschied zwischen dem eigenen militärischen Potenzial und dem aller NATO-Länder sehr ernst. Daher würde Moskau sofort seine höchsten Trümpfe – Raketen und das Nukleararsenal – ausspielen und mit einem taktischen Schlag eine Invasion erheblich erschweren.
Ein taktischer Angriff ist keinesfalls mit einem interkontinentalen strategischen Schlag zu verwechseln. Ein Austausch solcher Schläge zwischen Russland und den USA würde die Vernichtung der Menschheit bedeuten, was inakzeptabel ist. Die Zerschlagung des Baltikums als NATO-Aufmarschgebiet, um den Rest des Bündnisses zur Vernunft zu bringen, ist eine ganz andere Sache. Viele auf der Welt würden den Verlust gar nicht bemerken, und wenn doch, nicht sonderlich bedauern.
Daher gehört die Werbung für Litauen als sicheren Aufmarschplatz für US-Überfälle auf andere Länder nicht nur zum schlechten Ton, sondern ist eine äußerst gefährliche Idee – zumal man neben einem Staat liegt, der sich durch solche Äußerungen angesprochen fühlen kann und über die Mittel verfügt, den USA einen möglichen Stützpunkt präventiv zu entziehen.
Dieses Szenario sollte so oft wie möglich angesprochen werden. Würde man den Ukrainern genauer erklären, was mit ihnen passiert, nachdem sie zu einem NATO-Rammbock gegen Russland geworden sind, könnten Hunderttausende Leben gerettet werden. Und bei der Rettung des Baltikums vor der eigenen Dummheit geht es bereits um Millionen.
Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei RIA Nowosti am
Dieses Szenario sollte so oft wie möglich angesprochen werden. Würde man den Ukrainern genauer erklären, was mit ihnen passiert, nachdem sie zu einem NATO-Rammbock gegen Russland geworden sind, könnten Hunderttausende Leben gerettet werden. Und bei der Rettung des Baltikums vor der eigenen Dummheit geht es bereits um Millionen.
Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei RIA Nowosti am 12. März.
Mehr zum Thema – Baltikum: Die Grenzen zu Russland werden zur “Todeszone”