Mailand: Polizei setzt Wasserwerfer ein – Massenproteste gegen Olympia 2026 eskalieren

Am Samstag gingen in Mailand nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters etwa 10.000 Menschen auf die Straße, um gegen die Olympischen Winterspiele 2026 zu protestieren. Die Demonstration richtete sich gegen die erwarteten Mietsteigerungen für die Bewohner der norditalienischen Austragungsorte sowie gegen befürchtete Umweltschäden. Organisiert wurde der Protest von Basisgewerkschaften, Initiativen für Wohnrecht und Aktivisten sozialer Zentren.

Ein zentrales Thema der Kundgebung war die wachsende soziale Ungleichheit in der Metropole. Seit der Weltausstellung 2015 erlebe Mailand einen anhaltenden Immobilienboom, der mit den Olympischen Spielen einen weiteren Höhepunkt erreiche – während die ansässige Bevölkerung unter den steigenden Lebenshaltungskosten zunehmend leide, berichtete Reuters.

Viele Teilnehmer kritisierten die für die Spiele errichtete Infrastruktur als Verschwendung öffentlicher Mittel, die zudem die Umwelt in den Bergregionen schädige. Die Agentur zitierte den 71-jährigen Demonstranten Stefano Nutini mit den Worten: “Ich bin hier, weil diese Olympischen Spiele wirtschaftlich, sozial und ökologisch nicht nachhaltig sind.”

An der Spitze des Zuges trugen 50 Personen stilisierte Pappbäume. Sie symbolisierten die Lärchen, die für den Bau einer neuen Bobbahn in Cortina d’Ampezzo gefällt wurden. Ein Transparent der Demonstranten brachte die Kritik auf den Punkt:

“Jahrhundertealte Bäume, Überlebende zweier Kriege … geopfert für 90 Sekunden Wettkampf auf einer Bobbahn, die 124 Millionen [Euro] gekostet hat.”

Mattia Scolari, Sekretär der Basisgewerkschaft CUB Milano, verurteilte zudem die Ausbeutung prekär beschäftigter Arbeiter: “Die Olympischen Spiele als Großveranstaltung basieren auf überflüssigen Bauprojekten und Überbauung und wurden mittels Ausbeutung prekär beschäftigter Arbeitnehmer organisiert. Sie werden daher der Stadt Mailand und insbesondere ihrer Arbeiterklasse nichts Gutes bringen.”

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) betont hingegen die Nachhaltigkeit der Winterspiele in Italien, da weitgehend bestehende Einrichtungen genutzt würden.

Während der Großteil der Demonstration friedlich verlief, warf eine Gruppe von etwa 100 Personen Feuerwerkskörper und Flaschen auf die Polizei. Diese setzte daraufhin Wasserwerfer gegen die abgespaltene, mutmaßlich gewaltbereite Gruppe ein. Laut Polizeiangaben wurden sechs Personen festgenommen.

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete die gewalttätigen Demonstranten als “Feinde Italiens”, wie RaiNews am Sonntag berichtete. Meloni erklärte:

“Tausende und Abertausende Italiener arbeiten in diesen Stunden, damit während der Olympischen Spiele alles reibungslos funktioniert. Sehr viele tun dies ehrenamtlich, weil sie wollen, dass ihr Land eine gute Figur macht, bewundert und respektiert wird. Und dann gibt es sie: die Feinde Italiens und der Italiener, die gegen die Olympischen Spiele demonstrieren und dafür sorgen, dass diese Bilder in den Fernsehsendern der halben Welt landen (…) Meine Solidarität gilt den Sicherheitskräften, der Stadt Mailand und all jenen, deren Arbeit durch diese Banden von Kriminellen zunichtegemacht wird.”

Bereits am Samstag hatte es in Italien nach Sabotageakten am Bahnnetz erhebliche Störungen im Zugverkehr gegeben, so RaiNews. Anschläge auf Oberleitungen bei Bologna und Pesaro wurden gemeldet.

Laut CNN wurde die Großdemonstration von einem “Unsustainable Olympics Committee” (Komitee für nicht nachhaltige Olympische Spiele) organisiert. Diesem Bündnis gehören Basis-Sportvereine, Bürger- und Umweltinitiativen, Studierende, Wohnungsaktivisten, kämpferische Gewerkschaften, propalästinensische Netzwerke und transfeministische Kollektive an.

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