Tödliche Massenpanik in Haiti: 30 Tote bei Konzert

Wie die haitianische Tageszeitung Le Nouvelliste (hinter einer Bezahlschranke) berichtet, strömten am Samstag ungewöhnlich viele Menschen zu traditionellen Feierlichkeiten an die Zitadelle Laferrière im Nordwesten der Karibikinsel Hispaniola. Bei der Veranstaltung in der Gemeinde Milot kam es zu einer Massenpanik. Unter den Teilnehmenden sollen sich auch zahlreiche Schüler und Studierende befunden haben.

Jean Henri Petit, Leiter des Zivilschutzes im Nord-Departement Haitis, erklärte, die Panik sei am Eingang des Gebäudes ausgebrochen. Regenfälle hätten die Situation zusätzlich verschärft. Die Menge habe gegen die Tore gedrängt; einige Menschen seien zu Tode getrampelt oder erstickt. Unter den Opfern sollen auch Zwölfjährige sein.

Die Behörden befürchten, dass die Zahl der Toten noch steigen könnte. Die Identifizierung der Opfer ist noch nicht abgeschlossen. Laut offiziellen Angaben wurde die Massenversammlung über TikTok beworben und fand ohne Genehmigung statt. Menschen hätten sich bereits ab 4:30 Uhr morgens versammelt.

In einer ersten Stellungnahme sprach Premierminister Alix Didier Fils-Aimé im Namen der gesamten Regierung den trauernden Familien sein Beileid und seine Solidarität aus. Er habe mit “tiefer Bestürzung” von dem tragischen Vorfall erfahren. Alle zuständigen Behörden seien in höchster Alarmbereitschaft, um den Betroffenen notwendige Hilfe zu leisten. Die Regierung verfolge die Lage mit größter Aufmerksamkeit und rufe die Bevölkerung zur Ruhe auf.

Gegenüber dem Miami Herald erklärte Fils-Aimé weiter, die Regierung werde das Gesundheitsministerium und die Friedensrichter aktivieren, um auf die Tragödie zu reagieren. Die Armut und politische Instabilität des Landes erschweren die Ermittlungen jedoch erheblich. So könne die genaue Zahl der Toten laut Wesner Joseph, dem Bürgermeister von Milot, noch nicht festgestellt werden, da drei benötigte Friedensrichter sich in Cap-Haïtien aufhielten. Die Gemeinde verfüge über keinen Rettungsdienst und nur ein einziges Polizeifahrzeug für 13 Beamte.

Dem haitianischen Radiosender Radio Télé Patriarche 101.1 FM zugespielte Aufnahmen, deren Echtheit nicht bestätigt ist, zeigen dramatische Szenen während und nach dem Unglück. Ein Video aus dem Inneren der Zitadelle zeigt eine dicht gedrängte, offenbar steckengebliebene Menschenmenge. Man hört panische Schreie. Helfer versuchen, Opfer aus der Menge zu ziehen.

Die Zitadelle Laferrière, ein UNESCO-Weltkulturerbe, ist ein beliebtes Touristenziel und ein nationales Symbol. Die von ehemaligen Sklaven zu Beginn des 19. Jahrhunderts erbaute Bergfestung gilt als größte Festung der westlichen Hemisphäre und steht für den erfolgreichen Unabhängigkeitskampf Haitis gegen die französische Kolonialmacht.

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