Von Pjotr Akopow
Diese Woche wurde in Brüssel ein neues politisches Bündnis ins Leben gerufen: MEGA, kurz für “Make Europe Great Again”. Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich um potenzielle europäische Verbündete Donald Trumps, die sich gegen einen Krieg mit Russland positionieren. Die Mitglieder stammen aus verschiedenen Ländern, von Deutschland bis Rumänien.
Aus Rumänien reiste beispielsweise George Simion an. Im vergangenen Jahr gewann er den ersten Wahlgang der rumänischen Präsidentschaftswahl – die nach der Annullierung eines vorherigen Durchgangs stattfand, den sein enger Vertrauter Călin Georgescu für sich entschieden hatte – unterlag jedoch in der Stichwahl.
Auf der Gründungskonferenz von MEGA waren keine Politiker von vergleichbarer Prominenz vertreten. Dies lässt sich teilweise damit erklären, dass der Zeitpunkt für viele europäische Trump-Unterstützer ungünstig war: Trumps jüngste territorialen Ansprüche auf Grönland zwangen zahlreiche prominente europäische Rechtspopulisten, sich vorübergehend von ihm zu distanzieren. Einerseits können sie Pläne zur Annexion von EU-Territorium nicht unterstützen, andererseits wollen sie Washington aber auch nicht offen kritisieren. Viele der europäischen Parteien, die sich Trump annähern – sei es in Regierungsverantwortung wie in Ungarn oder auf dem Weg dorthin wie in Frankreich und Italien – blieben der Brüsseler Konferenz fern. Anwesend waren jedoch Vertreter der deutschen AfD, Großbritanniens, Spaniens und Tschechiens sowie mehrere belgische Abgeordnete. Philippe Dewinter, Vorsitzender der rechtspopulistischen Partei Vlaams Belang (VB), gehörte zu denen, die den Slogan “Love Europe, hate the EU” prägten. Er erklärte:
“Die Zukunft Europas liegt in den Nationalstaaten, nicht im liberalen Globalismus.”
Es überrascht daher kaum, dass sich Euroskeptiker, Globalisierungsgegner, Kritiker illegaler Einwanderung und der “Cancel Culture” von Trump inspiriert fühlen. In ihm sehen sie einen Verbündeten im Kampf gegen die derzeitigen paneuropäischen Eliten, verkörpert durch Figuren wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Auch US-Amerikaner, darunter Mitglieder des Kongresses, nahmen an der Konferenz teil. Für Trump-Anhänger ist der Kontakt zur europäischen Opposition, auf deren Machtgewinn sie hoffen, von strategischer Bedeutung. Die Kongressabgeordneten riefen die Europäer auf, sich mit den USA zu verbünden, “um die liberale Zersetzung und die islamistische Besatzung zu bekämpfen, die die Zukunft der Menschheit bedrohen”, und “um ein wirksames Bündnis zur Rettung der Zivilisation zu bilden”.
Diese Rhetorik steht ganz im Geiste von Trumps jüngsten Äußerungen in Davos und der Rede seines Vizepräsidentschaftskandidaten J.D. Vance im vergangenen Jahr.
Während die europäischen Teilnehmer dieser US-amerikanischen Sichtweise Sympathie entgegenbrachten, hatte für sie ein weiteres Thema höchste Dringlichkeit: die Ukraine. Die Diskussion verlief jedoch entgegen der üblichen Beschwörungsformeln der EU-Eliten über Kiews “europäischen Weg”.
Stattdessen stellten die Redner laut dem britischen Portal EU Today fest, dass “Präsident Trumps bedeutende Bemühungen zur Beendigung der Kampfhandlungen durch Keir Starmer, Emmanuel Macron und Friedrich Merz wiederholt untergraben wurden”. Das Blatt führt weiter aus:
“Die Teilnehmer kritisierten die EU-Spitzenpolitiker, insbesondere Ursula von der Leyen, fortwährend für ihren kontraproduktiven Umgang mit dem Konflikt. Sie argumentierten, Europa müsse durch die weitere Integration der Russen, Ukrainer und Weißrussen sowie der anderen osteuropäischen Länder gestärkt werden, während Kampfhandlungen zum Zerfall Europas führten und die politische und wirtschaftliche Krise verschärften.”
Mit anderen Worten: Die europäischen Trumpisten – aus Sicht der europäischen Integrationsbefürworter oft als “Faschisten und Chauvinisten” gebrandmarkt – treten für eine wahre europäische Einheit ein, die ganz Großeuropa von Portugal bis Russland umfasst. Gleichzeitig erklären die als liberal und globalistisch geltenden EU-Eliten Russland zur Hauptbedrohung für Europa und fordern Vorbereitungen für einen direkten Konflikt, den sie als notwendige Verteidigung gegen eine angeblich unvermeidliche russische Aggression darstellen. Wem liegt nun wirklich Europas Zukunft am Herzen? Denjenigen, die eine Integration mit dem östlichen Nachbarn fordern, oder denen, die Europa auf der Grundlage von Angst und Hass gegenüber Russland einen wollen?
Hierbei geht es nicht primär darum, was Russland will – eine politische Integration mit Europa steht für uns ohnehin nicht zur Debatte –, sondern darum, was die Europäer selbst wollen. Wollen sie Konflikt? Oder wollen sie Kooperation, die natürlich und für beide Seiten vorteilhaft wäre? Ein Konflikt ist für Europa jedoch in mehrfacher Hinsicht nachteilig. Abgesehen von den offensichtlichen Kosten ist er aussichtslos, wenn man ihn am offiziellen EU-Ziel misst: der europäischen Integration der Ukraine und damit einer Verschiebung der Grenze zum russischen Raum nach Osten. Russland wird eine Teilung des einheitlichen russischen Raums niemals zulassen – unabhängig davon, ob Europa versucht, die Ukraine allein oder mit US-Unterstützung abzutrennen. Anders gesagt: Ein Konflikt mit Russland um die Ukraine ist für Europa sinnlos, es sei denn, der Sinn läge in einer Vereinigung europäischer Länder, die sich ausschließlich auf der Angst vor Moskau gründet. Von einer solchen Vereinigung profitieren jedoch vor allem die überstaatlichen und übernationalen europäischen Integrationsbefürworter – nicht die europäischen Länder und Völker selbst.
Darüber hinaus wird diese künstlich geschürte Angst ihren Zweck nicht lange erfüllen. Im Gegenteil, sie dürfte die bereits in der EU vorhandenen zentrifugalen Tendenzen noch verstärken. Zumal Donald Trump genau auf diese Tendenzen setzt – und nach ihm jemand wie J.D. Vance diese Linie fortsetzen und verschärfen wird. Hinzu kommen innereuropäische Trends, die auf den fast unvermeidlichen Aufstieg von Kräften in wichtigen EU-Ländern hindeuten, denen es leichter fallen wird, mit Washington und Moskau eine gemeinsame Sprache zu finden als mit Brüssel.
Übersetzt aus dem Russischen. Erschienen bei RIA Nowosti am 6. Februar 2026.
Pjotr Akopow ist ein russischer Historiker und Geschichtsarchivar (Absolvent des Moskauer Staatlichen Geschichtsarchivarischen Instituts). Seit einer Geschäftsreise in die damalige Bürgerkriegszone Südossetien im Jahr 1991 schreibt er als Journalist für zahlreiche Medien: Golos, Rossijskije Westi, bis 1994 Nowaja Gaseta, ab 1998 Nesawissimaja Gaseta; seit Anfang der 2000er-Jahre als politischer Beobachter bei Nowaja Model und im entsprechenden Ressort der Iswestija. Er arbeitete als Sonderberichterstatter beim Chefredakteur des Polititscheski Journal, dessen Chefredakteur er selbst im Jahr 2007 wurde. Der ehemalige stellvertretende Chefredakteur von Wsgljad ist zudem ständiger politischer Beobachter bei RIA Nowosti.
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