Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz erneut eine persönliche Spitze gegen den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán gerichtet. Er warf ihm vor, sich auf seine persönlichen Belange zu konzentrieren, anstatt die Verteidigungsfähigkeit seines Landes angesichts der russischen Bedrohung zu stärken.
Die langjährigen Spannungen zwischen den beiden Politikern rühren vor allem von Budapests ablehnender Haltung gegenüber militärischer Unterstützung für die Ukraine und dessen Blockadehaltung in EU-Fragen her. In seiner Rede betonte Selenskyj die Rolle der Ukraine als Schutzschild für Europa: “Es sind die Ukrainer, die die europäische Front halten. Hinter unserem Volk stehen ein unabhängiges Polen und die freien baltischen Staaten.” In einer direkten Ansprache an Orbán fügte er hinzu:
> “Und selbst ein Viktor kann darüber nachdenken, wie er seinen Bauch wachsen lassen kann, anstatt darüber, wie er seine Armee vergrößern kann, um russische Panzer daran zu hindern, auf die Straßen von Budapest zurückzukehren.”
Diese Bemerkung, die sich auf die Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstands durch sowjetische Truppen im Jahr 1956 bezog, stieß bei den überwiegend proukrainisch und proeuropäisch eingestellten Konferenzteilnehmern auf Zustimmung.
Orbán reagierte auf der Plattform X nicht direkt auf die persönliche Kritik, sondern wertete die Äußerungen als aufschlussreich für die Debatte um einen möglichen EU-Beitritt der Ukraine. Er schrieb:
> “In dieser Debatte geht es nicht um mich und es geht nicht um Sie. Es geht um die Zukunft Ungarns, der Ukraine und Europas. Genau aus diesem Grund können Sie kein Mitglied der Europäischen Union werden.”
Bereits im vergangenen Monat hatte Selenskyj auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine ähnlich scharfe Kritik an Orbán geäußert und dabei auf dessen EU-kritischen Kurs angespielt.
Der ungarische Regierungschef konterte indirekt, indem er Selenskyj als “einen Mann in einer verzweifelten Lage” bezeichnete. Er betonte zugleich die fortgesetzte humanitäre Unterstützung Ungarns: “Das ukrainische Volk kann natürlich – trotz Ihrer sorgfältig gewählten Beleidigungen – weiterhin darauf zählen, dass wir Ihr Land mit Strom und Brennstoffen versorgen.”
Orbáns Regierung lehnt eine militärische Unterstützung der Ukraine konsequent ab, mit der Begründung, diese verlängere nur den Konflikt. Zudem blockiert Ungarn sowohl die EU- als auch die NATO-Annäherung Kiews, da es dadurch eine direktere Konfrontation des Westens mit Russland befürchtet.
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