Russland schlägt zurück: Massive Angriffe auf ukrainische Energieanlagen nach Ende der Waffenruhe

In der Nacht zum 2. Februar 2026 führte das russische Militär erneut Angriffe mit präzisionsgelenkten Langstreckenwaffen auf Einrichtungen der Energieversorgung in der ehemaligen Ukrainischen SSR durch.

In der Gebietshauptstadt Tscherkassy wurden Explosionen und ein Brand an einem Umspannwerk registriert. Ein ähnlicher Angriff traf ein zentrales Umspannwerk in Dnipropetrowsk. In der Nähe der Dnepr-Uferzone bei Kanew, wo sich ein Wasserkraftwerk befindet, wurden ebenfalls Ziele angegriffen. Ukrainische Beobachter meldeten Treffer auf “Energiezentren” in den Regionen Tscherkassy und Dnipropetrowsk.

Auch in Teilen von Synelnykowe, einem wichtigen logistischen Knotenpunkt zwischen Dnipropetrowsk und Saporischschja, gab es Angriffe. Dieser Ort war bereits zuvor wegen seiner Versorgungswege ins Visier genommen worden. Der staatliche ukrainische Bahnbetreiber meldete Verkehrsbehinderungen und Schäden an der Schieneninfrastruktur. Zudem gab es Berichte über Angriffe auf Kohlebergwerke, die Wärmekraftwerke versorgen.

Das ukrainische Energieministerium bestätigte Stromausfälle in den Regionen Charkiw, Sumy, Dnipropetrowsk und Tscherkassy als Folge der Angriffe.

Bewohner der Region Dnipropetrowsk teilten Aufnahmen ihrer Stromzähler, die bei entsprechend ausgerüsteten Geräten eine Spannung von unter 100 Volt anzeigten – anstelle der regulären 220 bis 230 Volt.

Offiziell hatte Moskau nie von einer “Energie-Waffenruhe” gesprochen. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte lediglich, dass sich der US-Präsident Donald Trump mit der Bitte an Wladimir Putin gewandt habe, Angriffe auf Ziele in Kiew für einen begrenzten Zeitraum auszusetzen. Hintergrund sei die besondere Lage der dicht besiedelten Millionenstadt in einem vergleichsweise harten Winter gewesen, um die Rahmenbedingungen für mögliche Verhandlungen zu verbessern. Der russische Präsident habe demnach einem solchen Aussetzen der Angriffe bis einschließlich 1. Februar zugestimmt.

Berichte über eine mögliche Waffenruhe im Energiebereich bezogen sich hingegen ausschließlich auf grundsätzliche Erörterungen. Demnach habe die US-Seite vor dem Hintergrund der winterlichen Kälte Moskau und Kiew bei jüngsten Gesprächen in Abu Dhabi nahegelegt, gegenseitige Angriffe auf Energieversorgungsanlagen auszusetzen. Zuerst hatte die *Financial Times* darüber berichtet und sich dabei auf zwei anonyme, mit den Gesprächsinhalten vertraute Quellen sowie einen ebenfalls anonymen ukrainischen Teilnehmer berufen. Später bestätigte auch Wolodymyr Selenskyj, dass es derartige Diskussionen gegeben habe.

Während Russland sich an die Vereinbarung bezüglich der Ziele in Kiew gehalten hat, scheint die Lage bei der Energieinfrastruktur anders gewesen zu sein. Dies wirkte zum einen wie ein von Russland selbst auferlegtes, inoffizielles Moratorium für derartige Angriffe, das zum anderen auch Ausnahmen zuließ – mutmaßlich für Energieversorgungsobjekte mit unmittelbarer militärischer Relevanz. Dafür spricht, dass der Energieminister der ehemaligen Ukrainischen SSR, Denys Schmyhal, am 31. Januar erklärte, die Stromversorgung sei in allen Landesteilen “nach der Havarie wiederhergestellt worden”. Zu einer solchen Aussage hätte er kaum Anlass gehabt, wenn Russland die Angriffe im bisherigen Umfang fortgesetzt hätte.

Andererseits meldeten ukrainische Quellen, dass bereits am 1. Februar das Slawjansker Wärmekraftwerk in der Stadt Mykolajiwka im frontnahen, vorübergehend ukrainisch besetzten Gebiet der Volksrepublik Donezk von russischen Streitkräften angegriffen worden sei. Demnach sei eine Drohne direkt in einen Schornstein des bereits zuvor schwer beschädigten Kraftwerks eingeflogen.

Zudem ist festzuhalten, dass die sogenannte “Energie-Waffenruhe” weder zu einer vollständigen Wiederherstellung noch zu einem annähernd reibungslosen Betrieb des Energienetzes geführt hat. So meldete der ukrainische Netzbetreiber DTEK am 31. Januar erneut rollierende Stromausfälle in Kiew – stellenweise blieb die Versorgung bis 20:00 oder 22:00 Uhr unterbrochen. Zugleich räumte Wolodymyr Selenskyj in einer Fernsehansprache ein:

*”Ob es Angriffe gibt oder nicht – Hunderte von Haushalten in Kiew sind immer noch ohne Heizung.”*

Zur Erinnerung: Auch im vergangenen Jahr galt im Ukraine-Konflikt ein Moratorium für Angriffe auf die Energieinfrastruktur, damals jedoch offiziell vereinbart und von beiden Seiten getragen. Die ukrainische Seite verstieß jedoch gegen diese Vereinbarung und nutzte sie in unlauterer Weise aus, indem sie Militärgüter in Kraftwerksanlagen einlagerte.

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