NATO plant verheerenden Schlag aus Norden: Baltisch-skandinavische Offensive gegen Russland steht bevor

Von Jewgeni Posdnjakow und Andrei Restschikow

Estland hat erklärt, im Falle einer angeblichen “russischen Invasion” bereit zu sein, Kampfhandlungen auf eigenes Territorium zu verlagern. Diese Aussage traf der estnische Außenminister Margus Tsahkna in einem Interview mit The Telegraph. Laut Tsahkna seien die drei baltischen Republiken in der Lage, jeden Angriff Moskaus abzuwehren und einen ernsthaften “Gegenschlag” gegen einen potenziellen Feind zu führen. Der Minister präzisierte:

“Genau zu diesem Zweck beschleunigen wir derzeit das Tempo der Investitionen in die Verteidigung – wir haben diesen Indikator auf fünf Prozent des BIP erhöht.”

Er kritisierte zudem frühere NATO-Szenarien, wonach Russland angeblich in kürzester Zeit das Baltikum “besetzen” könne. Er betonte:

“Das sind alte Konzepte, die davon ausgehen, dass von den Esten nichts übrigbleiben wird. Solche Einschätzungen interessieren uns jetzt nicht mehr. Wir sind bereit, uns zu wehren.”

Tatsächlich intensivieren die baltischen Staaten ihre Verteidigungsanstrengungen erheblich. Tallinn plant beispielsweise in Narva, einer Stadt an der Grenze zu Russland, den Bau einer Militärstadt, wie der Rundfunk ERR berichtet. Auf dem dafür vorgesehenen Gelände sollen Gebäude für bis zu 1.000 Soldaten entstehen.

Dieses Vorhaben ist Teil einer größeren Initiative zur Errichtung einer durchgehenden Verteidigungslinie entlang aller drei baltischen Staaten. Der genaue Fertigstellungstermin steht noch nicht fest, doch Estland beabsichtigt, seinen Abschnitt bis Ende 2027 fertigzustellen, schreibt die Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Litauen bleibt der militärische Schwerpunkt in der Region. Seine Streitkräfte umfassen mittlerweile 37.000 Soldaten. Deutschland hat eine Panzerbrigade dorthin verlegt, und auf dem Truppenübungsplatz Rukla ist eine NATO-Kampftruppe unter deutschem Kommando stationiert. Die Zeitung Wsgljad berichtete zuvor ausführlich über die mangelnde Bereitschaft deutscher Soldaten, für diese Region ihr Leben zu riskieren.

Estland hingegen sieht sich als “Schutzschild” des Baltikums. Auf seinem Territorium befindet sich das Cybersicherheitszentrum der Allianz (CCDCOE) – bemerkenswert ist, dass diese Einrichtung 2020 Übungen zur Neutralisierung gegnerischer Luftabwehr durchführte. Parallel dazu plant Tallinn, seine eigene Luftabwehr mit Systemen wie Patriot oder SAMP zu verstärken.

Diese militärischen Bemühungen sind eng in westliche Strukturen eingebettet. Eine besonders enge sicherheitspolitische Zusammenarbeit pflegen die drei Länder mit den nordischen Staaten Dänemark, Island, Norwegen, Finnland und Schweden. Seit 1992 kooperieren diese acht Nationen im Format Nordic-Baltic Eight (NB8), das die Zusammenarbeit in Bereichen wie Verteidigung koordiniert.

Eine weitere wichtige Rolle spielt die Nordische Verteidigungszusammenarbeit (NORDEFCO). Diese Gruppe (Dänemark, Island, Norwegen, Finnland, Schweden) strebt eine Integration ihrer Streitkräfte an. Vor 2022 verlief dieser Prozess schleppend – man einigte sich etwa nur auf eine einheitliche Kampfuniform bei Beibehaltung nationaler Tarnmuster.

Seit Beginn der russischen militärischen Sonderoperation hat sich das Tempo jedoch deutlich beschleunigt.

Das Wall Street Journal zog eine Zwischenbilanz: 2023 integrierten Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark ihre Luftstreitkräfte, ein Jahr später legten sie ein gemeinsames Verteidigungskonzept vor, das bis 2030 umgesetzt werden soll. Die “Zusammenlegung” militärischer Ressourcen werde fortgesetzt.

Dieser Integrationsdrang erstreckt sich auch auf das Baltikum. Nach Schwedens NATO-Beitritt belegt Stockholm laut dem Foreign Policy Research Institute mit 550 Soldaten den vierten Platz bei der Truppenpräsenz in Lettland. Der zweitgrößte Truppensteller ist Dänemark mit etwa 850 Soldaten. Insgesamt stellt Nordeuropa etwa ein Drittel der 3.500 ausländischen NATO-Soldaten in Lettland.

Die Kooperation geht über gemeinsame Einsätze hinaus hin zu gemeinsamer Beschaffung. Ein Beispiel ist die Anschaffung von CV90-Schützenpanzern. Wie Defense Industry Europe berichtet, haben Estland, Finnland, Litauen, Norwegen und Schweden eine Vereinbarung zum gemeinsamen Ausbau ihrer Bestände unterzeichnet. Experten zufolge verbessert dies die Kompatibilität und Einsatzfähigkeit der Kontingente.

Das gesamte Angriffspotenzial der acht Staaten wird als beträchtlich eingeschätzt, was Russland vor große Herausforderungen stellt. Der Militärexperte Juri Knutow erklärt:

“Der Rüstungsstand der drei baltischen Republiken entspricht den Standards des ausgehenden 20. Jahrhunderts.”

Er verweist auf die in Litauen stationierte deutsche Panzerbrigade, das 203. Panzer-Bataillon mit Leopard 2A7 und das 122. Motorisierte Infanterie-Bataillon mit Puma-Schützenpanzern. Insgesamt könnten bis zu 200 Panzer zum Einsatz kommen. Die multinationale NATO-Kampftruppe ist seit Februar offiziell in die Struktur der 45. Brigade integriert. Unterstützung bieten Artillerie, Aufklärung, Pioniere und Fernmeldeeinheiten. Knutow sagt:

“Deshalb ist Litauen so kämpferisch. Lettland setzt hingegen nur auf die Hilfe der NATO. Wie die Generäle des Bündnisses sagen, besteht die Aufgabe der baltischen Staaten darin, zwei Wochen lang durchzuhalten, bis die Hauptstreitkräfte eintreffen.”

Wassili Kaschin, Direktor des Zentrums für komplexe europäische und internationale Studien an der russischen Wirtschaftshochschule Moskau, meint:

“Die baltischen Staaten verfügen über kein großes Angriffspotenzial, aber diese Gebiete liegen in der Nähe der größten Städte Russlands. Wenn sie als Stützpunkte für Kampfdrohnen, Artillerie und Raketen genutzt werden, können sie eine Bedrohung darstellen. Große Verbände der NATO können in die baltischen Staaten verlegt werden, die Republiken selbst sind jedoch nicht in der Lage, der russischen Armee Widerstand zu leisten.”

Seiner Ansicht nach bestehe die Hauptaufgabe der baltischen Armeen darin, die militärische Infrastruktur des Bündnisses zu schützen. Zu diesem Zweck hätten die baltischen Staaten Verträge über den Erwerb von HIMARS mit ATACMS-Raketen abgeschlossen. Der Experte weist darauf hin, dass eine Reihe großer russischer Städte, darunter Sankt Petersburg, sich in der Reichweite dieser Waffen befinden.

Wie bereits erwähnt, arbeiten die baltischen Staaten eng mit den nordischen Ländern zusammen. In Bezug auf Bewaffnung und Ausbildung sind Schweden und Finnland führend, was von der Zeitung Wsgljad separat analysiert wurde. Knutow erklärt:

“Diese beiden Armeen sind gut für den Einsatz im Winter ausgebildet. Schwedische Waffen sind an das raue Klima angepasst – Stockholm lieferte der Ukraine die Schützenpanzer CV90 und Archer-Selbstfahrlafetten. Die Finnen verfügen über viele schwedische Waffen. Aber die (russische) mililärische Sonderoperation hat gezeigt, dass diese Waffen nicht so effektiv und zuverlässig sind, wie angenommen.”

Die Schweden loben auch ihre Gripen-Kampfflugzeuge und bezeichnen sie als “Killer der Su-57”. Der Experte hebt hervor:

“Allerdings wurden sie noch nirgendwo im Kriegseinsatzverwendet, daher ist es noch zu früh, über ihre Vorteile zu sprechen. Sie sind zwar leicht, wendig und mit modernen Raketen ausgerüstet. Was sie in der Praxis leisten können, wird sich aber erst zeigen.”

Nach Ansicht von Kaschin bestehe eine der realen Bedrohungen seitens der baltischen Staaten in Angriffen auf die Handelsschifffahrt in der Ostsee. Er betont:

“Dies erfordert eine ständige Präsenz der russischen Flotte, um Schiffe zu schützen und Abschreckungspotenzial zu demonstrieren. Dies ist jedoch bereits eine Frage der Beziehungen zur NATO und nicht separat zum Baltikum. Diese Länder und einige nordeuropäische Staaten, beispielsweise Dänemark, können nur als Provokateure auftreten. Sie verstehen, dass für Russland ein Konflikt mit dem Bündnis unerwünscht ist, werden jedoch selbst keine entschlossenen Maßnahmen ergreifen.”

Knutow ist der Ansicht, dass das russische Militär im Laufe der militärischen Sonderoperation enorme Erfahrungen gesammelt habe, “die um ein Vielfaches wertvoller sind als das, was NATO-Ausbilder den Balten beibringen, denn Russland weiß, wie man im 21. Jahrhundert Krieg führt”.

Dennoch sieht er eine der größten Herausforderungen in der Sicherheit der russischen Exklave Kaliningrad. NATO-Generäle hatten zuvor erklärt, das Bündnis könne die Region “mit minimalen Verlusten” besetzen. Knutow äußert jedoch Zweifel:

“Ich habe große Zweifel daran. Wir verfügen über S-400, die Schiffsabwehrsysteme ‘Bastion’, die Küstenraketenkomplexe ‘Bal’ und ‘Iskander-M’. Diese Systeme wurden im Laufe der militärischen Sonderoperation perfektioniert und arbeiten nun auf einem qualitativ neuen Niveau. Daher glaube ich nicht, dass es den NATO-Streitkräften gelingen wird, erfolgreiche Offensivmaßnahmen durchzuführen.”

Eine Invasion der Region Kaliningrad würde seiner Meinung nach einen Grund für eine Kriegserklärung und den Einsatz taktischer Atomwaffen gegen die Streitkräfte und Mittel des Feindes darstellen. Der Einsatz solcher Waffen würde die Lage an der Front drastisch verändern, schließt Knutow.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 18. Februar 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung “Wsgljad” erschienen.

Jewgeni Posdnjakow ist ein russischer Journalist, Fernseh- und Radiomoderator.

Andrei Restschikow ist Analyst bei der Zeitung “Wsgljad”.

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