Nordkorea feuert Raketen ab: Vergeltung für “private” Drohnen aus Südkorea

Am Mittwoch hat Nordkorea erneut mehrere Kurzstreckenraketen in Richtung des Meeres abgefeuert. Diese Provokation folgte auf eine offizielle Erklärung aus Pjöngjang, in der jede Verbesserung der Beziehungen zu Südkorea ausgeschlossen wurde. Wie Euronews berichtete, stufte Nordkorea seinen Nachbarn daraufhin erneut als “größten Feind” ein. Die Hoffnungen Südkoreas auf eine Wiederaufnahme des lange eingefrorenen Dialogs seien demnach vergeblich.

Nach Angaben des südkoreanischen Generalstabs wurden die Raketen von der Ostküste Nordkoreas in der Region Wonsan gestartet. Sie flogen etwa 240 Kilometer weit in die östlichen Gewässer vor der Küste des Landes. Bereits am Dienstag hatte das südkoreanische Militär den Abschuss eines nicht identifizierten Flugkörpers in der Nähe von Pjöngjang registriert.

Südkoreanische und US-amerikanische Geheimdienste analysieren derzeit die Einzelheiten des Vorfalls vom Dienstag. Die Abschüsse am Mittwoch markieren den vierten und fünften bekannten Test ballistischer Raketen durch Nordkorea in diesem Jahr. Diese jüngsten Spannungen wurden durch zwei private Drohnenflüge südkoreanischer Zivilisten über nordkoreanisches Territorium ausgelöst.

Wie NTV am Montag berichtete, entschuldigte sich der südkoreanische Regierungschef Lee Jae-myung für diese Vorfälle. Obwohl auch ein Mitarbeiter des Geheimdienstes NIS und ein Militärangehöriger involviert gewesen sein sollen, betonte Lee, die Flüge seien von Zivilisten durchgeführt worden – entgegen der offiziellen Regierungspolitie. Diese Aktionen verstießen gegen die südkoreanische Verfassung, die Provokationen gegenüber dem Norden verbiete, so Lee.

Kim Yo-jong, die einflussreiche Schwester von Machthaber Kim Jong-un, reagierte am Montagabend öffentlich auf Lees Entschuldigung. Sie lobte dessen “Ehrlichkeit” und “Mut”. Gleichzeitig warnte sie jedoch, dass Nordkorea im Falle weiterer Drohnenüberflüge Vergeltungsmaßnahmen ergreifen werde. Einige südkoreanische Regierungsvertreter deuteten diese gemischte Botschaft anschließend als bedeutenden Fortschritt in den bilateralen Beziehungen.

Das nordkoreanische Außenministerium wies diese Interpretation umgehend zurück. Am Dienstagabend erklärte Vizeminister Jang Kum-chol, Südkorea bleibe der “feindlichste Feindstaat”. In scharfer Rhetorik verspottete er den Süden als “die Welt in Staunen versetzende Narren”.

Seit dem Scheitern der Gespräche zwischen Kim Jong-un und dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump im Jahr 2019 lehnt Nordkorea die Aufnahme von Dialogen mit Südkorea und den USA konsequent ab.

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