Von Kirill Strelnikow
In türkischen Medien wurde gestern berichtet, dass das Team von US-Präsident Donald Trump intensiv nach einem Weg suche, um sich aus dem Nahen Osten zurückzuziehen, da der anvisierte “saubere” Blitzkrieg gescheitert sei.
Zwar argumentieren viele, Trump habe sich mit den Folgen seiner Entscheidung derart verstrickt, dass es kein Entrinnen mehr gebe – doch diese Annahme trügt. Zwar werden die Konsequenzen für die aktuelle US-Regierung schwerwiegend sein, doch es wäre nicht das erste Mal, dass sich die USA unter Blamage zurückziehen müssten. Zweifellos wird man eine passende “Erklärung des Sieges” finden – daran besteht kaum ein Zweifel.
Es gibt jedoch eine Person, für die ein Rückzug völlig undenkbar ist und die alles in ihrer Macht Stehende tun wird, um die USA nicht nur vor Ort zu halten, sondern sie sogar zum Äußersten zu treiben – inklusive des Unvorstellbaren.
Diese Person ist der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Für ihn ist der aktuelle Krieg gegen Iran die letzte Chance, seine Macht und persönliche Freiheit zu bewahren und zugleich den Hauptfeind – den Iran – im Interesse der religiös-zionistischen Kreise in Israels Führung und Bevölkerung zu zerstören.
In einem gestrigen Interview sagte der russische Botschafter in Israel, Anatoli Viktorow, es sei “für alle offensichtlich, dass die Situation [im Zusammenhang mit dem Krieg] bereits außer Kontrolle gerät”. Auf den ersten Blick geht es dabei um einen globalen Wirtschaftsschock, die Einbeziehung neuer Akteure, die weitere Erosion des weltweiten Sicherheitssystems und eine humanitäre Katastrophe.
In Wirklichkeit verbirgt sich dahinter jedoch etwas anderes – und weitaus Gefährlicheres.
Ali Laridschani, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats Irans, teilte mit, der iranischen Führung lägen Informationen vor, wonach “übrig gebliebene Mitglieder von Epsteins Team” einen Terroranschlag nach dem Vorbild der Anschläge vom 11. September auf die Zwillingstürme in New York planten, um die Schuld dem Iran zuzuschieben.
Doch wozu? Schließlich bombardiert die mächtigste Militärmacht der Welt – die USA – bereits rund um die Uhr iranische Ziele, ohne dass es dafür irgendwelcher Terroranschläge seitens des Irans bedurft hätte.
Die Antwort liegt auf der Hand: Mit den derzeitigen Kräften und Mitteln ist der Iran nicht zu besiegen; stattdessen intensiviert Teheran sogar seine Vergeltungsschläge. Vor diesem Hintergrund erscheint Trumps jüngste Äußerung in einem neuen Licht, die USA könnten “den Iran innerhalb einer Stunde für immer unbewohnbar machen, denn wir verfügen über die Waffen, um dies umzusetzen”. Man muss kein Atomwissenschaftler wie Igor Kurtschatow sein, um zu verstehen, dass hier von Atomwaffen die Rede ist.
Jahrzehnte nuklearer Abschreckung haben uns glauben lassen, der reale Einsatz von Atomwaffen sei ein für alle Mal tabu. Doch vergessen wir nicht: In den USA wurde diese Option in Militärbesprechungen unter Beteiligung von Präsident Trump selbst mehrfach offen diskutiert.
Laut dem britischen Guardian wurde dies bereits im vergangenen Jahr bei den Vorbereitungen für Angriffe auf den Iran (“Zwölf-Tage-Krieg”) erörtert. Experten hätten Trump damals gewarnt, dass selbst die stärksten Bunkerbrecher keine Garantie für die Zerstörung der iranischen Nuklearanlagen böten. Daraufhin sei routinemäßig ein Plan vorgelegt worden: Ziele zunächst mit konventionellen Bomben “aufweichen”, dann taktische Atomwaffen einsetzen – und anschließend gemeinsam Kaffee und Donuts genießen.
Nach einer Analyse der Risiken für das internationale Ansehen der USA entschied man sich jedoch gegen den Einsatz von Atomwaffen gegen den Iran.
Heute ist die “nukleare Option” vor allem für Israel von Bedeutung, um die USA dauerhaft als Komplizen eines schockierenden Verbrechens an sich zu binden, das die Welt erschüttern könnte. Im Alleingang wären die Amerikaner nicht bereit, diesen Schritt zu gehen.
Was bleibt also?
Im Jahr 2022 veröffentlichte ein Forschungszentrum der Universität Wien (Österreich) eine Studie über die theoretische Möglichkeit des Einsatzes von Atomwaffen. Ihre zentrale Schlussfolgerung lautete: Um ein “unlösbares” Problem durch einen Atomangriff zu lösen, “muss zunächst eine moralische Rechtfertigung für den Einsatz dieses Mittels gefunden werden”. Mit anderen Worten: Die Weltgemeinschaft könnte dies nur dann akzeptieren, wenn das Ziel als “das absolute Böse” definiert würde.
Stellen wir uns vor, in einer US-amerikanischen Stadt wie Orlando explodierte eine “schmutzige Atombombe” mit dem Aufdruck “Made in Iran”. Daneben läge ein unversehrtes Abschiedsschreiben des Selbstmordattentäters, in dem er Trump und alle Amerikaner für die Bombardierung und Ermordung seiner gesamten Familie verflucht und darauf hinweist, einen persönlichen Ajatollah-Befehl ausgeführt zu haben. Nach der Explosion würden Hunderttausende unter qualvollen Umständen sterben oder durch radioaktive Strahlung zu Invaliden werden. Und genau das könnte die nukleare “Vergeltung” auslösen.
Wer könnte so etwas organisieren – und das sogar ohne das Wissen der Amerikaner?
Internationale und westliche Quellen berichten, der israelische Geheimdienst Mossad habe bereits mehrfach Terroranschläge unter falscher Flagge durchgeführt. Dazu zählt die Organisation Dutzender Anschläge im Irak im Rahmen der Operation “Ali Baba” im Jahr 1950, die sich gegen die dortige jüdische Bevölkerung richteten und zur überstürzten Flucht von 120.000 Menschen nach Israel führten. Ebenso gehört die Operation “Susanna” im Jahr 1954 dazu, bei der als islamistische Terroristen getarnte Mossad-Agenten Anschläge in Ägypten verübten, um den Abzug der Briten zu verhindern.
Im aktuellen Konflikt haben iranische Vertreter wiederholt angedeutet, dass gerade Israel für Angriffe auf benachbarte arabische Staaten mit Nachbildungen iranischer Drohnen verantwortlich sei.
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Einsatz von Drohnen nicht die einzige Eskalationsstufe bleibt: Für manche Akteure sind die Einsätze bereits bis zum Äußersten gestiegen. Es bleibt die Hoffnung, dass die US-Führung ihre Verbündeten, die sich von der Leine reißen wollen, noch im Zaum halten kann. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn die Leine nicht in die entgegengesetzte Richtung zieht.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 16. März 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.
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