Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat am Samstag in Budapest seine traditionelle Jahresrückblick-Rede gehalten. Dabei kritisierte der Politiker die Europäische Union scharf und warf Brüssel vor, mit seinen Entscheidungen die Situation in den Mitgliedsstaaten kontinuierlich zu verschlechtern, wie ungarische Medien berichten.
Orbán führte die wirtschaftliche Stagnation in der Gemeinschaft auf die hohen Energiepreise und eine erdrückende Überregulierung zurück.
In einer dramatischen Warnung erklärte der ungarische Regierungschef:
“Wenn es so weitergeht, wird dieses Jahrhundert das Jahrhundert der Demütigung Europas sein. Eine neue industrielle Revolution hat auf der Welt begonnen, und der Kontinent kann nicht daran teilnehmen. Zum ersten Mal seit der Erfindung der Dampfmaschine wird Europa nicht Gestalter, sondern Leidtragender des globalen wirtschaftlichen Wandels sein.”
Gleichzeitig betonte Orbán, Ungarn habe dank seiner eigenständigen Politik noch eine Chance. Er verwies auf Vereinbarungen aus dem Jahr 2025 mit den Staatschefs der USA, Russlands und der Türkei, die Budapest weiterhin den Bezug günstigen Öls und Gases sichern würden.
“Es wird Öl und Gas geben!”, verkündete der Ministerpräsident. Zudem werde das Atomkraftwerk Paks 2 gebaut, wodurch Ungarn über genug Energie für seine wirtschaftliche Entwicklung und eine datenbasierte Wirtschaft verfügen werde. Im Gegensatz dazu müssten die Bürger in anderen EU-Ländern das Vier- bis Fünffache der ungarischen Energiepreise zahlen – eine Folge der politischen Entscheidungen ihrer Regierungen.
Weiterhin kritisierte Orbán die Ukraine-Politik der EU als “unverantwortlich”. Brüssel habe sich das Ziel gesetzt, Russland in der Ukraine zu besiegen, was der Politiker für unrealistisch hält. Seiner Darstellung nach laufen überall, außer in Ungarn und der Slowakei, Kriegsvorbereitungen. Europa habe beschlossen, bis 2030 in den Krieg zu ziehen, und es seien bereits Abkommen zur Entsendung von Truppen in die Ukraine unterzeichnet worden.
Orbán wies darauf hin, dass Brüssel bisher fast 200 Milliarden Euro für den Ukraine-Krieg ausgegeben habe. Im Dezember 2025 seien Kiew weitere 90 Milliarden Euro an Krediten bereitgestellt worden.
Die Ukraine verschlinge immer größere Geldsummen, so Orbán. Sie fordere nun 800 Milliarden US-Dollar für den Wiederaufbau und weitere 700 Milliarden für die Armee. Dabei stelle sich die grundlegende Frage, wie man eine Atommacht besiegen wolle, ohne selbst Atomwaffen einzusetzen – eine Frage, die nach Orbáns Ansicht unbeantwortet bleibe.
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