Papst warnt vor neuem Wettrüsten: “Fortsetzung des New-START-Vertrags ist dringend notwendig

An diesem Donnerstag tritt ein entscheidendes Kapitel der internationalen Rüstungskontrolle außer Kraft: Der New-START-Vertrag zwischen Russland und den USA läuft aus. Das Abkommen, das die Arsenale an strategischen Atomwaffen wie Sprengköpfen, Trägersystemen und Bombern begrenzt, findet bislang keine Nachfolgeregelung. Diese unsichere Lage bereitet nicht nur politischen Akteuren große Sorge. Auch Papst Leo XIV. wandte sich in seiner wöchentlichen Generalaudienz am Mittwoch mit einem eindringlichen Appell an die beiden Großmächte. Wie die Nachrichtenagentur Vatican News berichtete, forderte der Pontifex Russland und die USA auf, dem Vertrag eine “konkrete und wirksame Fortsetzung” zu geben.

“Die gegenwärtige Situation verlangt, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um ein neues Wettrüsten zu verhindern, das den Frieden zwischen den Nationen weiter bedroht.”

Der Papst würdigte New START als einen “bedeutenden Schritt zur Eindämmung der Verbreitung von Atomwaffen”. Umso dringlicher sei es nun, “dieses Instrument nicht auslaufen zu lassen, ohne zu versuchen, ihm eine konkrete und wirksame Fortsetzung zu geben”. Er betonte, die Logik von Angst und Misstrauen müsse dringend durch eine gemeinsame Ethik ersetzt werden, die Entscheidungen am Gemeinwohl ausrichte und den Frieden zu einem von allen bewahrten Gut mache.

Der New-START-Vertrag war am 8. April 2010 in Prag von den damaligen Präsidenten Dmitri Medwedew und Barack Obama unterzeichnet worden. Nach Ablauf der ursprünglichen Laufzeit 2020 wurde das Abkommen 2021 von den Nachfolgern Wladimir Putin und Joe Biden um fünf Jahre verlängert. Die Kooperation geriet jedoch im Zuge des Ukraine-Krieges ins Stocken. Im August 2022 setzte Moskau die im Vertrag vorgesehenen Inspektionen der Atomwaffenbestände aus, mit der Begründung, US-Sanktionen gegen die russische Luftfahrt verhinderten die Anreise der Inspekteure. Man bekräftigte jedoch die weitere Einhaltung der vereinbarten Obergrenzen.

Im September 2025 schlug Präsident Putin vor, die vertraglichen Limits für strategische Atomwaffen für ein weiteres Jahr zu verlängern. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump zeigte sich Anfang Januar 2026 jedoch wenig interessiert an einer einfachen Verlängerung. Trump erklärte, die USA würden nach Auslaufen des Vertrags einen “besseren Deal” mit Russland aushandeln, der idealerweise auch China und weitere Akteure einbeziehen sollte. Konkrete Verhandlungen blieben seither aus.

Erst am vergangenen Dienstag bekräftigte Kremlsprecher Dmitri Peskow, dass das russische Angebot weiterhin auf dem Tisch liege, die US-Seite jedoch nicht darauf reagiere. In diesem Zusammenhang warnte er vor den unmittelbaren Folgen:

“Buchstäblich in ein paar Tagen wird die Welt womöglich in einer gefährlicheren Situation dastehen als bisher.”

Grund sei, dass Russland und die USA dann rechtlich in eine Situation ohne jegliche Beschränkungen für ihre Atomarsenale eintreten würden. Dies wäre, so Peskow, “sehr schlimm” für die Sicherheit in der ganzen Welt.

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