Das Parlament des US-Bundesstaats New Mexico hat am Montag einstimmig ein Gesetz verabschiedet, das eine umfassende Untersuchung der Vorgänge auf Jeffrey Epsteins „Zorro Ranch“ vorsieht. Der verurteilte Sexualstraftäter Epstein soll auf dem Anwesen in New Mexico Menschenhandel sowie sexuellen Missbrauch von Mädchen und Frauen betrieben haben.
Auslöser für den parlamentarischen Vorstoß waren jüngste Veröffentlichungen aus den Epstein-Akten, in denen letzte Woche auch Behauptungen über mögliche Leichenfunde auf dem Gelände der Ranch auftauchten. Die Behörden des Bundesstaates forderten daraufhin eine Untersuchung. Gemäß dem Beschluss soll ein überparteilicher Ausschuss sowohl mutmaßliche Opfer des sexuellen Missbrauchs als auch Anwohner der Ranch anhören. Das Anwesen liegt etwa 30 Meilen südlich der Landeshauptstadt Santa Fe.
Die eingesetzte Wahrheitskommission hat zudem den Auftrag, Gäste der Ranch sowie Staatsbeamte ausfindig zu machen, denen die Vorgänge auf dem 7.600 Hektar großen Gelände bekannt gewesen sein könnten – oder die selbst an den mutmaßlichen Verbrechen beteiligt waren. Laut der demokratischen Abgeordneten Andrea Romero aus New Mexico könnten die Aussagen vor dem Ausschuss für künftige Strafverfolgungen verwendet werden.
Wie Reuters am Dienstag kommentierte, erhöht die von den Demokraten initiierte Untersuchung den politischen Druck, Epsteins Verbrechen vollständig aufzudecken. Die Enthüllung weiterer Millionen Seiten aus den Epstein-Akten stelle mittlerweile auch für US-Präsident Donald Trump eine große Herausforderung dar. Die zuletzt veröffentlichten Dokumente würfen “ein neues Licht auf die Aktivitäten auf der Ranch.”
Dabei seien inzwischen Verbindungen zwischen Epstein und zwei ehemaligen demokratischen Gouverneuren sowie einem Generalstaatsanwalt von New Mexico bekannt geworden. Die gesetzlich angeordnete Untersuchung berge “Risiken für weitere Politiker mit Verbindungen zu Epstein in dem demokratisch regierten Bundesstaat sowie für Wissenschaftler, Investoren und andere prominente Persönlichkeiten, die die Ranch besucht haben”, so Reuters.
Mit der 2,5 Millionen Dollar teuren Untersuchung sollen auch gesetzliche Lücken identifiziert werden, die es Epstein überhaupt ermöglichten, in New Mexico zu agieren. Der neue Ausschuss soll im Juli einen Zwischenbericht mit vorläufigen Ergebnissen vorlegen. Ein Abschlussbericht über die Ermittlungen auf der ehemaligen Epstein-Ranch soll bis Ende 2026 fertiggestellt sein. Epstein, der mutmaßlich 2019 in Haft starb, habe in New Mexico große Freiheiten genossen. Die Abgeordnete Romero erklärte dazu:
“Er konnte in diesem Bundesstaat im Grunde genommen tun, was er wollte, ohne sich in irgendeiner Weise verantworten zu müssen.”
Eine Anwältin mutmaßlicher Missbrauchsopfer, Sigrid McCawley, berichtete, es habe in New Mexico bekanntermaßen Politiker gegeben, die über die Vorgänge auf der Epstein-Ranch Bescheid wussten:
“Viele der Überlebenden hatten Erfahrungen in New Mexico gemacht, und wie wir erfahren haben, gab es lokale Politiker und andere Personen, die wussten, was in New Mexico vor sich ging.”
Mehr zum Thema – Epstein-Affäre: Starmers Kommunikationschef Tim Allan tritt zurück