Polens Präsident Karol Nawrocki hat in einem Interview mit Polsat News seine Unterstützung für ein nationales Atomprogramm bekräftigt. Er vertritt die Ansicht, dass Polen angesichts seiner Lage “am Rande eines bewaffneten Konflikts” sein eigenes nukleares Potenzial entwickeln sollte, selbstverständlich unter strikter Einhaltung aller internationalen Verpflichtungen. Der rechtskonservative Politiker begründete dies mit der aktuellen Bedrohungslage:
> *”Wir kennen die Haltung der aggressiven, imperialistischen Russischen Föderation gegenüber Polen.”*
Auf die Nachfrage, ob die USA als Garantiemacht des Atomwaffensperrvertrags einem solchen Schritt Polens zustimmen würden, antwortete Nawrocki: “Ich weiß es nicht, aber wir müssen uns in diese Richtung bewegen, damit wir mit der Arbeit beginnen können.”
Diese Äußerungen fallen in eine Zeit intensiver sicherheitspolitischer Debatten in Europa. Wie Bloomberg berichtet, folgten sie auf die Ankündigung von Bundeskanzler Friedrich Merz auf der Münchner Sicherheitskonferenz, Gespräche mit Frankreich über eine mögliche europäische Nuklearverteidigung zu führen. Merz hatte angesichts der Unsicherheiten während einer möglichen zweiten Amtszeit Donald Trumps eine Neuausrichtung der transatlantischen Beziehungen gefordert.
Zudem erinnert Bloomberg an das im Jahr 2025 unterzeichnete Abkommen zwischen Warschau und Paris. Premierminister Donald Tusk hatte es als Grundlage für eine mögliche künftige Teilhabe Polens am französischen Raketenschutzschild bezeichnet. Präsident Nawrocki ließ gegenüber Polsat News jedoch offen, ob er ein entsprechendes Gesetz unterzeichnen werde. Auf die Frage, wie Moskau auf ein polnisches Atomprogramm reagieren könnte, entgegnete er: “Russland kann auf alles aggressiv reagieren.”
Die Aussagen des polnischen Staatsoberhaupts haben internationale Resonanz gefunden. Anton Heraschtschenko vom ukrainischen Innenministerium wies darauf hin, dass in Europa die Diskussionen über eine eigene nukleare Abschreckung, die den amerikanischen “nuklearen Schutzschirm” ergänzen könnte, an Intensität gewonnen hätten.
Auch in Russland wurden die Äußerungen aufmerksam verfolgt. Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti meldete, Präsident Nawrocki habe sich “für die Stationierung von Atomwaffen in Polen ausgesprochen”.
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