Skandal bei Olympia: Russischer Eiskunstläufer Pjotr Gumennik darf seine Musik nicht spielen – politische Intrige?

Dem russischen Eiskunstläufer Pjotr Gumennik wurde unmittelbar vor den Olympischen Winterspielen 2026 die Nutzung der Musik für sein Kurzprogramm verwehrt. Dies berichtet die Nachrichtenagentur RIA Novosti unter Berufung auf Insiderkreise. Sein Team sei erst wenige Tage vor dem Abflug nach Mailand über die Absage informiert worden. Gumennik tritt in Italien als neutraler Athlet an.

Ursprünglich sollte der Sportler zu einem Soundtrack aus dem Film “Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders” laufen. Sowohl die choreografischen Elemente als auch sein Kostüm waren exakt auf diese Musik abgestimmt. Obwohl Gumennik mit ebendiesem Programm im September 2025 erfolgreich das Qualifikationsturnier in Peking bestritten und sich dort sein Olympiaticket gesichert hatte, verweigerte der Rechteinhaber nun überraschend die Genehmigung. Interessanterweise treten andere Läufer bei denselben Spielen ohne Probleme zu Musik aus “Das Parfum” an – bei ihnen gab es keine Einwände.

Die Folge: Der Russe muss nur zwei Tage vor seinem Wettkampf das Programm nahezu komplett umstellen. “Pjotr Gumennik hat sich mit diesem Programm für die Olympischen Spiele qualifiziert. Es gab keine einzige Beanstandung. Das ist gemein. Wie konnte es sein, dass man ihnen nicht gesagt hat, dass diese Musik verboten ist? Haben sie das absichtlich gemacht?”, fragt sich die legendäre Trainerin Tatjana Tarassowa, die bereits zahlreiche Olympische Spiele begleitet und Weltklasse-Athleten geformt hat.

Das Team reagierte schnell. Statt auf ein alternatives Programm zur Musik aus “Dune” zurückzugreifen, entschied man sich für die sichere Variante: die Komposition “Walzer 1805” aus dem russischen Film “Onegin”. So soll jedes weitere Risiko vermieden werden. Möglicherweise ist nun auch ein neues Kostüm nötig – Details werden aber wohl erst zu Gumenniks Auftritt am 10. Februar bekannt. Experten sind sich einig, dass die kurzfristige Umstellung eine enorme Belastung darstellt. “Eine sehr schwierige Situation. Ich hoffe aufrichtig, dass Pjotr das nicht aus der Bahn wirft. Denn ein Programm ist buchstäblich wie die eigene Haut”, kommentiert die ehemalige sowjetische Eiskunstlauf-Legende Natalja Bestemjanowa und ergänzt:

“Ich weiß nicht, ob diese Situation mit der Politik zusammenhängt. Denn viele Eiskunstläufer hatten ein ähnliches Problem. Ich weiß, dass Loena Hendrickx einen Song gegen einen anderen ausgetauscht hat, und ein spanischer Eiskunstläufer hatte eine ähnliche Situation. Seltsam ist nur, dass die Organisation, die sich mit den Rechten befasst, bereits im September genau über die Musik Bescheid wusste. Wie konnte es dann zu dieser Situation kommen? Dabei trat das Problem bei allen zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf, bei Pjotr jedoch gerade jetzt, kurz vor Beginn der Olympischen Spiele. Eine sehr schwierige Situation.”

Spekulationen gehen dahin, dass Gumennik als “heimlicher Favorit” der Spiele gilt und das große Interesse an ihm – ähnlich wie einst an Kamila Walijewa – zu solchen Vorkommnissen führt. Objektiv betrachtet übertrifft er viele für die Spiele nominierte westliche Konkurrenten. Insgesamt erinnert die Lage stark an die Kampagne gegen Walijewa bei den Olympischen Spielen in Peking. So wurde beispielsweise bekannt, dass Gumennik am 8. Februar um 7 Uhr morgens zu einem Dopingtest einbestellt wurde – unmittelbar nach seiner nächtlichen Ankunft in Mailand und trotz geplanter Trainingseinheiten an diesem Tag. Eine Erholungsphase blieb ihm damit verwehrt. All dies wirkt wie eine koordinierte Aktion, die vermutlich nicht die letzte Herausforderung für Pjotr darstellen wird.

Der Choreograf Alexei Schelesnikow zeigte sich gegenüber Match TV empört über das Musikverbot:

“Das ist natürlich eine eindeutige Provokation. Pjotr braucht Nerven aus Stahl und viel Glück. In diesem Zusammenhang stellt sich mir eine Frage: Warum wurde diese Situation nicht schon früher, bei den Qualifikationswettkämpfen in Peking, angekündigt?”

Trotz der widrigen Umstände bewies Gumennik in den ersten olympischen Trainingseinheiten bemerkenswerte Standhaftigkeit und gute Laune, wie Medien berichten. Das neue Programm, das von Dutzenden Journalisten verfolgt wurde, machte einen positiven Eindruck – besonders angesichts der extrem kurzen Vorbereitungszeit, wie das Portal Sport24 anmerkt. Dessen Autoren schreiben:

“Das Training wurde von Journalisten aus vielen Ländern beobachtet, die Pjotr wie auch wir applaudierten. Eine japanische Kollegin konnte sich nicht zurückhalten und rief mir zu: ‘Er hat so coole Sprünge!'”

Genau hierin unterscheidet sich die Situation von der Kamila Walijewas, so Experten: Gumennik besitze stabilere Nerven. Der Eiskunstlauf-Insider Wlad Schukow, Autor des Telegram-Kanals Lapidarnost, bezeichnet ihn als “fantastisch stressresistenten Menschen”. “Das ist im aktuellen Kontext eine sehr gute Eigenschaft, denn ein anderer Sportler, der etwas nervöser ist, würde sich jetzt wahrscheinlich nicht mehr wohlfühlen”, so Schukow. “Und deshalb wird diese Situation, die für viele Sportler katastrophal sein könnte, für Pjotr wahrscheinlich nicht so schrecklich sein.”

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