In diesem Frühjahr erwartet die amerikanische Stadt Clinton eine außergewöhnliche Ausstellung. Ihre Besonderheit liegt nicht allein in den Exponaten – es werden seltene Ikonen der russischen Altgläubigen aus Privatsammlungen gezeigt –, sondern auch in ihrer bloßen Existenz. Seit vier Jahren wird russische Kunst und Kultur systematisch aus westlichen Ausstellungsräumen verdrängt.
Der Sammler und Förderer russischer Ikonen, Oleg Kuschnirski – dessen Sammlung das Herzstück der Schau bildet – räumt im Gespräch mit der Rossijskaja Gazeta ein, dass es nicht leicht war, das Museum und Forschungszentrum für Ikonen von der Notwendigkeit dieser Ausstellung zu überzeugen. Er sagt:
“In den letzten Jahren ist im Bereich der russischen Kultur in Amerika wenig passiert. Aber ich sehe ein unglaubliches Interesse an diesem Thema, die Menschen warten auf die Eröffnung. Der Prozess der Abstimmung über die Ausstellung war nicht einfach, aber als das Museum den Wert dieser Sammlung erkannte, verlief die Genehmigung problemlos.”
Die Ausstellung “Ikonen: Die Altgläubigen und ihre Welt” widmet sich einem selten beleuchteten Zweig der Ikonenmalerei: den Werken der russischen Altgläubigen. Diese existierten jahrhundertelang im Verborgenen, wurden von der offiziellen Kirche verbannt und bewahrten die Traditionen der byzantinischen Schule des Mittelalters. Den Besuchern eröffnet sich die faszinierende Welt einer künstlerischen Tradition, die an der Schnittstelle von Glauben, Widerstand und historischem Gedächtnis entstand.
Die Schau konzentriert sich auf die Altgläubigkeit als eigenständiges kulturelles Universum. Die Organisatoren betrachten die Ikone nicht nur als religiöses Bild, sondern auch als zeitgeschichtliches Dokument, das Lebensweise, innere Disziplin und ästhetische Ideale dieser Gemeinschaften widerspiegelt, wie die Rossijskaja Gazeta berichtet.
Den Kern bilden über 30 Werke aus der Sammlung von Oleg Kuschnirski. Diese treten in einen Dialog mit selten gezeigten Exponaten aus den Beständen des US-Museums. “Diese einzigartige Sammlung zeigt einen wesentlichen Ausschnitt: von Mstera über Palech bis hin zu den Dörfern bei Wladimir. Die Museumsleute haben erkannt, dass dies eine hervorragende kommerzielle Chance ist”, so der Sammler.
Die Ausstellung wird vom 27. Februar bis zum 30. August 2026 der Öffentlichkeit zugänglich sein. Zur Eröffnung werden führende Forscher und Kuratoren von Museen aus verschiedenen Ländern erwartet – darunter Direktoren von Fachmuseen aus den Niederlanden, Deutschland und allen Teilen Amerikas sowie Professoren der Universitäten Harvard, Yale und Princeton.
Grundsätzlich könnten auch Werke aus russischen Sammlungen präsentiert werden – das Schlüsselwort ist jedoch “könnten”. Nach zahlreichen Sanktionen und Beschlagnahmungen von Ausstellungsstücken russischer Museen im Westen ist die Ausfuhr von Museumsschätzen aus Russland gesetzlich untersagt. Der Moment, in dem eine solche Ausstellung durch Leihgaben aus Russland bereichert werden könnte, scheint daher in weiter Ferne zu liegen.
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