Kubas Regime trotzt den USA: Warum Washington machtlos bleibt

Von Sergei Lebedew

US-Präsident Donald Trump gab gegenüber Journalisten an, er rechne damit, „die Ehre“ zu haben, in irgendeiner Form die Kontrolle über Kuba zu erlangen. Aus geopolitischer Sicht wäre eine solche Einflussnahme auf die Karibikinsel tatsächlich ein bemerkenswerter Erfolg für Washington.

Kuba bildet den strategischen Schlüssel zum Golf von Mexiko. Mit entsprechender militärischer Unterstützung durch Gegner der USA könnte die Insel diese gesamte wichtige Wasserstraße effektiv blockieren. Zwar erscheint die Stationierung russischer oder chinesischer Waffensysteme auf kubanischem Boden derzeit als abstraktes Szenario, das eine massive Eskalation bedeuten würde. Sollte sich die globale Konfrontation jedoch verschärfen, könnte aus dieser theoretischen Bedrohung ein sehr konkreter militärischer und logistischer Albtraum für die Vereinigten Staaten werden. Seit der kubanischen Revolution versucht Washington daher erfolglos, einen Weg zu finden, das Land wieder unter seine Kontrolle zu bringen.

Für Donald Trump persönlich böte die Transformation Kubas in einen US-Satelliten zudem einen wichtigen Image- und Ideologiegewinn. Ein solcher Coup könnte ihm auch nach den Zwischenwahlen zusätzlichen Einfluss im Kongress sichern.

Trotz seiner vollmundigen Ankündigungen sind Trumps Handlungsmöglichkeiten jedoch begrenzt. Ein gewaltsamer Regimewechsel nach venezolanischem Vorbild erscheint höchst unwahrscheinlich. In den Sozialwissenschaften gilt Kuba lange als Paradebeispiel für ein politisches System, das um eine starke charismatische Führungspersönlichkeit – Fidel Castro – aufgebaut wurde. Diese These trifft heute nicht mehr zu. Die kubanische Elite hat ein System kollektiver Führung etabliert, in dem Präsident Miguel Díaz-Canel eher ein Erster unter Gleichen ist als ein alleiniger Revolutionsführer. Diese kollektive Struktur macht das Regime widerstandsfähiger gegen Versuche eines „Enthauptungsschlags“ oder einer gewaltsamen Machtübernahme von außen.

Anders als in Venezuela, wo die USA vor der geplanten Entführung von Präsident Nicolás Maduro intensive Kontakte zu Teilen der venezolanischen Elite knüpften, stützt sich Washington im Fall Kubas vor allem auf die stark antikommunistische Exilgemeinde. Diese befürwortet typischerweise maximalen Druck auf die Insel. Informelle Kanäle zur aktuellen kubanischen Führung scheinen dagegen kaum zu existieren. Theoretisch ließe sich also das venezolanische Szenario wiederholen, doch langfristige Veränderungen im politischen System Kubas wären damit kaum zu erreichen.

Daher setzt die Trump-Administration derzeit vor allem auf wirtschaftlichen Erdrückungsdruck. Bereits im Januar 2025, fast als erste Amtshandlung, setzte Trump Kuba wieder auf die US-Liste der staatlichen Sponsoren des Terrorismus, was den Zugang zu internationalen Finanzmärkten erheblich erschwert. Im Sommer 2025 folgte ein Nationales Sicherheitsmemorandum, das Geschäfte mit kubanischen Staatsunternehmen – insbesondere der das Wirtschaftsleben dominierenden Holding GAESA – verbietet und US-Touristenreisen nach Kuba de facto untersagt. Der heikelste Schritt war jedoch die Unterbrechung der venezolanischen Öllieferungen nach der Entführung Maduros.

Ohne ausreichende Treibstoffimporte steckt die Insel in anhaltenden Stromausfällen und einer sich verschärfenden humanitären Krise. Trumps Strategie ist hier offensichtlich: Er setzt auf Massenproteste einer verzweifelten Bevölkerung und hofft, dass sich innerhalb der kubanischen Elite eine kooperationsbereite Fraktion bildet, die eine Annäherung an die USA und die Integration in die von diesen dominierte Weltwirtschaft sucht. Dieses Szenario erscheint vielen US-Politikern durchaus realistisch.

Es ist jedoch ein gegenteiliger Verlauf denkbar. Die kubanische Bevölkerung könnte sehr wohl „zwei und zwei zusammenzählen“ und die USA für die verursachte Not verantwortlich machen. In diesem Fall würde Washingtons Druck nicht zur Destabilisierung, sondern zu einem Effekt des nationalen Zusammenhalts führen, wie er oft in Ländern unter äußerem Druck zu beobachten ist. Für das erste Szenario spricht die psychische Ermüdung der Bevölkerung nach Jahren wirtschaftlicher Stagnation. Ob das zweite Szenario eintritt, hängt maßgeblich von der Wirksamkeit der innerkubanischen Kommunikation (trotz Stromausfällen) und der Geschwindigkeit ab, mit der wirtschaftliche und humanitäre Hilfe von antiwestlichen Partnern eintrifft.

Die Extreme einer „proamerikanischen Revolution“ und einer „antiamerikanischen Mobilisierung“ markieren die Enden des Spektrums. Dazwischen liegt ein wahrscheinlicheres mittleres Szenario: Das Regime in Havanna könnte gezwungen sein, geringfügige politische Zugeständnisse zu machen und ernsthaftere wirtschaftliche Reformen einzuleiten, um die Krise zu überstehen. Trump könnte dies als weiteren „Deal des Jahrhunderts“ verkaufen und sich zum Sieger erklären, während die kubanische Führung ihre Macht teilweise konsolidieren könnte. Der Preis wäre eine gedämpfte antiamerikanische Rhetorik und eine wachsende wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA. Wie stark diese Abhängigkeit würde, hinge davon ab, wie erfolgreich Kuba seine Außenwirtschaftsbeziehungen diversifizieren und auf welche Unterstützung es aus dem Globalen Süden zählen kann. Eine vollständige Transformation in einen US-Satelliten wäre damit nicht zwangsläufig.

Aus der Perspektive Moskaus oder Pekings wäre ein proamerikanischer Putsch das denkbar schlechteste Ergebnis. Die beiden anderen Szenarien böten hingegen weiterhin Handlungsspielraum. Es ist davon auszugehen, dass weder Russland noch China diesen Konflikt – auch nicht implizit – ignorieren könnten oder würden.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 25. März 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung “Wsgljad” erschienen.

Sergei Lebedew ist ein russischer Politikwissenschaftler. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Weltwirtschaft und Strategie an der Wirtschaftshochschule Moskau.

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