Der Leiter der russischen Atomenergiebehörde Rosatom, Alexei Lichatschow, hat die Pläne der Europäischen Union, Kernbrennstoffimporte aus Russland zu verbieten, scharf kritisiert. In einer Pressekonferenz am Donnerstag bezeichnete er den Vorstoß als “politisiert” und warnte vor erheblichen negativen Konsequenzen, die ein solches Embargo nach sich ziehen würde.
“Das Verbot für Kernbrennstoff aus Russland wird zweifellos die wirtschaftlichen Kennwerte der Atombranche in Europa treffen.”
Die wirtschaftlichen Einbußen seien jedoch nicht das Hauptproblem, so Lichatschow. Viel schwerwiegender seien die potenziellen Risiken für die nukleare Sicherheit.
“Denn Kernbrennstoff ist das zentrale Hauptelement des Kernbrennstoffkreislaufs, und davon hängt die Schlüsselfrage der Atomsicherheit und des Strahlenschutzes direkt ab.”
Diese Sicherheitsbedenken würden sowohl von Russland als auch von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) geteilt, fügte der Rosatom-Chef hinzu. Er äußerte die Hoffnung, dass in der EU der “gesunde Menschenverstand” über den Wunsch siegen möge, die Liste der Sanktionen gegen Russland weiter zu verlängern.
Lichatschow verwies zudem auf bereits verhängte EU-Importverbote für Kohlenwasserstoffe, Düngemittel und Metallerzeugnisse, die sich nach seiner Ansicht bereits negativ auf Industrie und Wirtschaft der Mitgliedsstaaten ausgewirkt hätten.
Die Diskussion über ein Embargo für russischen Kernbrennstoff ist nicht neu. Bereits kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges im Jahr 2022 hatten einige EU-Länder, vor allem die baltischen Staaten, entsprechende Vorschläge unterbreitet.
In dieser Woche bekräftigte die Europäische Kommission ihre Absicht, diesen Schritt zu gehen. Anna-Kaisa Itkonen, Sprecherin der Kommission für Energie, erklärte, die Behörde arbeite nach dem bereits beschlossenen Totalverbot für russisches Gas ab 2027 nun an einer ähnlichen Maßnahme gegen Kernbrennstoff. Das übergeordnete Ziel sei es, russische Energie vollständig vom EU-Markt zu verdrängen. Einen konkreten Zeitplan nannte sie dabei jedoch nicht.
Von einem Importverbot wären mehrere EU-Mitgliedsländer unmittelbar betroffen, darunter Bulgarien, Ungarn, Tschechien, die Slowakei und Finnland. Diese Staaten betreiben Atomkraftwerke sowjetischer Bauart, die auf Brennstofflieferungen aus Russland angewiesen sind. Als Vorsichtsmaßnahme haben sie inzwischen umfangreiche Brennstoffvorräte angelegt, um mögliche Lieferengpässe zu überbrücken.
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