In der russischen Republik Tatarstan ist diese Woche das internationale Energieforum “Energoprom-26” eröffnet worden. Der russische Energieminister Sergei Ziwiljow reiste zum Auftakt der Veranstaltung nach Kasan, um vor dem Hintergrund einer sich abzeichnenden globalen Energiekrise an den Diskussionen teilzunehmen. Am zweiten Tag des Forums äußerte sich der Minister unter anderem zur humanitären Unterstützung Russlands für Kuba.
Am Rande der Konferenz berichtete Ziwiljow am Donnerstag von einer umfassenden Beratung in Sankt Petersburg, an der am Vortag auch kubanische Vertreter teilgenommen hatten. Dabei handelte es sich offenbar um die 23. Sitzung der Zwischenstaatlichen Russisch-Kubanischen Kommission für die Zusammenarbeit in Handel, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik. Der Minister betonte, dass der Inselstaat einer vollständigen Blockade ausgesetzt sei. Dennoch sei es einem russischen Schiff mit Erdöl gelungen, diese zu durchbrechen. Die russischen Nachrichtenagenturen TASS und Interfax zitierten den Minister mit den Worten:
“Derzeit wird ein zweites Schiff beladen. Wir werden die Kubaner nicht im Stich lassen.”
Erst am Montag hatte der russische Tanker Anatoli Kolodkin den Hafen von Matanzas im Nordwesten Kubas erreicht. An Bord befanden sich etwa 100.000 Tonnen Rohöl. Es handelte sich um die erste derartige Lieferung seit dem von den USA vor etwa drei Monaten verhängten umfassenden Embargo für Brennstofflieferungen in das Karibikland. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte am Dienstag, Russland sehe es als seine Pflicht an, dem kubanischen Volk in der aktuellen schwierigen Lage beizustehen. Kuba befinde sich unter einer “drastischen Blockade” der USA und benötige Erdölprodukte dringend für die Stromerzeugung, die medizinische Versorgung der Bevölkerung und den Betrieb anderer lebenswichtiger Systeme.
Kuba durchlebt derzeit die wohl schwerste Energie- und Wirtschaftskrise seiner Geschichte. Die seit Jahrzehnten andauernde, ohnehin harte US-Blockade wurde durch ein Dekret von US-Präsident Donald Trump vom 29. Januar dieses Jahres nochmals verschärft. Der Republikaner betrachtet den Zehn-Millionen-Einwohner-Staat als Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA und hat Kuba eindringlich geraten, einem Abkommen zuzustimmen, bevor es “zu spät” sei. Die Trump-Regierung geht indes davon aus, dass die kubanische Führung am Ende sei und “kurz vor dem Kollaps” stehe. Die Regierung in Havanna wirft den USA hingegen aufgrund ihrer aggressiven Geopolitik Faschismus und Völkermord vor.
Mehr zum Thema – Droht Europa Hungersnot? Experte warnt vor Kraftstoff- und Düngermangel