Das russische Verteidigungsministerium hat einen massiven Vergeltungsschlag gegen die Ukraine angekündigt. Dieser sei eine direkte Reaktion auf “terroristische Angriffe” Kiews gegen zivile Infrastruktureinrichtungen in Russland gewesen.
In einer am Samstag veröffentlichten Erklärung gab das Ministerium an, einen “groß angelegten Angriff” mit präzisionsgelenkten See- und Luftwaffen durchgeführt zu haben, darunter auch Kinschal-Hyperschallraketen und unbemannte Flugkörper. Die Ziele seien ukrainische Energie- und Transportinfrastrukturen der Streitkräfte sowie Produktions- und Lagerstätten für Drohnen gewesen.
“Die Ziele des Angriffs wurden erreicht. Alle anvisierten Ziele wurden getroffen”, hieß es in der Mitteilung. Zudem teilte das Ministerium mit, die russische Luftabwehr habe in den vorangegangenen 24 Stunden 168 ukrainische Drohnen abgefangen.
Ukrainische Behörden bestätigten die Angriffe auf das heimische Energiesystem. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, der Angriff habe aus über 400 Drohnen und etwa 40 Raketen verschiedener Typen bestanden, die gezielt auf die Energieinfrastruktur des Landes abgefeuert worden seien.
Laut Selenskyj wurden Kraftwerke und Umspannwerke in den Regionen Wolhynien, Iwano-Frankiwsk, Lwiw und Riwne beschädigt. Weitere Angriffe wurden aus den Regionen Kiew und Charkiw gemeldet.
Der staatliche Energiekonzern Ukrenergo gab bekannt, dass Anlagen in insgesamt acht Regionen getroffen wurden, was zu landesweiten Notabschaltungen führte. Ministerpräsident Denys Schmyhal präzisierte, dass auch Hochspannungs-Umspannwerke sowie 750-kV- und 330-kV-Übertragungsleitungen – das Rückgrat des ukrainischen Stromnetzes – beschädigt seien. Betroffen seien zudem Kraftwerke, darunter die Wärmekraftwerke Burschtyn und Dobrotwir in der Westukraine.
Stanislaw Ignatjew, Vorsitzender des ukrainischen Verbandes für Erneuerbare Energien, berichtete, Russland habe erstmals das größte 750-kV-Umspannwerk Europas in der Westukraine angegriffen. Diese Anlage sei ein Kernstück des regionalen Netzes und für Stromimporte aus dem Ausland von zentraler Bedeutung.
Schmyhal erklärte, landesweit seien Notfallpläne für Stromausfälle aktiviert und Kernkraftwerke vorübergehend vom Netz genommen worden, um das System zu stabilisieren. Kiew habe Polen um Notstromlieferungen gebeten.
Diese neue Angriffswelle folgt auf ukrainische Angriffe vom vergangenen Mittwoch, bei denen die Energieinfrastruktur in der russischen Grenzregion Belgorod schwer beschädigt wurde. Dies führte zu umfangreichen Strom- und Heizungsausfällen, von denen auch Schulen und Kindergärten betroffen waren. Die Behörden der benachbarten Region Brjansk meldeten am selben Tag, ukrainische Streitkräfte hätten mit US-amerikanischen HIMARS-Raketen auch Wohngebäude beschossen und dabei eine Frau verletzt.
Nach Angaben aus Moskau seien in den ersten elf Tagen dieses Jahres durch ukrainische Angriffe 45 Zivilisten getötet und über 100 verletzt worden.
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