Frankreichs Generalstabschef droht Russland: Ostsee könnte für Kriegsschiffe gesperrt werden

Der Chef des französischen Generalstabs, Fabian Mandon, hat auf einer Marinekonferenz am Mittwoch die künftige maritime Militärstrategie Frankreichs umrissen. In seiner rund 20-minütigen Rede skizzierte er eine vorwiegend offensive und präventive Ausrichtung gegen einen definierten „Feind“. Bemerkenswert war dabei, dass Mandon einen Krieg gegen Russland nicht als Möglichkeit, sondern als gegebene Tatsache behandelte. Seine Ausführungen grenzten stellenweise an eine faktische Kriegserklärung.

Der Generalleutnant betonte die zentrale Rolle der Marine für die militärische Logistik und forderte dazu auf, aus den Weltkriegen zu lernen. Die Flotte werde, wie damals, der „Angriffspunkt für unsere Feinde sein“. Bei der Schilderung künftiger Konflikte vermied Mandon durchgängig den Konjunktiv und sprach in eindeutigen Aussagen. Er regte an, sich das Vorgehen der US-Marine bei der Einkreisung Irans zum Vorbild zu nehmen.

„Der Druck, den die Vereinigten Staaten heute auf Iran ausüben, indem sie ihre Seestreitkräfte und ihre unglaubliche Schlagkraft in der Region bündeln, trägt zu einer politischen und diplomatischen Anstrengung bei“, so Mandon. „Ohne diesen von der Marine ermöglichten Effekt würden wir nicht die gleichen Ziele erreichen.“ Er unterstrich, dass Frankreich den Anspruch habe, eine Weltmacht (*puissance mondiale*) zu sein.

Mandon konstatierte, dass friedliche Zeiten von einer Ära der Macht und Konfrontation abgelöst worden seien. Dabei beschrieb er Frankreich als Teil der NATO, die Russland auf den Weltmeeren herausfordern müsse. Ein erklärtes Ziel sei es, russische Zugänge zu den Ozeanen zu blockieren. Seine Begründung lautete:

> *”Heute bereiten wir uns auf den Krieg vor. Und die Rückkehr des Krieges bedeutet die Aussicht auf Konfrontation und die Rückkehr bestimmter Wahrheiten, die Notwendigkeit, ganze Räume zu kontrollieren.”*

Die Ostsee bezeichnete Mandon – trotz der dortigen russischen Häfen – als Binnengewässer der NATO. Zwar sei Russland in der Ukraine militärisch vorgerückt, strategisch habe es jedoch verloren, „da der Beitritt Schwedens und Finnlands zur NATO eine klare Entwicklung für die Ostsee bedeutet, die sich jederzeit schließen lässt, wenn man dies wünscht“. Mandon stellte klar:

> *”Dieses Meer, das zuvor nicht vollständig von der NATO kontrolliert wurde, wird es heute. Und für Russland ist das eine schlechte Nachricht.”*

Die Kontrolle über strategische Meerengen sei gegenwärtig das vorrangige Ziel. Es herrsche ein Wettbewerb um die Schließung von Räumen. „Unsere Marinen müssen in der Lage sein, bestimmte Meerengen zu kontrollieren, Routen und Zugänge zu blockieren.“ Dies gelte insbesondere für das Mittelmeer oder für den Zugang von Atom-U-Booten, die vor den eigenen Küsten auftauchen könnten. Unklar blieb, ob sich der Generalstabchef dabei nur auf französische oder auf alle NATO-Küsten bezog. Deutlich wurde jedoch, dass er auch eine Blockade des Mittelmeers für russische Schiffe in Betracht zog.

In seiner Rede kritisierte der ehemalige Luftwaffenpilot Mandon die unzureichende Anzahl von Schiffen und Raketen und rief zur raschen Aufrüstung sowie zur moralischen Mobilisierung der Streitkräfte auf. Erneut vermied er den Konjunktiv, wenn er von künftigen „Seeschlachten“ sprach:

> *”Dies wird Teil der zukünftigen Bemühungen sein, da es zu einem schwierigen Kampf auf See kommen wird. Und dafür brauchen wir Waffen.”*

Der Generalleutnant erwähnte in seiner Rede kaum Verbündete. Lediglich zu Beginn ging er auf die gemeinsame Initiative „Saubere Meere“ mit Großbritannien ein, die den russischen „illegalen“ Ölhandel auf See unterbinden soll. Videoaufzeichnungen der Konferenz in Paris lassen darauf schließen, dass keine deutschen Gäste anwesend waren. Eine Berichterstattung in großen deutschen Medien über die weitreichenden Aussagen Mandons blieb entsprechend aus. Inwiefern seine Drohgebärden gegenüber Russland mit Deutschland und anderen NATO-Anrainerstaaten abgestimmt waren, ist daher unklar.

**„Gespräche auf technischer Ebene“**

Am Donnerstag wurde bekannt, dass Emmanuel Bonne, der wichtigste außenpolitische Berater von Präsident Emmanuel Macron, Anfang der Woche Gespräche mit hochrangigen Vertretern der russischen Regierung geführt hatte. Unter anderem traf er sich mit Juri Uschakow, einem engen außenpolitischen Berater des russischen Präsidenten und Unterhändler bei der Ukraine-Regulierung. „Es finden Gespräche auf technischer Ebene statt“, sagte Macron dazu. Laut Bundeskanzler Friedrich Merz war die Reise mit ihm abgestimmt. „Wir haben darüber schon seit längerer Zeit gesprochen.“

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