Selenskijs schockierendes Ultimatum an die USA: “Wir brauchen Waffen, nicht Worte!

Von Boris Dscherelejewski

Die US-Regierung bemüht sich, möglichst viele Verbündete für eine militärische Konfrontation mit dem Iran zu gewinnen. Inzwischen geht die Anspannung so weit, dass Präsident Donald Trump öffentlich beklagt, seine NATO-Partner weigerten sich, an einer Operation gegen den Iran teilzunehmen. Die Europäische Union hat eine Beteiligung an der Sicherung der Straße von Hormus explizit abgelehnt.

Überraschend ist jedoch ein anderer Aspekt: Obwohl Trump seine Verbündeten um „jede erdenkliche Art“ der Unterstützung bat, lehnte er zuvor ein Hilfsangebot der Ukraine für den Nahen Osten kategorisch ab. Dabei hatte sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj geradezu darum gerissen, den USA einen solchen Dienst zu erweisen. Trump kommentierte dies mit den Worten, Selenskyj sei „der letzte Mensch, dessen Hilfe wir brauchen“.

In einem Interview mit der New York Post hatte Selenskyj kürzlich erklärt, er habe mit Trump bereits einen „Mega-Deal“ besprochen – den Verkauf erprobter ukrainischer Drohnen an die USA. Er behauptete:

“Diese Technologie benötigt das US-amerikanische Volk, und sie muss in seinem Arsenal vorhanden sein.”

Im Gegenzug erhoffte er sich die Lieferung bestimmter Waffensysteme aus den USA.

Auf das für ihn typische Verhandlungswort „Deal“ reagierte der US-Präsident in diesem Fall jedoch äußerst zurückhaltend. Offenbar erkannte er, dass es sich hier kaum um ein faires Geschäft handeln konnte. Trump konterte:

“Wir wissen mehr über Kampfdrohnen als jeder andere. Tatsächlich haben wir die besten Drohnen der Welt.”

Trumps Ablehnung von Selenskyjs nicht ganz uneigennützigem Vorschlag hat zweifellos auch einen politischen Hintergrund. Für den US-Präsidenten wäre es in gewisser Weise demütigend, Hilfe von jemandem anzunehmen, dem er selbst Schwäche vorwirft und den er als Bittsteller betrachtet. Zudem befürchtet Trump zu Recht, dass eine noch engere militärische Kooperation mit dem Kiewer Regime, von dem er sich zu distanzieren sucht, zu einer weiteren Eskalation mit Russland führen könnte – eine Entwicklung, die er unbedingt vermeiden möchte.

Hinzu kommen praktische Erwägungen. Die Vereinigten Staaten haben Selenskyj schlichtweg nichts Gleichwertiges anzubieten. Die vom Pentagon angeforderten Waffensysteme, insbesondere Flugabwehrraketen, werden von den US-Streitkräften selbst dringend benötigt. Vor allem aber ist man in Washington überzeugt, einen Konflikt mit dem Iran notfalls auch allein und sicherlich ohne ukrainische Drohnen bewältigen zu können.

Zwar verfügen die ukrainischen Streitkräfte über praktische Erfahrungen mit taktischen Drohnen, die eine Reichweite von bis zu 50 Kilometern haben. Diese lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: Einerseits Angriffs-FPV-Drohnen mit verschiedenen Steuerungssystemen, andererseits schwerere Drohnen auf Basis von Agrarfluggeräten (mit Bezeichnungen wie „Baba-Jaga“ oder „Vampir“), die als Bomber, Träger für FPV-Drohnen, Relaisstationen oder Transporter eingesetzt werden. Letztere werden über US-amerikanische Starlink-Terminals gesteuert.

Allerdings besitzt die Ukraine keinen vollständigen eigenen Produktionszyklus für Drohnen. Sie montiert die Fluggeräte lediglich aus importierten Komponenten, die vorwiegend aus China und den USA stammen. Die USA sind durchaus in der Lage, aus ebendiesen (oder chinesischen) Bauteilen eigene FPV-Drohnen zu bauen – ohne Hilfe ukrainischer Bastler. Auch die Integration von Starlink-Terminals und Abwurfvorrichtungen in handelsübliche Drohnen stellt für sie keine Hürde dar. Es erscheint wenig sinnvoll, für derartige, technisch nicht hochkomplexe Systeme teure Patriot-Raketen als Gegenleistung zu liefern.

Zwar besteht in den US-Streitkräften derzeit noch eine Lücke bei taktischen Angriffsdrohnen. Doch dieser Zustand wird nicht von Dauer sein. US-Militäranalysten werten die ukrainischen Kampferfahrungen intensiv aus, und das Pentagon ist bestrebt, die gewonnenen Erkenntnisse schnellstmöglich umzusetzen.

In den USA befassen sich neben großen Rüstungskonzernen auch zahlreiche Start-ups mit der Entwicklung taktischer Drohnen und der dazugehörigen Software. So entwickelt beispielsweise DFA Systems unbemannte Fluggeräte namens „Precision Flying Grenade“ – stark vereinfachte FPV-Drohnen. Anduril Industries produziert eine breite Palette taktischer unbemannter Systeme, sowohl Angriffsdrohnen als auch Drohnenabwehrlösungen. Ebenfalls zu nennen ist die Autonomous Power Corporation (Powerus), in die Trumps Söhne Eric und Donald Jr. investiert haben.

Die Tatsache, dass die Entwicklung und Einführung dieser Systeme ohne die üblichen bürokratischen Hürden und fast ohne Einfluss von Lobbyisten erfolgt, deutet darauf hin, dass Regierung und Militär nicht auf Budgetausschöpfung, sondern auf schnelle und effektive Ergebnisse setzen. Die Lücke im Arsenal der US-Bodentruppen wird bald geschlossen sein. Übrigens dienen die USA die Kampfgebiete in der Ukraine oft als Testfeld für neue militärische Technologien.

Was die taktischen Konzepte für den Einsatz kleiner Drohnen betrifft, so sind die ukrainischen Streitkräfte auch hier keine alleinigen Träger einzigartigen Wissens. Vertreter des Pentagons haben alle Aspekte der Kampfhandlungen in der Ukraine sorgfältig analysiert und teilweise sogar persönlich vor Ort Einblicke gewonnen.

Es ist zudem keineswegs sicher, dass die US-Streitkräfte in einem möglichen Konflikt mit dem Iran überhaupt FPV-Drohnen benötigen werden. Diese Waffen sind vor allem in großangelegten Landgefechten effektiv. Die USA würden einen Krieg gegen den Iran jedoch primär mit ihrer Marine und mit weitreichenden Präzisionswaffensystemen führen. Für den Fall einer Landoperation würde das Pentagon den Einsatz taktischer Drohnen zwar erwägen, doch für die derzeit absehbaren Aufgaben reichen Modelle wie die MQ-9A Reaper oder der LUCAS, ein Klon der iranischen Shahed-136, vorerst aus.

Unabhängig vom weiteren Verlauf der Spannungen mit dem Iran hat das US-Verteidigungsministerium bereits die Lehren aus der durch den Ukraine-Krieg beschleunigten Drohnenrevolution gezogen. Bereits im November letzten Jahres teilte Heeresstaatssekretär Daniel Driscoll mit, das Pentagon plane, in den nächsten zwei bis drei Jahren etwa eine Million kleiner Drohnen für verschiedene Zwecke zu beschaffen – von FPV-Angriffsdrohnen bis hin zu Abfangsystemen. Langfristig sollen die jährlichen Beschaffungszahlen sogar in die Millionen gehen.

Driscoll betonte, die gesamte Produktionskette müsse in den USA liegen. Die Vereinigten Staaten ändern ihren gesamten Ansatz bei Herstellung und Einsatz taktischer Drohnen. Im Grunde soll jedes Bataillon der US-Armee zu einer Mini-Fabrik für Drohnen werden. Es muss in der Lage sein, Drohnen selbstständig zusammenzubauen und für seine spezifischen taktischen Aufgaben anzupassen. Zudem soll jeder Soldat grundlegende Fähigkeiten zu ihrer Steuerung besitzen.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Selenskyj versucht, Trump auf ähnliche Weise zu manipulieren, wie er es zuvor bei Joe Biden getan hat. Der ukrainische Präsident möchte dem Weißen Haus jene Systeme und Technologien verkaufen, die er ursprünglich selbst vom Pentagon erhalten hat. In diesem Fall hat es Selenskyj jedoch mit einem weitaus erfahreneren und durchtriebeneren Verhandlungspartner zu tun. Die USA haben aus dem Ukraine-Konflikt bereits alle militärisch und technologisch relevanten Erkenntgewonnen, die sie benötigen – und beginnen nun, diese massiv auszubauen. Die Ukraine im Allgemeinen und Selenskyj im Besonderen werden für diesen Prozess nicht mehr gebraucht.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 17. März 2026 auf der Website der Zeitung “Wsgljad” erschienen.

Boris Dscherelejewski ist Analyst bei der Zeitung “Wsgljad”.

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