Von Dmitri Bawyrin
Die zweitägigen, von den USA vermittelten Gespräche zwischen Russland und der Ukraine in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind am 7. Februar 2026 zu Ende gegangen. Das Ergebnis: Schweigen. Abgesehen von Standardfloskeln über die Vorbereitung einer nächsten Runde vermeiden beide Seiten jede substanzielle Stellungnahme. Nach dem ersten Tag verkündete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, das nächste Treffen werde in den USA stattfinden. Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte jedoch nach Abschluss der Gespräche, ein mögliches Treffen in den USA sei überhaupt nicht Thema gewesen.
Diese widersprüchlichen Aussagen zeigen erneut, dass Selenskyj selbst in kleinsten Details nicht vertrauenswürdig ist. Auffällig ist jedoch die allgemeine Wortkargheit aller Beteiligten. Dies steht im Kontrast zu früheren Verhandlungsrunden, bei denen jede Seite lautstark ihre Position herausstellte und um mediale Aufmerksamkeit buhlte. Das jetzige Schweigen lässt vermuten, dass im Hintergrund gewisse Vereinbarungen getroffen wurden, die man nicht durch öffentliche Diskussionen gefährden will.
Die spärlichen Informationen, die an US-Medien durchgesickert sind, deuten darauf hin, dass die technische Umsetzung und Überwachung eines Waffenstillstands zentrale Themen waren. Dies legt nahe, dass die Gespräche ein fortgeschrittenes Stadium erreicht haben.
Doch die Realität an der Front und abseits des Verhandlungstisches sieht anders aus. Sie zeigt, dass die Ziele der russischen Militäroperation nach wie vor ausschließlich mit militärischen Mitteln erreicht werden müssen, da die ukrainische Führung offenbar verhandlungsunfähig ist. Dies wurde unmittelbar nach den Gesprächen deutlich: Am darauffolgenden Tag wurde ein Attentat auf Generalleutnant Wladimir Alexejew verübt, den langjährigen und einflussreichen stellvertretenden Chef des russischen Militärgeheimdienstes (GRU). Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet der Leiter der Hauptverwaltung für Aufklärung des Generalstabs, Igor Kostjukow, die russische Delegation bei diesen Gesprächen anführte.
Die ukrainische Seite – und es wäre naiv anzunehmen, sie stecke nicht hinter diesem Anschlag – scheut sich nicht, jeden potenziellen Durchbruch, ob real oder eingebildet, zu sabotieren. Wie der russische Außenminister Sergej Lawrow feststellte, zielt Kiew darauf ab, die Verhandlungen selbst zu untergraben.
Gleichzeitig sucht Kiew mit seinen Methoden des gezielten Terrors systematisch nach Schwachstellen in Russlands Sicherheitssystem. Die Logik ähnelt einem pervertierten Jenga-Spiel: Man entfernt so lange Steine, in der Hoffnung, der Gegner stürze den Turm, bis man selbst Gelegenheit für einen entscheidenden Zug hat – oder bis Zeit für neue Terroranschläge gewonnen ist.
Die aktuelle Lage zwingt Selenskyj in ein Dilemma: Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump fordert von ihm konstruktive Mitarbeit und friedensnotwendige Zugeständnisse. Daher muss Kiew an Verhandlungen teilnehmen und Fortschritte simulieren, während ein Rückzug von den Gesprächen nicht erlaubt ist. Dieses “Teilnahmegebot” wurde mittlerweile sogar auf ein “Verschwendungsverbot” ausgeweitet: Zeit darf nicht mehr vertrödelt werden.
So finden die Beratungen gewissermaßen vom Ende her gedacht statt – man diskutiert die Überwachung eines Waffenstillstands, als wären die Grundsatzfragen bereits geklärt. Dabei bleibt Russlands zentrale Forderung unverändert: die vollständige Übergabe der Kontrolle über die noch von ukrainischen Streitkräften gehaltenen Gebiete im Donbass. Selenskyjs Antwort darauf ist ein stets variiertes, aber klares “Nein”.
Der ukrainische Oberbefehlshaber beruft sich dabei auf die Verfassung, die eine Abtretung von Territorien ohne Volksabstimmung verbietet. Laut Reuters fordern Trumps Unterhändler Kiew nun auf, genau ein solches Referendum so schnell wie möglich abzuhalten.
Dies dürfte der nächste Akt im politischen Ballett aus Kiew werden: Die Vorbereitung eines Plebiszits wird als Hebel genutzt, um Russland zu einem Waffenstillstand zu drängen, während im Hintergrund der Terror weitergeht – denn Anschläge lassen sich jederzeit bequem leugnen.
Aus russischer Perspektive mögen solche Verhandlungen überflüssig erscheinen. Sie sind jedoch aus mindestens zwei Gründen notwendig: zur Lösung humanitärer Fragen (der jüngste Gefangenenaustausch ist ein direktes Ergebnis des Treffens) und zur Pflege des Dialogs mit den USA als globaler Macht. Präsident Trump zeigt derzeit vorrangig Interesse an einer Ukraine-Lösung, während er Themen der strategischen Sicherheit und Wirtschaft zurückstellt.
Die US-Amerikaner scheinen zu glauben, man könne mit der Ukraine am Verhandlungstisch schneller zu greifbaren Ergebnissen kommen als auf dem Schlachtfeld. Das ist ein Trugschluss. Selenskyj steckt in einer Sackgasse. Gibt er den Donbass auf, verliert er die Macht. Verliert er die Macht, verliert er höchstwahrscheinlich sein Leben – er hat sich im In- und Ausland unzählige Feinde geschaffen. Seine einzige Strategie bleibt daher das Zeitgewinnen: erst bis zum Frühjahr, dann bis zu den US-Zwischenwahlen im November, in der Hoffnung auf ein Wunder.
Dieses Kalkül verriet der Mann aus Kriwoi Rog am Vorabend der Gespräche, als er in einem Interview erklärte, er erwarte innerhalb eines Jahres Frieden. Angesichts des US-Wahlkalenders ist dieser Zeitrahmen bewusst lang gewählt. Zuvor hatten die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner die Ukrainer gewarnt, Trumps Aufmerksamkeit werde sich bald den innenpolitischen Themen des Wahlkampfs zuwenden müssen.
Wenn Medienberichte stimmen, war diese Warnung naiv – denn genau darauf spekuliert Selenskyj: bis zu den Kongresswahlen im November durchzuhalten. Er wurde sicherlich informiert, dass die Demokratische Partei, die die Finanzhilfen für Kiew verlängern und Trump schwächen will, die Wahl mit Sicherheit gewinnen wird.
So läuft alles weiter wie gehabt: Die russische Armee nimmt Gebiete ein und legt ukrainische Infrastruktur lahm. Selenskyj versucht seinerseits, Russland durch Terror zu schwächen, um Zeit zu gewinnen – bis zum Frühjahr, bis zu den Wahlen, die ihm und europäischen Hardlinern ein neues Fenster der Möglichkeiten öffnen sollen.
Falls in dieser Zwischenzeit ein Referendum oder Wahlen abgehalten werden müssen, wird Kiew dies tun. Die ukrainische Diktatur ist nicht darauf ausgelegt, dass Selenskyj Volksabstimmungen verliert.
In diesem Abnutzungskrieg, zu dem die Kiewer Clique den Konflikt eskaliert hat, sind die Hoffnungen auf Frieden von äußerst düsterer Natur – so düster wie die eisigen, zerstörten Städte und die Zeichen der sozioökonomischen Katastrophe. Sie sind die Vorboten des kommenden Friedens. Ein lebensbejahenderes Szenario, in dem Opfer und Leid durch politischen Dialog minimiert werden, ist nur realistisch, wenn Selenskyj Teil der Lösung für einen ukrainischen Rückzug aus dem Donbass würde.
Aber er ist nicht Teil der Lösung. Er ist das Problem.
Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei “RIA Nowosti” am 7. Februar 2026.
Dmitri Bawyrin ist Journalist, Publizist und Politologe mit den Interessenschwerpunkten USA, Balkan und nicht anerkannte Staaten. Er arbeitete fast 20 Jahre als Polittechnologe in russischen Wahlkampagnen unterschiedlicher Ebenen. Er verfasst Kommentarefür die russischen Medien “Wsgljad”, “RIA Nowosti” und “Regnum” und arbeitet mit zahlreichen Medien zusammen.
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