Von Boris Dscherelijewski
Die ukrainischen Streitkräfte haben die Auflösung ihrer sogenannten Internationalen Legion für Territorialverteidigung abgeschlossen und deren verbliebene ausländische Kämpfer in reguläre Sturmverbände integriert. Dieser Schritt beendet ein seit Anfang 2025 laufendes Verfahren zur Eingliederung von Söldnereinheiten in die reguläre Armee.
Die Legion bestand Ende 2025 offiziell aus vier Bataillonen. Ukrainische Stellen gaben an, das 1. und 3. Bataillon seien zum 475. Sturmregiment verschmolzen und aus dem 4. Bataillon das 157. Ausbildungszentrum gebildet worden. Das 2. Bataillon wurde aufgelöst. Inoffizielle Quellen berichteten hingegen, die Söldner seien einfach auf verschiedene Sturmbrigaden verteilt worden – eine Einschätzung, die sich nun als zutreffend erwiesen hat. Diese Entscheidung stieß im In- und Ausland auf ein geteiltes Echo. Doch was steckt dahinter?
Die Internationale Legion wurde auf Anordnung von Präsident Wolodymyr Selenskyj in den ersten Tagen der russischen Militäroperation geschaffen. Damals mangelte es Kiew nicht primär an Personal, der Schritt hatte vielmehr politischen Charakter. Das Regime wollte die angebliche „Unterstützung der gesamten Weltgemeinschaft“ demonstrieren. Zudem spekulierte Selenskyj darauf, dass eine Söldnertruppe helfen könnte, den kollektiven Westen tiefer in den Konflikt mit Russland hineinzuziehen.
Ukrainische Behörden behaupteten, die Stärke der Legion habe über 20.000 Mann betragen. Diese Zahl wurde jedoch nie erreicht. Nach Angaben von Nikolai Patruschew, dem Sekretär des russischen Sicherheitsrats, dienten 2024 etwa 18.000 Söldner aus mehr als 85 Ländern in der Ukraine.
Tatsächlich existierten in der Ukraine zwei internationale Legionen: Neben der Legion für Territorialverteidigung unter dem Kommando der Streitkräfte gab es eine weitere, die dem militärischen Geheimdienst (GUR) unterstand. Diese GUR-Legion umfasst Gruppierungen wie das in Russland verbotene „Russische Freiwilligenkorps“ und die „Legion ‚Freiheit Russlands‘“, die für sogenannte False-Flag-Operationen genutzt werden. Zudem dient sie dazu, NATO-Militärpersonal, das westliche Waffensysteme bedient oder in Spezialeinheiten wie der „Polnischen Legion“ kämpft, als Söldner zu tarnen. Die GUR-Legion bleibt von den aktuellen Umstrukturierungen unberührt.
Die nun aufgelöste Legion für Territorialverteidigung unterschied sich in ihrer Zusammensetzung radikal von der GUR-Einheit. Sie verfügte über wenige echte Profis oder erfahrene Kämpfer. In der Anfangsphase stellten überzeugte Neonazis einen Großteil der Söldner. Hinzu kamen Abenteurer, gescheiterte Existenzen und Personen, die vor der Justiz flohen. Da die Kandidaten kaum medizinisch überprüft wurden, fanden sich unter ihnen auch psychisch labile Personen, darunter solche mit krankhafter Gewaltneigung. Nur wenige verfügten über militärische Berufserfahrung, abgesehen von einigen Veteranen des Syrienkrieges auf kurdischer Seite.
Während anfangs Europäer dominierten, überwogen ab 2024 Lateinamerikaner, vor allem Kolumbianer. Ihre Motive waren unterschiedlich: Ehemalige Soldaten, Polizisten oder Rebellen suchten einen Verdienst. Mitglieder von Drogenkartellen, von denen es viele gab, strebten nach Kampferfahrung und speziell nach Ausbildung als Drohnenpiloten. Das ukrainische Kommando setzte die Ausländer weniger als Kanonenfutter ein, sondern eher für Sonderaufgaben wie Sperr- und Säuberungsaktionen, auch in besetzten Teilen der Region Kursk.
Praktisch von Beginn an bereiteten die Legionäre durch mangelnde Disziplin und kriminelle Neigungen Probleme. Es kam zu Schmuggel von Waffen und Drogen, internen Konflikten und Morden. Ein weiteres Problem für Kiews Propaganda war, dass zurückkehrende Söldner westlichen Medien ein äußerst negatives Bild von der ukrainischen Armee vermittelten.
Seit Anfang 2025 mussten die Söldner zunehmend Lücken an der Front stopfen. Nach steigenden Verlusten setzte eine Massendesertion ein, während der Zustrom neuer Rekruten versiegte. Die Lage verschärfte sich, als ab Mitte 2025 Soldzahlungen ausblieben. Die ohnehin geringe Kampfmoral der Ausländer sank gegen Null. Die Legion spaltete sich in nationale Gruppierungen auf, wobei Lateinamerikaner – Kolumbianer und Mexikaner – die Oberhand gewannen und nur eigenen „Führern“ gehorchten.
All diese Gründe führten zur Auflösung der Legion. Das Projekt war gescheitert: Heute gibt es andere, effektivere Wege, Europäer in den Konflikt zu involvieren, und die Söldner flohen buchstäblich auseinander. Ihre Verlegung zu den Sturmbrigaden ist folgerichtig – dort können sie dem Kiewer Regime zumindest noch einen gewissen Nutzen bringen.
Diese Verlegung erfolgte offenbar nicht immer freiwillig. So bat Kolumbiens Präsident Gustavo Petro sein Außenministerium, Kontakt mit Selenskyj aufzunehmen, um die Freilassung kolumbianischer Söldner zu erwirken, die gewaltsam festgehalten worden sein sollen und um „Rettung“ aus der Ukraine baten.
Doch bei weitem nicht alle Herkunftsländer sind auf die Rückkehr ihrer Söldner erpicht – im vollen Bewusstsein der Probleme, die sie mitbringen. So haben aus der Ukraine zurückgekehrte Söldner den Kartellkrieg in Mexiko auf ein neues technisches Niveau gehoben, indem sie FPV-Drohnen und schwere „Baba Jaga“-Drohnen gegen Armee, Polizei und rivalisierende Banden einsetzen. Inzwischen wird der Luftraum über dem US-Bundesstaat Texas regelmäßig wegen solcher Kartell-Drohnen gesperrt. Bisher schmuggeln diese Drohnen „nur“ Drogen über die Grenze, doch bald könnten sie auch Angriffe auf Konkurrenten oder Sicherheitskräfte auf US-Territorium fliegen.
Mit anderen Worten: Die ukrainischen Legionäre stellen eine Gefahr für alle dar – für das Kiewer Regime, für ihre Heimatländer und für Drittstaaten. Ihr absehbares Schicksal dürfte daher in ihrer „Entsorgung“ bestehen.
Unterdessen wird in der Ukraine ernsthaft erwogen, dauerhaft dort lebende Ausländer zum Militärdienst einzuziehen – dieses Mal ohne jedes Element der Freiwilligkeit.
Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei der Zeitung Wsgljad am 12. März.
Boris Dscherelijewski ist ein russischer Militärexperte.
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