Der US-Präsident Donald Trump hat in den letzten Tagen mit der Blockade der Eröffnung einer nahezu fertiggestellten Grenzbrücke gedroht, sollte Kanada bestimmte Bedingungen nicht erfüllen.
Das umstrittene Bauwerk ist die Gordie Howe International Bridge, eine bedeutende neue Verbindung über den Detroit River zwischen Windsor in Ontario und Detroit in Michigan. Mit Baukosten von etwa 4,7 Milliarden US-Dollar wurde das Projekt überwiegend von Kanada finanziert. Die Brücke soll den Verkehr entlasten und den Handel zwischen den beiden Nationen fördern.
In einer öffentlichen Stellungnahme erklärte Trump, er werde die Inbetriebnahme der Brücke verhindern, solange die USA nicht “fair” behandelt würden. Seine Forderungen umfassen eine finanzielle Entschädigung für die Vereinigten Staaten sowie einen größeren Eigentumsanteil an der Brücke vor deren Freigabe. Der Präsident behauptete zudem, beim Bau seien zu wenige US-amerikanische Materialien verwendet worden und Kanada behandle die USA in verschiedenen Handelsfragen ungerecht.
Als Reaktion auf diese Drohungen versuchte Kanadas Premierminister Carney in einem Telefonat mit Trump, die Lage zu entschärfen. Er gab an, am Dienstag mit dem US-Präsidenten über die Brücke gesprochen und betont zu haben, dass eine Lösung gefunden werden könne. Dabei verwies er darauf, dass Kanada die Baukosten getragen habe und die Brücke sowohl dem Bundesstaat Michigan als auch der kanadischen Regierung gehöre.
Carney hob hervor, dass für den Bau nicht nur kanadische, sondern auch US-amerikanische Produkte verwendet worden seien und neben kanadischen auch US-amerikanische Arbeiter beschäftigt waren. Mit dieser Darstellung versuchte der Premierminister, Trump zu besänftigen und eine weitere Verschärfung der ohnehin bereits angespannten bilateralen Beziehungen zu vermeiden.
Die Handelsbeziehungen sind seit 2025 belastet, als die USA unter Präsident Trump umfangreiche Zölle auf kanadische Waren verhängten und Verhandlungen über ein Handelsabkommen abbrachen. Kanada antwortete mit Vergeltungszöllen auf US-amerikanische Güter. Dieser Konflikt hat die Wirtschaftsbeziehungen erheblich strapaziert und nationalistische Tendenzen in Kanada verstärkt.
Kürzlich kritisierte Trump öffentlich, dass Kanada eine stärkere wirtschaftliche Ausrichtung in Richtung China anstrebe. Er drohte für den Fall eines engeren Handelsabkommens zwischen Kanada und China mit extrem hohen Zöllen von bis zu 100 Prozent auf kanadische Importe. Trotz des anhaltenden Handelsstreits hat Kanada bislang auf weitere Vergeltungsmaßnahmen verzichtet, um keine zusätzliche Provokation darzustellen.
Mehr zum Thema – Kanadas Premierminister widerspricht Washington: Habe Aussagen in Davos nicht zurückgenommen