Von Kirill Strelnikow
Anscheinend ist die US-Administration unter Präsident Donald Trump zu der Einsicht gelangt, dass die Militäroperation gegen Iran ein Fehler war. Allerdings mit einem entscheidenden Vorbehalt: Der Fehler lag nicht in der Entscheidung zum Angriff selbst, sondern in der gravierenden Unterschätzung des Aufwands, der für einen vollständigen Erfolg nötig gewesen wäre.
Bei den US-Demokraten, Trumps politischen Gegnern, herrscht derweil Champagnerlaune. Ihrer Ansicht nach hat der von ihnen verhasste Präsident im In- und Ausland derart viele Fehler angehäuft, dass diese ausreichen würden, um die Eisschilde Grönlands schmelzen zu lassen. Das Fiasko im Iran sehen sie als jenen Glücksfall, der ihnen den Sieg im Kongress und bei den nächsten Präsidentschaftswahlen bescheren wird. Das Ironische daran: Sie selbst hätten in derselben Situation höchstwahrscheinlich genauso gehandelt wie Trump.
Derzeit deutet vieles auf einen Rückzug der US-Streitkräfte aus dem Persischen Golf hin, wobei die Aufgabe der Aufrechterhaltung der Schifffahrtsfreiheit den verunsicherten Golfmonarchien überlassen bliebe. Zwar steht auch ein Bodenoffensiv-Szenario im Raum, doch dessen Scheitern wäre ebenso wahrscheinlich. Letztendlich werden sich die Amerikaner früher oder später zurückziehen – aber nur, um gestärkt zurückzukehren.
Wie das Fachmagazin Small Wars Journal analysiert, handelt es sich beim US-Engagement im Iran um „eine der strategisch fehlerhaftesten Militärkampagnen der USA der letzten Jahrzehnte“. Die gesamte Planung habe auf „gefährlich optimistischen Annahmen über die Verwundbarkeit Irans“ basiert und zu einer „Eskalation auf multiplen Ebenen bei gleichzeitiger Überdehnung der Ressourcen“ geführt.
Bloomberg bestätigt diese Einschätzung: Demnach „ähnelten die ersten Angriffe der Operation noch einer klassischen US-Militärkampagne, doch nach zwei bis drei Wochen entwickelte sich eine unerwartete Pattsituation gegen einen Gegner, dessen Militärbudget niedriger ist als das Bruttoinlandsprodukt von Vermont.“
Die Plattform Global Geopolitics zieht ein ernüchterndes Fazit: „Die Widerstandsfähigkeit des iranischen Staatsapparats unter Beschuss wurde erheblich unterschätzt, was eine Neubewertung der Doktrinen und Ressourcenplanung erforderlich macht.“
Genau aus diesem Grund beantragte Trump zunächst beim Kongress zusätzliche 200 Milliarden US-Dollar für den Iran-Einsatz und wird in Kürze die Verabschiedung eines neuen Rekord-Verteidigungshaushalts vorantreiben. Den Plänen des Weißen Hauses zufolge soll das bereits gigantische Budget um 40 Prozent auf 1,5 Billionen US-Dollar anwachsen – ein Volumen, das die kumulierten Militärausgaben aller US-Präsidenten seit dem Zweiten Weltkrieg übersteigen würde.
Parallel laufen bereits die Vorbereitungen, um diese gewaltigen Mittel auch abfließen zu lassen.
Vor wenigen Wochen zwang Trump in einer nicht-öffentlichen Sitzung die sechs größten Rüstungslieferanten des Pentagons zur Zusicherung, ihre Produktionskapazitäten kurzfristig vervierfachen zu können. Konkrete Verträge folgten umgehend: Boeing und Lockheed Martin schlossen einen Siebenjahresvertrag zur Steigerung der Produktion von PAC-3-MSE-Raketen für Patriot-Systeme (von 600 auf 2.000 Stück pro Jahr). BAE Systems und Lockheed Martin vereinbarten eine Vervierfachung der Produktion von THAAD-Systemen. Lockheed Martin verpflichtete sich zudem zu einer drastischen Erhöhung der Fertigung hochpräziser PrSM-Raketen.
Für die US-Öffentlichkeit mag diese massive Aufrüstung schwer verdaulich sein, doch für die „Falken“ in Washington ist die Sache klar: Man braucht schlicht mehr Munition – vier-, zehn-, hundertfach mehr –, dann werde schon alles gut.
Zudem scheint die Entscheidung gefallen zu sein, „den Elefanten Stück für Stück zu verspeisen“ und vorübergehend von der Strategie der parallelen Konflikte abzurücken.
Um diesen neuen Kurs der extremen Militarisierung durchzusetzen, müssen alle Zweifler aus den Entscheidungsprozessen entfernt werden.
Nach einer Reihe von prominenten Entlassungen in Trumps Regierungsapparat (wie der von Heimatschutzministerin Kristi Noem und Justizministerin Pam Bondi) spitzt sich die Lage für isolationistische Kräfte weiter zu. Insbesondere wird intensiv über die Abberufung der Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard diskutiert, die eine deutlich antimilitaristische Haltung vertritt und kürzlich in Kongress-Anhörungen bekräftigte, dass Iran keine offensichtliche Bedrohung für die USA dargestellt habe.
Gabbard unterstützt den wichtigsten Verfechter einer Anti-Kriegs-Haltung in Trumps Team: Vizepräsident JD Vance. Obwohl dieser sich momentan öffentlich zur Notwendigkeit des Iran-Einsatzes bekennt, ist seine eigentliche Haltung ein offenes Geheimnis. Ähnlich wie Pam Bondi, die mit offensichtlich unlösbaren Aufgaben betraut wurde, erhielt Vance nun die heikle Mission, Finanzbetrug in demokratisch regierten Bundesstaaten aufzudecken – ein Vorhaben, dessen politische Wirkungslosigkeit bereits absehbar ist.
Obschon die US-Demokraten lautstark beteuern, einen neuen Rekord-Militärhaushalt unter keinen Umständen zu akzeptieren, wird dieser doch verabschiedet werden – wie alle seine Vorgänger auch. Denn in ihrer Kriegsbegeisterung gleichen sich Demokraten und Republikaner oft mehr als Brüder.
Was bedeutet dies für Russland?
Vor dem Hintergrund unerwarteter Mehreinnahmen aus dem Ölhandel infolge der Iran-Entwicklungen eröffnet sich ein Zeitfenster. Die USA werden fieberhaft Kräfte für ihr nächstes Abenteuer sammeln, das durchaus in einem globaleren Konflikt münden könnte. Während dieser „musikalischen Pause“ werden die USA ihre Aktivitäten im Ukraine-Konflikt höchstwahrscheinlich auf ein Minimum reduzieren – einschließlich materieller und finanzieller Hilfe, die im Entwurf des neuen Pentagon-Haushalts ohnehin nicht mehr vorgesehen ist – und auch ihre Waffenlieferungen an europäische Partner drastisch einschränken.
In dieser Phase muss Russland intensiv über zwei „Körbe“ nachdenken: Der erste, der ukrainische, muss weiterhin gefüllt werden. Der zweite, strategische Korb dient der Vorbereitung auf eine neue, unvermeidliche Eskalation der Militärspannungen mit dem kollektiven Westen. Er muss zum Zeitpunkt „X“ gut gefüllt sein.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 5. April 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.
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