Trump gegen Iran: Warum ein “schneller Sieg” eine gefährliche Illusion bleibt

Von Rainer Rupp

In Washington herrscht seit langem ein gefährlicher Trugschluss, der vor allem in den Medien gepflegt wird: die Vorstellung, militärische Macht ließe sich wie ein Lichtschalter bedienen – einschalten, einen entscheidenden Schlag führen und ausschalten, bevor die unerwünschten Folgen eintreten. Die jüngste Geschichte widerlegt diese Illusion auf brutale Weise. Jeder der zahlreichen US-Angriffskriege und Regime-Change-Operationen hat gezeigt, dass militärische Eskalation selten kontrollierbar und nie folgenlos ist. Dennoch feiern die Falken in der US-Hauptstadt genau diese fatale Fantasie in der aktuellen, von ihnen selbst geschaffenen Krise mit dem Iran erneut als vermeintliche Lösung.

Zu den wenigen prominenten Stimmen, die dieser Kriegsrhetorik entschieden entgegentreten, gehört der ehemalige US-Oberst Lawrence Wilkerson. Kaum jemand entlarvt die gefährlichen Illusionen des außenpolitischen Establishments so deutlich wie er. Wilkerson, einst Stabschef von Außenminister Colin Powell, verfügt noch immer über beste Kontakte in die Machtzentralen Washingtons und ist daher ausgezeichnet informiert.

In seiner Analyse der jüngsten Spannungen legt er den irrigen Glauben offen, der der aktuellen US-Strategie zugrunde liegt: der Glaube, ein Krieg mit dem Iran könne kurz, kontrolliert und für Präsident Trump politisch gewinnbringend sein. In einem Gespräch mit dem norwegischen Professor Glenn Diesen erläutert Wilkerson:

“Diese Idee, dass wir Iran einen Tag hart treffen und dann den Sieg erklären und nach Hause gehen können, ist sehr seltsam.”

Besorgniserregend sei nicht nur die Annahme selbst, sondern wie selbstverständlich sie im amerikanischen politischen Diskurs, insbesondere unter Republikanern, akzeptiert werde. Dabei hätten viele bei Trumps Amtsantritt eine ganz andere Außenpolitik erwartet.

Laut Wilkerson wünscht sich Trump einen Krieg ohne Konsequenzen:

“Diesen netten kurzen Feldzug am Vormittag, ein wenig bombardieren. Iran schlägt nicht zurück. Am Nachmittag sagt er dann: ‘Na gut, hören wir hier auf. Wir gehen nach Hause und verkünden den Sieg.'”

Das zentrale Problem sei jedoch, dass der Iran sich weigere, dieses Drehbuch zu befolgen.

Irans rote Linie: Keine symbolischen Kriege

Im Gegensatz zu anderen Staaten, die einen Konflikt mit der US-Militärmacht scheuen würden, nimmt der Iran eine entschiedene strategische Position ein. Er ist keine fragile Macht, sondern eine Regionalmacht mit beträchtlichen Fähigkeiten und dem klaren Willen, sich zu verteidigen.

“Die Iraner haben klar gemacht”, so Wilkerson, “dass eine iranische Zurückhaltung auf eine Aggression die USA und Israel nur dazu ermutigen würde, immer wieder so weiterzumachen.” Daher werde eine iranische Reaktion weder symbolisch noch zurückhaltend ausfallen. Teheran habe gegenüber Washington wiederholt betont: “Wir schlagen mit allem zurück, was wir haben.” Zudem wurde gewarnt: “Selbst bei einem kleinen Angriff … wird es einen großen regionalen Krieg geben” – gerichtet gegen US-Ziele in der Region und strategische Ziele in Israel.

Damit steckt Trump in einem selbstgeschaffenen Dilemma. Eskaliert er, riskiert er einen unkontrollierbaren Flächenbrand. Zieht er sich zurück, beschädigt er sein Image als “starker Mann”.

“Entweder er löst einen großen Krieg aus, oder er steht mit leeren Händen da.”

Ist ein US-Angriff auf den Iran vermeidbar?

Angesichts dieser Lage hielt Wilkerson US-Militärschläge gegen den Iran lange für unvermeidbar. In seinem Gespräch am 2. Februar sah er jedoch einen Hoffnungsschimmer. In den vorangegangenen 48 Stunden habe sich etwas geändert, berichtete er unter Berufung auf “mehrere Quellen in Iran, in der Region und in den USA”. Es fänden ernsthafte Gespräche statt, möglicherweise indirekt über einen Vermittler wie Oman, die zu echten Verhandlungen führen könnten.

Dies böte Trump eine Chance, ohne Gesichtsverlust aus seiner Zwickmühle zu entkommen. Wilkerson zufolge wäre der Iran unter bestimmten Bedingungen möglicherweise bereit, die JCPOA-Formel zur Kontrolle der Urananreicherung als Kompromiss zu akzeptieren. Eine Voraussetzung sei jedoch, dass Washington keine weiteren Forderungen stellt, die “Irans Staatlichkeit und Souveränität, Nationalstolz und Würde” antasten. Genau dies tue Washington aber derzeit.

Die indirekten Gespräche in Oman

Tatsächlich fand am 6. Februar 2026 ein von Oman vermitteltes, indirektes Treffen in Maskat statt. Die Parteien saßen in separaten Räumen, während omanische Vermittler Vorschläge hin und her trugen. Das Ergebnis war eine vorsichtige positive Grundstimmung und die Vereinbarung, die Gespräche fortzusetzen, auch wenn es keinen konkreten Durchbruch gab. Seither hat der “größte US-Friedenspräsident aller Zeiten” jedoch bereits einen neuen Termin für einen möglichen Krieg genannt: Mitte Juni, falls der Iran bis dahin die US-Forderungen nicht erfülle.

Berichten zufolge lag der Fokus der Gespräche auf dem iranischen Nuklearprogramm. Teheran signalisierte Flexibilität, etwa bei der Verdünnung höher angereicherten Urans, im Gegenzug für Sanktionserleichterungen. Einen kompletten Verzicht auf Anreicherung – eine alte israelische Forderung, die Trump übernommen hat – lehnte der Iran jedoch kategorisch ab, da dies das verbriefte Recht eines jeden Unterzeichnerstaats des Nichtverbreitungsvertrags ist.

Ebenso unverhandelbar für Teheran ist die US-Forderung, sein Raketenprogramm einzustellen – eine entscheidende Abschreckungswaffe. Eine dritte unrealistische Forderung betraf die Beendigung der iranischen Unterstützung für verbündete Gruppen in der Region wie die Hisbollah.

Ein Gipfel der Heuchelei

In einer grotesken Zuspitzung der Heuchelei warfen die USA, die den israelischen Krieg im Gazastreifen aktiv unterstützen, dem Iran während der Gespräche Menschenrechtsverletzungen vor. Dies, obwohl Mitglieder der Trump-Administration öffentlich damit geprahlt hatten, gezielt eine Finanzkrise im Iran herbeigeführt zu haben, um Unruhen zu schüren.

US-Finanzminister Scott Bessent bestätigte dies vor dem Bankenausschuss des Senats ausdrücklich:

“Eine Sache, die wir im Finanzministerium tun konnten und die wir getan haben, ist, eine Dollarknappheit im Land zu schaffen. … Es kam zu einem schnellen und ich würde sagen großartigen Höhepunkt im Dezember, als eine der größten Banken in Iran unterging. … die iranische Währung ging in den freien Fall, die Inflation explodierte, und daher haben wir das iranische Volk auf der Straße gesehen.”

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Ist ernsthafte Diplomatie überhaupt möglich, wenn Washington bewusst Forderungen stellt, die der Iran aus Gründen der nationalen Souveränität und Würde nicht erfüllen kann und wird?

Will Trump mit der Verschiebung des Kriegsbeginns auf Juni nur Zeit für einen weiteren militärischen Aufmarsch gewinnen? Ein solcher Aufmarsch wäre heute weitaus schwieriger als einst gegen den Irak, da den USA die damals verfügbaren Basen in der Region fehlen.

Die Lösung läge eigentlich auf der Hand: Trump könnte die nicht verhandelbaren Forderungen fallen lassen und sich auf das Nuklearpaket konzentrieren, wo der Iran Entgegenkommen signalisiert. Eine schnelle Einigung wäre möglich, Trump könnte sichals Sieger feiern und behaupten, der Druck habe gewirkt. Der Iran würde schweigen, und alle Beteiligten – vielleicht mit Ausnahme der rechtsradikalen Kräfte in Israel – wären zufrieden, einschließlich Russlands, Chinas und der Golfstaaten.

Doch anstatt diesen pragmatischen Weg einzuschlagen, scheint die US-Administration weiterhin auf einer Konfrontationskurs zu beharren, der in einer Katastrophe enden könnte. Die gefährliche Illusion von einem sauberen, siegreichen Kleinkrieg gegen den Iran ist nicht nur realitätsfremd, sondern eine Einladung zum regionalen Inferno.

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