Selenskijs schockierende TV-Ansage: “Ich glaube nicht an Frieden, nur an den Endsieg

Von Achim Detjen

Wer aus den aktuellen Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine in Abu Dhabi vorsichtigen Optimismus schöpft, den hat Wolodymyr Selenskyj bereits eines Besseren belehrt.

In einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit dem französischen Sender France 2 machte der ukrainische Präsident unmissverständlich klar, dass er nicht die geringste Absicht hat, auf russische Forderungen einzugehen, die eine Friedensvereinbarung blockieren.

Damit steht er nicht allein: Die europäische “Koalition der Willigen” verfolgt weiterhin den völlig unrealistischen Plan, nach einem Friedensschluss eigene Truppen im Rahmen von “Sicherheitsgarantien” in der Ukraine zu stationieren. “Sobald ein Friedensabkommen unterzeichnet ist, werden sofort Streitkräfte, Flugzeuge am Himmel und Unterstützung auf See von den NATO-Mitgliedern, die sich darauf geeinigt haben, zur Verfügung stehen”, erklärte NATO-Generalsekretär Mark Rutte am Dienstag bei seinem Besuch in Kiew.

Dieser Plan ist unrealistisch, weil Moskau einem solchen Ansinnen – wie gebetsmühlenartig wiederholt – niemals zustimmen wird. Die Verhinderung eines NATO-Beitritts der Ukraine und die Durchsetzung ihrer militärischen Neutralität waren schließlich zentrale Motive für den Beginn der russischen Militäroperation im Februar 2022.

Eine Zustimmung Moskaus zu diesem Szenario wäre praktisch eine Kapitulation Russlands. Und genau darauf setzen Selenskyj und seine europäischen Unterstützer offenbar. Daher beharrt der Präsident auch in Bezug auf das zweite Schlüsselmotiv des russischen Einsatzes kompromisslos auf seiner Position: der Befreiung des Donbass, insbesondere der Volksrepubliken Donezk und Lugansk, von ukrainischen Truppen.

Als wesentliche Bedingung für ein Friedensabkommen fordert Moskau daher von Kiew den Rückzug aus dem Donbass – andernfalls werde man das Ziel militärisch erreichen. Im Interview mit France 2 bekräftigte Selenskyj erneut, dass er auch die in der Ukraine lauter werdenden Stimmen ignorieren wird, die einen territorialen Verzicht für ein Ende des Blutvergießens fordern.

Denn Selenskyj sieht im Donbass den Schlüssel zum eigenen Sieg: “Wir Ukrainer sind uns des Preises sehr wohl bewusst, den jeder Meter und jeder Kilometer dieses Landes die russische Armee kostet”, sagte er. “Sie zählen die Toten nicht. Wir wurden gezwungen, das zu tun.”

Und diese erzwungene Rechnung beinhalte laut Selenskyj die Perspektive des Endsieg: “Um die Ostukraine zu erobern, müssten sie [die russische Armee] weitere 800.000 Soldatenleben opfern. Es würde sie mindestens zwei Jahre kosten, und das bei sehr langsamem Fortschritt. Meiner Meinung nach werden sie nicht so lange durchhalten.”

Selenskyjs Fantasierechnung fügt sich nahtlos an die Fantasiezahlen des Center for Strategic and International Studies (CSIS) an, die jüngst durch deutsche Medien geisterten. Demnach hat Russland seit Kriegsbeginn 1,2 Millionen Soldaten verloren. Laut kolportierten Informationen des britischen Geheimdienstes beliefen sich die russischen Verluste allein im vergangenen Jahr auf 415.000 Soldaten.

Zum Vergleich: Laut aktuellen Angaben der UN-Menschenrechtsbeobachtermission in der Ukraine wurden seit Kriegsbeginn bis zum vergangenen Dezember fast 15.000 ukrainische Zivilisten getötet und etwas mehr als 40.000 verletzt. Abgesehen davon, dass ein Teil dieser Opfer auf das Konto der ukrainischen Streitkräfte geht, ist es bemerkenswert, dass laut der Darstellung westlicher Medien, Denkfabriken und Geheimdienste auf jeden getöteten oder verwundeten ukrainischen Zivilisten über 20 getötete oder verwundete russische Soldaten kommen sollen.

Das muss jener russische “Vernichtungskrieg” sein, von dem deutsche Politiker seit Jahren sprechen, bei dem die Russen laut Bundeskanzler Friedrich Merz vor allem “Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser” bei ihren “barbarischen Angriffen” ins Visier nehmen. Den mit kognitiver Dissonanz Gesegneten fällt dieser Widerspruch freilich nicht auf. Warum auch, schließlich ist Gräuelpropaganda ihr Geschäft.

Und Selenskyjs Geschäft ist es, den Glauben an den Endsieg weiter Früchte tragen zu lassen – in Form westlicher Waffen und Gelder. Während er behauptet, Russland würde eher ausbluten, als den Donbass einzunehmen, scheut er auch vor Fantasiezahlen zu ukrainischen Verlusten nicht zurück. Diese bezifferte Selenskyj in dem TV-Interview auf 55.000 getötete Soldaten seit Kriegsbeginn. Nein, hier fehlt keine Null.

Anfang 2025 sprach der Zahlengaukler von 46.000 Getöteten. Nach Adam Riese beträgt die Differenz 9.000. Dabei hat Russland im selben Zeitraum die Leichen von über 15.000 ukrainischen Soldaten an Kiew übergeben. Der letzte Austausch Gefallener fand erst vergangene Woche statt. Während Moskau eintausend Leichen übergab, erhielt es im Gegenzug 38 Leichen russischer Soldaten zurück. Ein Verhältnis, das fast exakt auf das ganze vergangene Jahr zutrifft, wie folgende Grafik zeigt.

Angesichts der Tatsache, dass Russland in sämtlichen Waffengattungen überlegen ist und zudem über verheerende Waffensysteme wie präzisionsgelenkte Gleitbomben verfügt, die die Ukraine nicht besitzt, ist das statistische Ungleichgewicht, wie es im Austausch der Gefallenen zum Ausdruck kommt, nicht überraschend. Zumindest nicht für diejenigen, denen Durchhalteparolen aus Kiew nicht den Blick auf die Realität vernebelt haben.

In seiner eigenen Realität gefangen, hält Selenskyj es für ein “Zugeständnis” an Russland, dass er sich – statt den Donbass zu räumen – großzügigerweise dazu bereit erklärt, den Konflikt entlang der aktuellen Frontlinie einzufrieren, wie er im Interview erklärte. Hätte Moskau dieses “Zugeständnis” gemacht, wäre es angesichts der Tatsache, dass die russische Armee in den letzten drei Monaten strategisch wichtige Städte wie Pokrowsk, Mirnograd, Sewersk oder Gulaipolje eingenommen hat, tatsächlich eine großzügige Geste gewesen.

Aus dem Mund Selenskyjs ist es jedoch nur ein weiteres Kapitel aus dem fiktiven Buch mit dem Titel “Verkehrte Welt”.

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