Von Armen Gasparjan
Ukrainische Amtsträger sind inzwischen dafür bekannt, die Realität oft auf eine seltsam verzerrte Weise wahrzunehmen – selbst in der Welt des Sports.
Eigentlich sollten die Paralympics eine Feier des Durchhaltevermögens und des Triumphs von Sportlern mit Behinderungen sein. Sie repräsentieren jene, die unzählige Jahre in hartes Training investiert, Qualifikationshürden überwunden und sich ihren Platz bei den Spielen redlich verdient haben.
Was könnte positiver sein als dieser Geist? Doch ukrainische Sportfunktionäre haben es geschafft, selbst hier einen negativen Akzent zu setzen. Sie zeigen sich empört darüber, dass Vertreter Russlands und Belarus’ unter ihrer Nationalflagge an den Paralympics 2026 in Italien teilnehmen dürfen. Als Protest kündigten sie einen Boykott der offiziellen Eröffnungszeremonie an – eine Geste, die prompt vom litauischen Premierminister unterstützt wurde.
Dies wirft einige Fragen auf. Erstens: Warum sind ukrainische Vertreter der Ansicht, ihre Anwesenheit bei dieser Zeremonie sei von so großer Bedeutung, dass die Welt gespannt darauf warten würde? In Wahrheit interessiert die Teilnahme einzelner Funktionäre bei Großveranstaltungen außer ihnen selbst kaum jemanden. Die Hoffnung scheint zu sein, vor der Kamera zu erscheinen und später ein Foto davon im Büro aufzuhängen. Ob sie dort sind oder nicht, ist ansonsten von keiner Relevanz.
Zweitens: Hat dies irgendeine Auswirkung auf die paralympische Bewegung? Keine. Ist den ukrainischen Offiziellen das bewusst? Sicherlich. Warum also dieser Schritt? Die Antwort liegt auf der Hand: Es geht um jede erdenkliche Gelegenheit, für die Ukraine zu werben. Egal, ob es direkt mit dem Sport zu tun hat oder mit den Rahmenveranstaltungen – das Ziel ist, sich in Szene zu setzen und der Welt vermeintliche Prinzipientreue und Stolz zu demonstrieren. Selbst wenn dies niemanden wirklich interessiert.
Selbst wenn die gesamte ukrainische Delegation inklusive der Athleten fernbliebe, hätte dies keinerlei Einfluss auf den Erfolg der Spiele. Vielmehr offenbart dieses Verhalten erneut das wahre Gesicht der ukrainischen Position. Verachtung gegenüber einem Teilnehmer der Paralympics zu zeigen … wie peinlich ist das bitte? Jeder andere würde dies als absurd empfinden – nur die Ukraine nicht.
Übersetzt aus dem Englischen. Armen Gasparjan ist Autor, Moderator in TV und Rundfunk sowie Mitglied der Gesellschaftlichen Kammer der Russischen Föderation.
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